IWF zur Geldpolitik Gefangen in der Zwickmühle

Der IWF warnt vor neuen Risiken für das Finanzsystem. Dahinter steckt ein Dilemma: Die Welt braucht zwar eine lockere Geldpolitik, um das Wachstum zu stützen. Aber genau diese Politik schürt die Gefahr von Blasen an den Märkten.
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Der Anstieg der Verschuldung zusammen mit zu hohen Bewertungen an den Märkten könnte zu einer Vertrauenskrise führen, warnt der IWF. Quelle: dpa
Bankentürme in London

Der Anstieg der Verschuldung zusammen mit zu hohen Bewertungen an den Märkten könnte zu einer Vertrauenskrise führen, warnt der IWF.

(Foto: dpa)

FrankfurtWenn man im neuen Stabilitätsbericht des IWF zum Finanzsystem nach einer guten Nachricht sucht, dann lautet die: Die Banken sind zehn Jahre nach Ausbruch der großen Krise deutlich stabiler als damals. Das heißt aber noch lange nicht, dass dadurch auch das gesamte System sicherer geworden ist. Denn die schlechte Nachricht ist: Die Risiken haben sich lediglich verschoben, weg von den Banken hin zu den Märkten.

Dahinter steckt vor allem die ultralockere Geldpolitik, mit der die großen Notenbanken versucht haben, die Folgen der Finanzkrise abzufedern. Diese Politik sei noch immer notwendig, um die wirtschaftliche Aktivität zu beleben und die Inflation auf ein vernünftiges Niveau zu heben, heißt es im neuen Finanzstabilitätsbericht des IWF. Aber die Liquiditätsschwemme führe auch zu immer höheren Bewertungen an den Kapitalmärkten und treibe die Verschuldung an.

Mit ihrer Warnung stehen die Ökonomen des IWF nicht alleine. Anfang der Woche war es der scheidende Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, der vor Verwerfungen durch die ultralockere Geldpolitik der Notenbanken warnte. Die Zentralbanken hätten Billionen an Dollars in das Finanzsystem gepumpt, weshalb die Gefahr von „neuen Blasen“ wachse. Der Präsident der niederländischen Notenbank, Klas Knot, sieht das ähnlich. Er fürchtet, dass die Investoren die Risiken an den Märkten unterschätzen.

Wo im Euro-Raum Inflation herrscht – und wo nicht
Irland
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Das frühere Sorgenkind weist derzeit die niedrigste Inflationsrate der Eurozone auf. Lediglich 0,4 Prozent betrug die jährliche Teuerung im August. Einst von der Eurokrise gebeutelt, zeigt sich die Wirtschaft des Landes inzwischen solide aufgestellt – für das Jahr 2017 wird ein BIP-Zuwachs von knapp zwölf Milliarden Euro erwartet.

Zypern
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Mit einer Inflationsrate von 0,5 Prozent liegt Zypern nur knapp vor Irland. Der mediterrane Inselstaat macht einen Großteil seiner Geschäfte mit Griechenland: 15,1 Prozent aller Ausfuhren gingen 2016 nach Hellas.

Griechenland
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Nach drei deflationären Kalenderjahren wies das krisengeplagte Griechenland 2016 eine Inflationsrate von 0,1 Prozent auf. Im August 2017 betrug die jährliche Teuerungsrate 0,7 Prozent.

Finnland
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Finnlands Teuerungsrate: 0,8 Prozent. Finnlands wichtigster Partner bei Import (16,8 Prozent) und Export (13,1 Prozent): Deutschland.

Frankreich
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Auch Frankreich hält sich mit einer Teuerung von 1 Prozent unter den fünf Eurostaaten mit der geringsten Inflation. Für 2017 wird dem Nachbarn ein Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent vorhergesagt.

