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Inflation im Euro-Raum Mario Draghis Probleme mit dem starken Euro

Die Preise in der Euro-Zone sind im März gefallen. Das Inflationsziel der Europäischen Zentralbank ist in weiter Ferne. Jetzt verschärft auch noch der starke Euro-Kurs die Probleme von Notenbankchef Mario Draghi.
Update: 31.03.2016 - 16:14 Uhr 21 Kommentare

Aggressive Geldpolitik bleibt treibende Kraft

Frankfurt Mario Draghi hatte sich bereits auf schlechte Nachrichten eingestellt. „Wir rechnen für die nächsten Monate mit niedrigen oder gar negativen Inflationsraten“, hatte er bereits im Januar angekündigt.

Tatsächlich sind die Preise im Euroraum laut den heute vom europäischen Statistikamt Eurostat vorgelegten Zahlen auch im März um 0,1 Prozent gefallen. Negative Teuerungsraten nähren die Sorge vor einer so genannten Deflation, das ist eine verhängnisvolle Spirale aus dauerhaft verfallenden Preisen und schrumpfender Wirtschaft.

Bereits im Februar hatte es ein Minus von 0,2 Prozent gegeben. Vor allem der Verfall der Ölpreise bewirkt, dass die Lebenshaltungskosten zurückgehen. Binnen Jahresfrist sanken die Energiepreise im März um 8,7 Prozent.

Damit ist das mittelfristige Inflationsziel der EZB einer Preissteigerung von knapp zwei Prozent in  weiter Ferne. Kopfschmerzen dürfte Draghi jetzt auch die jüngste Aufwertung des Euro-Wechselkurses bereiten. Denn ein stärkerer Euro hat zwei derzeit unerwünschte Effekte: Er macht Importe aus dem Ausland in die Euro-Zone billiger – und drückt so die ohnehin schwache Inflation noch weiter. Zum anderen macht er Exporte aus dem Euroraum im Ausland teurer.

Am Donnerstagnachmittag kostet ein Euro 1,1406 Dollar, ein Plus von 0,63 Prozent gegenüber dem Vortag. So stark war die Gemeinschaftswährung zuletzt im Oktober vergangenen Jahres. Zu Jahresbeginn hatte der Euro noch bei 1,08 Dollar notiert.

Die Wirkung des erstarkten Euro verteilt sich über die Zeit, weil sich bestimmte Preise nicht sofort anpassen. Wenn Firmen zum Beispiel längerfristige Lieferverträge geschlossen haben, ändert sich erst etwas, wenn die Kontrakte neu geschlossen werden. Zum Teil macht sich heute noch die Aufwertung des Euro bis Mitte 2014 bemerkbar, ebenso wie die scharfe Abwertung Anfang 2015 bis auf 1,06 Dollar.

Dennoch hat der Wechselkurs einen besonders schnellen Einfluss auf die Preisentwicklung. Bei andere Faktoren, wie dem Wirtschaftswachstum, der Kredit- oder Arbeitsmarktentwicklung braucht  es wesentlich länger, bis sich diese auf die Inflation auswirken. Zum Beispiel dauert es relativ lange bis bei zurückgehender Arbeitslosigkeit auch die Löhne stärker steigen.

„Die Preise der Industriegüter (ohne Energie) legten [im März] langsamer zu als im Vormonat. Damit scheint der wohl hauptsächlich vom lange Zeit schwachen Euro getriebene Aufwärtstrend bei der Teuerungsrate von Industriegütern allmählich zu Ende zu gehen“, schreibt die Commerzbank.

Anfang März hat die EZB mit einem umfassenden Maßnahmenpaket ihre Geldpolitik weiter gelockert. Dazu gehören ein höherer Strafzins für Banken, eine Senkung des Leitzins auf null Prozent, Billigkredite für Banken und  eine Ausweitung der umstrittenen Anleihekäufe auf 1,74 Billionen Euro. All das soll helfen, die Inflation wieder in Richtung zwei Prozent zu bringen. Doch der starke Euro könnte Mario Draghi einen Strich durch die Rechnung machen.

