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Jens Weidmann Bundesbank-Präsident kritisiert die Beschlüsse des EU-Gipfels

Für Deutschlands obersten Notenbanker hat die heimische Wirtschaft die Talsohle aufgrund des Corona-Schocks überschritten. Auch zur Zukunft von Bargeld hat sich Weidmann geäußert.
26.07.2020 - 10:40 Uhr Kommentieren
Die deutsche Wirtschaft erholt sich laut dem Präsident der Bundesbank bereits. Quelle: dpa
Jens Weidmann

Die deutsche Wirtschaft erholt sich laut dem Präsident der Bundesbank bereits.

(Foto: dpa)

Berlin Die deutsche Wirtschaft ist nach den Worten von Bundesbankpräsident Jens Weidmann dabei, den Corona-Schock zu überwinden. „Insgesamt zeigen die Daten, dass die Wirtschaft die Talsohle im Frühjahr überschritten hat und sich allmählich erholt“, sagte Weidmann nach einem Vorabbericht vom Wochenende den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Allerdings kämen die Sektoren unterschiedlich schnell voran. „Die Industrie zum Beispiel hinkt eher hinterher.“ Sie hänge unter anderem von der globalen Nachfrage ab und damit auch von der Entwicklung der Pandemie im Ausland.

Weidmann fordert Kontrollmechanismen für den Einsatz der von der EU beschlossenen milliardenschweren Corona-Hilfen, damit die Mittel sinnvoll und effizient verwendet werden. „Gemeinschaftsverschuldung für umfangreiche Transfers halte ich grundsätzlich für bedenklich“, warnte er. „Zumindest sollte das Paket nicht als Sprungbrett für groß angelegte EU-Verschuldung zur regulären Haushaltsfinanzierung dienen.“

Es sei aber wichtig, dass sich die EU in der Krise als handlungsfähig erwiesen habe. „Solidarität in Europa - auch finanzielle - halte ich in dieser Situation für richtig“, sagte der Notenbanker Weidmann.

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    Die EU-Staaten hatten sich beim jüngsten Gipfel sehr schwer mit der Einigung getan und vier Tage und Nächte gerungen. Der Weg für den Gesamtdeal wurde frei, nachdem die sogenannten sparsamen Staaten akzeptiert hatten, dass gemeinsame Schulden aufgenommen werden und Geld als Zuschuss an EU-Staaten geht. Im Gegenzug willigten Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien ein, die Summe dieser Zuschüsse von 500 Milliarden auf 390 Milliarden Euro zu verringern.

    Corona-Hilfen sollen zeitlich begrenzt werden

    Der Volkswirt hält die steigende Verschuldung der öffentlichen Hand in Deutschland wegen der Maßnahmen gegen die wirtschaftlichen Folgen der Krise für verkraftbar. „Wir erwarten im laufenden Jahr eine Schuldenquote in einer Größenordnung von 75 Prozent der Wirtschaftsleistung“, sagte Weidmann. Zwar sei dies ein starker Anstieg der deutschen Staatsverschuldung, die 2019 noch knapp 60 Prozent des Bruttoinlandsproduktes betrug. „Aber sie lässt sich weiter stemmen.“

    Seiner Ansicht nach sollen die Corona-Hilfen zeitlich begrenzt werden. „Dann laufen sie im weiteren Verlauf automatisch aus, und die Staatsfinanzen stabilisieren sich wieder“, sagte er. Aber der Staat sollte sich nach der Krise wieder zügig zurückziehen. „Der Staat ist nicht der bessere Unternehmer.“

    Der Bundesbank-Chef schloss ein zweites Hilfspaket nicht aus. Es könne sein, dass noch einmal nachgelegt werden müsse. Die Entwicklung sei sehr unsicher. „Aber jetzt gilt es, erstmal abzuwarten, wie die beschlossenen Maßnahmen überhaupt wirken.“

    Die Politik solle auch „das Kurzarbeitergeld regelmäßig überprüfen“, forderte Weidmann. Zwar sei es sinnvoll, mit diesem Instrument einen vorübergehenden Wirtschaftseinbruch zu überbrücken. „Das Kurzarbeitergeld sollte aber nicht Strukturen verfestigen, die keine Zukunft mehr haben, etwa wenn Geschäftsmodelle überholt sind.“

    Auch zum Thema Bargeld und Coronavirus wurde Notenbanker befragt. „Eine besondere Quarantäne für unser Bargeld halten wir nicht für notwendig“, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe laut Vorabbericht von Sonntag.

    Trotz Gegentrend: Bargeld werde es in 10 Jahren noch geben

    Das Übertragungsrisiko bei Münzen und Scheinen sei nicht höher als bei anderen Gegenständen im Alltag auch. Daher seien die üblichen Hygieneregeln zu beachten. „Mir ist übrigens nicht bekannt, dass sich jemand über einen Geldschein mit dem Coronavirus angesteckt hätte“, fügte Weidmann hinzu. China hatte Banknoten zu Beginn der Pandemie in Quarantäne geschickt, um eine mögliche Ansteckung durch kontaminierte Scheine zu verhindern.

    Der Währungshüter zeigte sich davon überzeugt, dass es auch in zehn Jahren noch Bargeld geben werde. „Es gibt zwar einen schleichenden Trend weg von der Bargeldnutzung, hin zu elektronischen Zahlungsmitteln“, sagte er. Dieser Trend habe sich mit Beginn der Corona-Pandemie noch verstärkt.

    „Aber für viele Bürgerinnen und Bürger bleibt Bargeld ganz wesentlich“, meint Weidmann. Es helfe dem einen oder anderen, die Ausgaben besser im Blick zu behalten. Auch Datenschutz spiele eine Rolle. Manche empfänden Münzen und Scheine zudem als eine Art geprägte Freiheit.

    Mehr: Bleiben Sie informiert – mit dem kostenlosen börsentäglichen Newsletter „Handelsblatt Morning Briefing – Corona Spezial“

    • dpa
    • rtr
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