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Isabel Schnabel Das ist die neue deutsche Stimme im EZB-Direktorium

Isabel Schnabel soll ins Direktorium der EZB einziehen. Ihre wichtigste Aufgabe: Der deutschen Öffentlichkeit die umstrittene Geldpolitik zu erklären.
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Die Wirtschaftsweise soll auf Sabine Lautenschläger folgen. Quelle: Twitter
Isabel Schnabel

Die Wirtschaftsweise soll auf Sabine Lautenschläger folgen.

(Foto: Twitter)

Frankfurt, Berlin Das Büro von Isabel Schnabel an der Universität Bonn ist schwer zu finden. Der Weg führt über lange verwinkelte Gänge. Wie man es von Wissenschaftlern kennt, stapeln sich auf ihrem Schreibtisch auch mal Papierberge. Bald wird die 48-jährige Ökonomin ihr Arbeitszimmer im Juridicum der Universität Bonn gegen ein deutlich spektakuläreres Büro im Glasturm der Europäischen Zentralbank im Frankfurter Ostend tauschen. Dort teilen sich weit oben die Mitglieder des Direktoriums zu zweit jeweils eine Etage.

Die Bundesregierung wird Schnabel als neues Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB) vorschlagen. Dies erfuhr das Handelsblatt aus Regierungskreisen. Zuerst hatte die „Süddeutsche Zeitung“ darüber berichtet. Die Wirtschaftsprofessorin wird damit Nachfolgerin von Sabine Lautenschläger, die überraschend zum 1. November ihren Rücktritt eingereicht hatte. Die Personalie soll am Mittwoch vom Bundeskabinett beschlossen werden.

Das EZB-Direktorium besteht aus sechs Mitgliedern und führt die Geschäfte der Notenbank. Es wird damit gerechnet, dass die europäischen Finanzminister dem Vorschlag Deutschlands folgen. Die vier größten Mitgliedstaaten besetzen traditionsgemäß jeweils einen Posten in dem Gremium.

Eine der wichtigsten Aufgaben für Schnabel in ihrer neuen Funktion wird sein, der deutschen Öffentlichkeit die Geldpolitik der EZB zu erklären. In kaum einem anderen Euro-Land ist diese so umstritten wie in der Bundesrepublik. Erst Mitte September hatte die Notenbank eine weitere Lockerung ihrer Geldpolitik beschlossen.

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann gehört zu den prominentesten Kritikern dieses Kurses. Daher wünschten sich viele in der EZB eine Person, die die geldpolitischen Entscheidungen in der Öffentlichkeit des größten und wirtschaftlich wichtigsten Euro-Landes offensiver erklärt, als dies bisher geschah.

Diese Rolle als Kommunikatorin könnte Schnabel ausfüllen. Sie hat den Kurs der EZB in der Vergangenheit zwar zum Teil auch kritisiert, aber die EZB andererseits auch gegen Angriffe aus Deutschland verteidigt. „In Deutschland wird die EZB, eine der wichtigsten europäischen Institutionen, ständig zum Sündenbock gemacht“, beklagte sie jüngst im Interview mit dem Handelsblatt.

Pragmatische Ökonomin

Schnabel ist aktuell noch Professorin für Finanzmarktökonomie an der Universität Bonn und ist seit 2014 zudem Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, also eine der fünf sogenannten Wirtschaftsweisen. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Finanzkrisen und das Bankwesen.

Welche Aufgaben sie im Direktorium übernehmen wird, ist noch offen. Das wichtigste Ressort, das demnächst frei wird, ist der Bereich Märkte, das derzeit noch vom Franzosen Benoît Cœuré verantwortet wird. Allerdings rückt auch der Italiener Fabio Panetta in das Gremium auf, und die Aufgaben könnten neu verteilt werden.

Schnabel gilt als pragmatische Ökonomin, die auf andere zugehen kann. Auch bei vielen Volkswirten im Ausland, die die ordoliberale deutsche Ökonomenzunft eher kritisch sehen, genießt sie einen guten Ruf. Jüngst wurde sie als Mitglied für den neu gegründeten deutsch-französischen Expertenrat für Wirtschaft nominiert, in dem je fünf Ökonomen aus Deutschland und Frankreich sitzen. Einst gehörte sie einer Gruppe deutscher und französischer Experten an, die Reformen für die Euro-Zone vorgeschlagen haben.

In den vergangenen Jahren haben mit Sabine Lautenschläger, Jörg Asmussen und Jürgen Stark drei deutsche Direktoriumsmitglieder vorzeitig hingeschmissen. Einen weiteren Rücktritt kann sich Deutschland daher nicht leisten. Zudem wollte die Bundesregierung die Stelle nach dem Ausscheiden Lautenschlägers unbedingt wieder mit einer Frau besetzen. Neben Bundesbank-Vizepräsidentin Claudia Buch galt Schnabel daher von Anfang an als Kandidatin.

Mehr: Der Rat der EZB ist tief zerstritten. Investoren fürchten, dass der Kurs von Mario Draghi zu Verwerfungen an den Kapitalmärkten führt.

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