Österreich
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Österreich zählt mit 2,1 Prozent Teuerung derzeit zu den Euroländern mit höheren Inflationsraten. Der Global Competitiveness Index, der die Wettbewerbsfähigkeit einzelner Staaten misst, verortet die Alpenrepublik im internationalen Vergleich auf Platz 19 von 138.

Luxemburg
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Das kleine Land mit den attraktiven Steuersätzen verzeichnete im August eine jährliche Inflation von 2,3 Prozent. Im Global Competitiveness Index landet Luxemburg direkt hinter Österreich auf Rang 20.

Der IWF sieht nur einen Ausweg aus der Zwickmühle: Die Notenbanken müssen den Rückzug aus der unkonventionellen Geldpolitik so fein austarieren, dass das Wachstum und die Inflation nicht abgewürgt werden, gleichzeitig aber der Aufbau weiterer Risiken außerhalb des Bankensektors vermieden wird.

Doch diese heikle Aufgabe gleicht der Quadratur des Kreises: Nach Einschätzung des IWF hat die Liquiditätsschwemme der Notenbanken „erhebliche Portfolioanpassungen des privaten Sektors erzwungen“. Dadurch seien die Reaktionen der Märkte auf eine striktere Geldpolitik deutlich schwerer vorauszusagen als in der Vergangenheit. Gleichzeitig würde aber eine Verlängerung des geldpolitischen Stimulus zu „weiteren finanziellen Exzessen“ führen.

IWF: Risiken im chinesischen Finanzsystem
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6 Kommentare zu "IWF zur Geldpolitik: Gefangen in der Zwickmühle"

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  • Der Grat zwischen Zinshöhe und Platzen der Blasen, insbes. der Schuldenblase, ist leider so schmal, dass man aus der Zwickmühle nicht mehr herauskommen wird, ohne dass es gewaltig crasht.

  • Die Welt braucht KEINE lockere Geldpolitik, sondern ein neues Geldsystem.
    Wenn das BLUT der Wirtschaft, das Geld, nicht marktwirtschaftlich, sondern VOLLSOZIALISTISCH ist, kann die Wirtschaft selber nicht marktwirtschaftlich sein. Wir leben also genau genommen überhaupt nicht im Kapitalismus.
    Wir haben nämlich:
    1. ein monopolistisches. staatliches Zwangsgeld und kein freies Marktgeld
    2. ein zentralplanwirtschaftliches ZINSDIKTAT durch die Zentralbanken, womit der Preis des Geldes, der Zins, überhaupt nicht vom Markt festgelegt werden kann
    JEDE Form von Sozialismus führt zwangsläufig und immer zu Wohlstandsvernichtung - also auch der Geldsozialismus der Zentralbanken.
    Sie glauben nicht, dass die Zentralbanken zentralplanwirtschaftlich-sozialistisch agieren? Doch, mit ihnen wird sogar eine zentrale Forderung aus dem Kommunistischen Manifest von Marx /Engels 1:1 umgesetzt:
    "5) Centralisation des Kredits in den Händen des Staats durch eine Nationalbank mit Staatskapital und ausschließlichem Monopol."
    https://de.wikisource.org/wiki/Manifest_der_Kommunistischen_Partei_(1848)

  • Wachstum ist nicht unendlich. Die Preise werden auch wieder fallen, wenn sie niemand mehr bezahlt.

  • Sehr geehrter Herr Maisch,

    der IWF schreibt sehr viel Wahres. Wer wollte beispielsweise leugnen, dass die überbordende Liqudität zu Blasen auf den Finanzmärkten geführt hat. Der IWF stellt auch zu Recht fest, dass das Wiedereinsammeln der Überschußliqudität der Qudratur des Kreises gleicht.

    Aber was lernen wir daraus? Ich bin weder Notenbankpräsident noch Finanzminister, sondern Anleger. Deshalb kann ich nur die Schlußfolgerungen eines Anlegers anbieten.