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21 Kommentare zu "Inflation im Euro-Raum: Mario Draghis Probleme mit dem starken Euro"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • << Und abgesehen ist die Entscheidung über das Vorgehen im Euroraum, die Entscheidung aller Nationalbanken vom Euroraum, und nicht die Meinung von Hr. Draghi. Er ist nur der Überbringer der schlechten Nachricht. >>

    Liest man hier bei der Deutschen Bundesbank mit? Dann wird man über Ihre Aussage, Herr Hegglin, gerade schallend gelacht haben. (Sie kleiner Spaßvogel!)

  • Herr Helmut Metz

    Ihre Idee löst ein Problem, und schafft dadurch mehrere Probleme.
    Oder ist ihre Idee, das zum Beispiel sich 3 Nationalbanken gegenseitig Konkurrieren. Eine Nationalbank ist immer eine Monopolist so auch die EZB.
    Und abgesehen ist die Entscheidung über das Vorgehen im Euroraum, die Entscheidung aller Nationalbanken vom Euroraum, und nicht die Meinung von Hr. Draghi. Er ist nur der Überbringer der schlechten Nachricht. Und das hat jetzt wirklich nichts zu tun mit Kommunismus oder Sozialpolitik.

  • Draghi hat sich total verzockt, die EU wird durch die unheilbaren "Südstaaten" scheitern; daher so viel wie möglich Immobilien kaufen.

  • Nachtrag:
    Tip: Besser den USD gegen etwas "Hartes" und wirklich Brauchbares eintauschen, z.B. gegen den "Anti-Dollar" Platin. Wie Sie sehen, korreliert ein sinkender Dollarindex (seit Jahresbeginn von knapp 100 auf etwa 94 bis jetzt) gerne mit einem steigenden "Anti-Dollar":
    http://www.finanzen.net/rohstoffe/platinpreis
    versus
    http://www.bloomberg.com/quote/DXY:CUR

  • Draghi würde am besten überhaupt nicht intervenieren und sich zusammen mit der EZB abschaffen.
    Der Markt benötigt keine monopolistischen Zentralbanken. Nur Kommunisten (und Geldsozialisten) benötigen diese, weshalb die Forderung nach einer Zentralbank auch im Kommunistischen Manifest von Marx / Engels zu finden ist:
    "Zentralisation des Kredits in den Händen des Staats durch eine Nationalbank mit Staatskapital und ausschließlichem Monopol."
    https://www.marxists.org/deutsch/archiv/marx-engels/1848/manifest/2-prolkomm.htm

  • Der GBP ist derzeit schwach weil der mögliche Brexit eingepreist wird.

    Und der Dollar ist stark weil sich die Investoren aus den Emerging Markets verabschiedet haben und das Geld wieder in Dollar angelegt haben.

    Ist der Yen überhaupt noch eine ernstzunehmende Währung bei einer Staatsverschuldung von 240% zum BIP, der Pleitestaat Nummer 1 weltweit. Ist das woran sich der Euro misst ? Dann aber schleunigst ab in die Tonne damit.

  • Vielleicht verkaufen die Chinesen endlich ihre Billionen-USD-Devisen ab? Wird auch langsam Zeit, dass die von der Fed in den letzten Jahren immer mehr starkverdünnte WeltLEIDwährung endlich das Zeitliche segnet. Aber bitte doch nicht gegen Euro abverkaufen!! ;-) Das hieße nämlich die Pest gegen die Cholera eintauschen...

  • Draghi würde besser am Devisenmarkt intervenieren, das würde der Wirtschaft mehr helfen.
    Als Staatsanleihen zu Kaufen, wo der Druck auf die Politiker genommen wird, um endlich Reform
    an zu Packen und die Finanzen in Ordnung zu bringen.

  • Noch mal als Hinweis nicht der Wechselkurs ist entscheidend für die Euro-Stärke sondern die Kaufkraft. Kurse von 2008 als Gegenbeweis zu zitieren zeigt nur die Unkenntnis hier im Forum.
    Der Euro müsste derzeit wohl eher noch mal um 30% fallen um als schwach zu gelten. Zum Yen und beim Pfund geht es fast wieder auf das Allzeithoch zu trotz der schwachen Südländer. Draghi sollte das Geld besser direkt drucken und an die Länder geben welche Flüchtlinge aufnehmen oder Steuerentlastungen damit ermöglichen.

  • die kommenden Generationen werden wieder fragen: "wie konnte man nur solchen Leuten (Draghi, Merkel, Juncker, Schultz, uvm.) vertrauen, wo man doch sehen musste, wohin diese Politik führt"........

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