Inflationsziel à la EZB Bernanke bricht mit der Tradition

Die US-Notenbank hat entschieden, ihre Niedrigzinspolitik bis Ende 2014 fortzusetzen. Sie setzt sich zudem erstmals in ihrer Geschichte ein Inflationsziel. Mit dem Zielwert von zwei Prozent kupfert sie bei der EZB ab.
Update: 25.01.2012 - 21:49 Uhr 19 Kommentare
Ben Bernanke vor Journalisten in Washington. Quelle: Screenshot Handelsblatt

Ben Bernanke vor Journalisten in Washington.

(Foto: Screenshot Handelsblatt)

WashingtonUS-Notenbankpräsident Ben Bernanke hat am Mittwoch einen Bauchladen an Überraschungen präsentiert. Erstmals in der Geschichte will die Notenbank künftig ihre Geldpolitik an einem konkreten Inflationsziel orientieren. Außerdem bekennt sich die Federal Reserve (Fed) dazu, den Leitzins außergewöhnlich lange - und zwar bis Ende Jahr 2014 - niedrig zu halten.

Damit dürfte die derzeit gültige Bandbreite von null bis 0,25 Prozent noch drei weitere Jahre gelten. Die Fed hatte im August 2011 zunächst angekündigt, mindestens bis Mitte 2013 den Zins außergewöhnlich niedrig zu halten.

Das schlechte wirtschaftliche Umfeld und gemäßigte Inflationserwartungen auf mittlere Sicht seien die Basis für die Zinsentscheidung, teilte die Fed mit. Auf seiner Pressekonferenz sagte Notenbank-Präsident Ben Bernanke sogar, dass die Notenbank auch noch ein neues Programm zum Aufkauf von Staatsanleihen auflegen könnte.

Der Euro legte nach Bekanntwerden der Entscheidung zum Dollar zu und notierte bei nahe 1,31 Dollar und damit so hoch wie seit einem Monat nicht. Die Kurse amerikanischer Staatsanleihen zogen deutlich an. Auch der US-Aktienindex Dow Jones machte einen kleinen Freudensprung.

Als angestrebte Marke für das langfristige Inflationsziel - gemessen am Verbraucherpreisindex - wählte der Offenmarktausschuss wie die Europäische Zentralbank den Wert von zwei Prozent. Bernanke hatte in den vergangenen Jahren immer wieder angedeutet, dass er Sympathien für ein konkretes Inflationsziel hege. Die zwei Prozent waren bislang jedoch nur eine inoffizielle Größe.

Am Mittwoch veröffentlichte die Federal Reserve jedoch ein Statement zu ihrer langfristigen Politik, indem sie die Zielmarke auch offiziell definierte. „Dieses Inflationsziel deutlich gegenüber der Öffentlichkeit zu kommunizieren hilft, die langfristigen Inflationserwartungen fest zu verankern“ so die Fed.

Bernanke treibt seine Transparenzoffensive voran
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Inflationsziel à la EZB - Bernanke bricht mit der Tradition

19 Kommentare zu "Inflationsziel à la EZB : Bernanke bricht mit der Tradition"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • "Erstmals in der Geschichte will die Notenbank künftig ihre Geldpolitik an einem konkreten Inflationsziel orientieren."

    Diese Hobbyökonomen begreifen nicht, dass man nicht nur Brotpreise aufblasen also inflationieren kann sondern auch alles mögliche andere in der modernen Welt viel Gefährlicheres, z.B. Immobilien- bzw. allgemein Assetpreise, Bankbilanzen, Konsum etc. Die ganze Weltwirtschaft die zunehmend durch die heiße Luft ungedeckten Geldes getragen wird -verbunden mit der ständigen Angst vor Abkühlung und dadurch verursachter harter Landung- wird zunehmend destabilisiert und Kapitalfehlallokationen gigatischen Ausmaßes produziert, die wiederum zu ebensolcher Kapitalvernichtung führen werden und müssen.

    Diese Art der modernen Inflation lacht sich tot über Bernankes anachronistisch-witziges 2%-Brotpreisziel.

  • Juhuuu!Hab mein Depot in Erwartung, dass die Zinsen niedrig bleiben und QE3 irgendwann kommen muss, seit November 2011 wieder bestückt. Aktien von Unternehmen mit einer Umsatzrendite von mind. 10-15 %. Eigenkapitalrendite mind. 20 %. Eigenkapitalquote mind. 40%. Beständiges Gewinnwachstum per annum mind. 15% und vice versa. Langweiliges Geschäftsmodell Voraussetzung. Ein paar Anleihen dieser Unternehmen mit einem knackigen Kupon von 7% schlummern auch bei mir. Und auf die Dividenden freue ich mich jetzt schon. Die Welt geht seit 2008 unter. So what!

  • Bernake garantiert, dass der Kreis bis Ende 2014 rund ist! Gleichzeitig wird versprochen, dass der Kreis auch Eckig ist! Zauberei? Nein, mit einer sich permanent ändernden Definition von eckig ist beides auszuweisen...
    Diese Ankündigung ist wohl eher eine Drohung an die kleinen Leute, „Hey, wir werden alles tun um zu behaupten, dass Ihr durch die massenhafte Geldvermehrung nicht enteignet werdet..“ und sollte meines Erachtens nicht, wie hier im Handelsblatt, so unkommentiert hingenommen werden.

  • Nun gilt es für die USA neue Gelddruckmaschinen zu kaufen, welche schneller drucken können als die Schulden steigen. Nämlich schneller als 50.000 Dollar pro Sekunde.

  • es gibt keine Inflation, sondern das Gespenst der Deflation erscheint am Horizont.
    Die Shareholders der privaten US Federal Reserve koennten ihre Felle davon schwimmen sehen. Wenn die USA in eine Rezession versinken sind die Tage der US Fed gezaehlt. Garantiert!!!
    Suche mal auf YouTube unter 'Money Masters'.

  • Bei all diesem Bernanke Wahnsinn darf man nicht vergessen, dass Obama voll dahintersteht.

  • Was ist los mit den HANDELSBLATT? Wo ist der kritische Journalismus?

    Ben Bad Banky verspricht 0% Zinsen (Genossen, es kannn weiter billig gehebelt werden), will aber die 2% Inflationsrate anvisieren. Was ist den wenn in 6 Monate die Inflation bei 5% liegt?

    "Heute so morgen so" würde Roberto Blanko sagen.

  • CARRY TIME bis 2014 - quantitative easing - helicopter ben in bestlaune.

    Im daily pfennig war heute ein netter beitrag zur lage da drüben.
    http://www.dailypfennig.com/

  • er will damit ja auch die erwartungen manipulieren und nicht die tatsächliche inflation (die aktuell ja siehe link bei ca. 6% liegt) - das weginflationieren von schulden ist ziel der politik der FED und nicht das aufrechterhalten des status quo

  • ... und außerdem 3% Goldpreiserhöhung bei der Bekanntgabe eines Inflationsziels heisst: offensichtlich ist die Not so groß, daß es hinter der Fassade lichterloh brennt

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%