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IW-Studie Zinsen werden lange niedrig bleiben

Die EZB sei nicht allein verantwortlich für die niedrigen Zinsen, heißt es in einer IW-Studie. Demnach könnten die Zinsen noch bis 2050 niedrig bleiben.
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Viele Sparer machen den EZB-Präsidenten für die niedrigen Zinsen verantwortlich. Quelle: dpa
Mario Draghi

Viele Sparer machen den EZB-Präsidenten für die niedrigen Zinsen verantwortlich.

(Foto: dpa)

Frankfurt Die Sparer ächzen unter niedrigen Zinsen und machen dafür vor allem Mario Draghi, den Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), verantwortlich. Eine Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln entlastet ihn deutlich. „Allerdings ist die EZB gar nicht allein verantwortlich für das seit Jahren anhaltende Niedrigzinsumfeld“, heißt es.

Die Wissenschaftler Markus Demary und Michael Voigtländer zeichnen Entwicklungen nach, die in Fachkreisen längst bekannt sind, aber in der Öffentlichkeit oft ignoriert werden. Und sie gehen noch weiter: Nach ihrer Modellprognose werden die Zinsen selbst dann niedrig bleiben, wenn die EZB ihre Geldpolitik normalisieren sollte. Und das bis zum Jahr 2050 – so weit reicht ihre Modellrechnung.

„Wenn die EZB aus der expansiven Geldpolitik aussteigt, erhöhen sich die Zinsen bis 2025 gerade einmal auf 1,3 Prozent“, heißt es mit Blick auf Deutschland. Danach soll der Zins bis 2050 auf null sinken. Gemeint ist allerdings der Realzins, also das, was der Anleger aufs Konto bekommt, minus der Inflation. Und der Realzins liegt zurzeit ja unter null.

Der Vorstoß des IW löste auf Twitter sofort eine Debatte bekannter Ökonomen aus. Lars Feld kritisierte den langen Zeithorizont mit den Worten: „Das ist nicht nur Kaffeesatzleserei, sondern vollkommen unseriös.“ Jens Suedekum konterte: „So kann man es natürlich auch machen. Prognosen, die einem nicht in den Kram passen, pauschal als Kaffeesatzleserei zu bezeichnen.“

Die IW-Experten schreiben, dass die Zinsen in allen Industrieländern schon seit Beginn der 90er-Jahre sinken. Als wichtigsten Grund nennen sie den demografischen Wandel: „Seit Jahrzehnten steigt die Lebenserwartung in Industrienationen wie Deutschland, immer mehr Menschen bereiten sich auf ein langes Leben vor und sparen mehr als die Generationen vor ihnen.“

Gleichzeitig sinken die Investitionen der Unternehmen, weil für sie Daten und Lizenzen gegenüber Maschinen und Gebäuden an Bedeutung gewinnen. Mehr Spargeld im Angebot und weniger Nachfrage lässt den Preis – also den Zins – sinken. Außerdem heißt es: „Dazu kommt, dass in einigen Ländern die staatlichen Investitionen zurückgehen.“ Das dürfte bei strikten Gegnern höherer Staatsausgaben, zu denen Feld gehört, besondere Aufmerksamkeit finden. Es gibt auch Studien, etwa von Larry Summers, nach denen niedrige Staatsschulden in erheblichem Maße zu niedrigen langfristigen Zinsen beitragen.

Das IW mahnt: „Grundsätzlich sollten Banken, Privatleute und Unternehmen prüfen, ob sie auch langfristig gut auf Niedrigzinsen eingestellt sind.“

Mehr: Deutschlands 57 Millionen Sparer sind die Verlierer der Geldpolitik. Doch auch die Banken schlagen Alarm wegen des Kurses der EZB.

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