    Ich sage, "ein Dummkopf, wer in Blasen hinein investiert". Aber diese Meinung ist alles andere als selbstverständlich. Lesen Sie einfach Ihr Blatt. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht einer Ihrer hochmögenden Redakteurskollegen kritisiert, dass die Deutschen Billionenbeträge in zinslosen Tages- Festgeld- oder Sparbüchern angelegt haben. So eine Dummheit. Sein Erspartes vor dem Platzen von Blasen zu schützen, ist einfach nur dumm.

  • IWF ZUR GELDPOLITIK
    Gefangen in der Zwickmühle
    von:
    Michael Maisch
    Datum:
    11.10.2017 14:00 Uhr
    Der IWF warnt vor neuen Risiken für das Finanzsystem.

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    Die Ständig Versagende Europäische Union versagt weiterhin !!!

    BANKER BEKOMMEN " BONI " für Geschäftsabschlüsse ! Und weitere bekommen Provisionen !

    Doch wenn dann die Kredite Platzen oder sogar als Faule Kredite von der EZB aufgekauft werden müssen da wird nie der BONI oder die PROVISIONEN zurück gefördert !

    ALSO HÄTTE DIESE VERSAGENDE EUROPÄISCHER UNION zusammen mit dem weniger Wert EUgh die Gesetze der Auszahlungen für BONI und PROVISIONEN längst per Gesetz ändern müssen !

    So sind BONI und PROVISIONEN nur Anteilmässig JAHR für JAHR auszuzahlen solange die Verträge auch funktioniert haben !

    Auf diese Weise wären FAULE KREDITE die nur dem Hauptzweck BONI und PROVISIONEN zu kassieren dienen, von vorne herein nicht entstanden da doch unrentabel für alle und nicht nur für den Kapitalgeber !

    Will uns jemanden sagen dass BRÜSSEL unfähig ist dieses zu erkennen oder verkennt BRÜSSEL absichtlich die Notwendigkeit einer solcher EU-Weite Änderungsbedarfes ???

    Oder werden Lobbyisten in Brüssel extra bezahlt damit man solche Maßnahmen sofort sperrt ???

    Klärt uns auf warum die Bevölkerung Europas eher Fähiger wäre die Korruption in Europa schneller abzustellen als diese Europäische Union !!!



  • IWF ZUR GELDPOLITIK
    Gefangen in der Zwickmühle
    von:
    Michael Maisch
    Datum:
    11.10.2017 14:00 Uhr
    Der IWF warnt vor neuen Risiken für das Finanzsystem. Dahinter steckt ein Dilemma: Die Welt braucht zwar eine lockere Geldpolitik, um das Wachstum zu stützen. Aber genau diese Politik schürt die Gefahr von Blasen an den Märkten.

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    Die Doppelte Moral und das Doppelter Gesicht der IWF !!!

    An Griechenland und Portugal vorschreiben dass Investitionen nicht zu betätigen sind um etwa neue Arbeitsplätzen und Fabriken zu erstellen , aber dann selber propagandieren über eine lockere Geldpolitik, um das Wachstum zu stützen.

    Und die lockere Geldpolitik will die IWF doch in Wirklichkeit nur schneller jetzt verstärkt erreichen um Italien vor dem Zusammenbruch der Italienische Banken zu retten da dort die Lage Akuter ist als an den Weltmärkte bekannt gegeben !!!

    Somit will der IWF Verständnisse erreichen dafür dass etwa die EZB weiterhin Milliarden verschwenden darf , ABER BITTE LIEBER EUROPÄER VERSCHLEUDERT EURE GELDER BEI EUCH ABER NICHT DAS GELD DER IWF !!!

    So sieht es in Wirklichkeit aus !!!

    Einerseits aber auch verständlich die Einstellung des IWF´s weil wer am Restaurant Tisch ißt der sollte dann auch die Rechnung bezahlen !!!

    Und Italiens Banken haben sich über gegessen !!!


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