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Jerome Powell Der Fed-Chef lenkt im Streit mit Trump ein

Jerome Powell könnte die Zinsen langsamer erhöhen als bislang gedacht. Damit kommt der Chef der US-Notenbank dem US-Präsidenten Donald Trump entgegen.
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„Alles zusammengenommen bei guter Gesundheit.“ Quelle: Bloomberg
Jerome Powell

„Alles zusammengenommen bei guter Gesundheit.“

(Foto: Bloomberg)

New YorkDie gedeckten Tische im Ballroom des Sheraton Hotels am Times Square sind bis zum letzten Platz besetzt. Die Mitglieder des renommierten „Economic Club of New York“ haben sich hier versammelt um einem der mächtigsten Männer des Landes zu lauschen.

Jerome Powell, der Präsident der US-Zentralbank hat nicht Washington, sondern die Finanzhauptstadt New York gewählt, um seine sanfte Kehrtwende in der Zinspolitik zu verkünden. Vor Hunderten geladenen Gästen und zwei Töchtern hat der 65-Jährige seine mit Spannung erwartete Rede gehalten.

Im Raum schwebt die große Frage: Knickt er ein oder nicht? Seit Monaten schon moniert Donald Trump, dass Zinserhöhungen die boomende Konjunktur in den USA unnötig abwürgen könnten.

In einem Interview mit der Washington Post, das am Tag der Rede erschien, sagte der US-Präsident: „Ich bin kein bisschen glücklich mit meiner Wahl von Jay (Powell)“. Die Fed sei gar ein „viel größeres Problem als China“, teilte Trump aus.

Powell muss grinsen, als die Vorsitzende des Economic Clubs anmerkt, dass seine Worte wohl auch außerhalb des Saals verfolgt werden.

Der ehemalige Anwalt, Investmentbanker und Private Equity-Manager weiß nur zu gut, dass die Beschäftigten an der wenige Kilometer südlich gelegenen Wall Street jedes Wort auf die Goldwaage legt. Zentralbanker sind Experten der sanften Kommunikation. Ein Adjektiv hier und da reichen, um die Weltmärkte zu beeinflussen.

Powell wählt die entscheidenden Worte bewusst. Die Zinsen seien „nur leicht unter“ dem, was für die Konjunktur neutral wäre, was sie also weder befeuern noch abwürgen würde. Anfang Oktober noch hatte er gesagt: „Wir sind an diesem Punkt wahrscheinlich noch weit von neutral entfernt.“

Das heißt: Die Zinsen werden wohl nicht mehr so schnell steigen wie bisher angenommen. Die Reaktion der Wall Street ließ nicht lange auf sich warten. Noch während der Rede im Sheraton legten die Aktienkurse deutlich zu.

Ökonomen sehen eine Schwerpunktverlagerung

Die Ökonomen machen sich nun an die Nachlese. Michael Feroli von JP Morgan überschreibt seinen Kommentar mit „Powell Pianissimo“ und schreibt von einer klaren „Schwerpunktverlagerung“. „Ich glaube, der Präsident hat ihn erreicht“, sagt der Marktanalyst und Fox-Kommentator Daniel Geltrude. Wie ein Baseballspieler, der von seinem Coach gescholten wird, habe auch Powell die Kritik zunächst nicht angenommen, sich dann aber im entscheidenden Moment daran erinnert.

Andere glauben, dass der Markt überreagiert: „Powell ist missverstanden worden“ meint etwa Torsten Slok von der Deutschen Bank. Powell habe nicht einmal „geblinzelt“, schreibt der Vermögensverwalter Jon Najarian. „Er hat auf Daten reagiert, und diese Daten haben sich stark abgeschwächt seit seiner Äußerung im Oktober“, betont Najarian.

Ein Jahr ist es nun her, dass Trump den Sprössling einer Juristen-Familie zum Fed-Chef ernannt hat. Zuvor hatte der Republikaner als Unterstaatssekretär von George W. Bush gearbeitet und war 2011 von Barack Obama in den Rat der Fed berufen worden. Die ständige Kritik von Trump hat Powell stets unkommentiert gelassen. In seine New Yorker Rede aber baute er einen kleinen, indirekten Seitenhieb ein: Er erinnerte an frühere Attacken auf die Fed.

So habe sich der Gouverneur William Harding im März 1929 im Economic Club of New York besorgt über die hohen Aktienkurse geäußert und wurde dafür scharf kritisiert. Wenige Monate später brach der Aktienmarkt und schließlich auch die Weltwirtschaft zusammen.

Als Alarmsignal für die Wirtschaft will Powell seine Äußerungen jedoch nicht verstanden wissen. Den jüngsten Financial Stability Report zur Lage des Finanzsystems verglich er mit einem positiven Ergebnis beim Gesundheits-Check eines Baby-Boomers wie ihm: „Nun ja, da sind einige Dinge, die wir im Blick haben müssen. Aber alles zusammengenommen sind Sie bei guter Gesundheit.“

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