Jerome Powell

Der US-Notenbankchef warnt indirekt Präsident Donald Trump.

(Foto: Bloomberg)

Jerome Powell US-Notenbankchef warnt vor negativen Konsequenzen im Handelsstreit

In seiner Anhörung vor dem US-Kongress gibt Fed-Chef Powell optimistische Konjunkturaussichten. Doch weitere Handelshemmnisse trüben das Bild.
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FrankfurtUS-Notenbankchef Jerome Powell versuchte zunächst, das delikate Thema des ausufernden Handelsstreits zu umgehen – und übte sich in seiner Anhörung vor dem US-Senat in Diplomatie. Es sei schwer einzuschätzen, wie sich ein Handelskonflikt auf die Wirtschaft auswirken würde, sagte er in seinem Eingangsstatement.

Doch mit dieser kurzen Bemerkung gaben sich die Senatoren nicht zufrieden. Immer wieder bohrten sie im Laufe der Anhörung nach – und Powell wurde doch etwas konkreter. „Grundsätzlich ist offener Handel nützlich“, sagte er. Und: „Wir wollen nicht, dass Länder Handelshemmnisse haben. Wir wollen ein internationales regelbasiertes System.“

In den vergangenen Jahren seien Handelshemmnisse wie Zölle stetig verringert worden. Falls sich dieser Trend umkehren sollte, sei das wahrscheinlich schlecht für die Volkswirtschaft und die Produktivität. Auf die Frage, ob die Unsicherheit über die Handelspolitik der USA möglicherweise Lohnzuwächse gefährden könnte, sagte er: „Das kann sein.“ Bislang gebe es dafür aber noch keine Belege in den Daten.

Der Handelsstreit mit China hatte sich zuletzt weiter zugespitzt. Die USA verhängten wegen angeblich unfairer Handelspraktiken Zölle auf Waren im Wert von 34 Milliarden Dollar gegen die Volksrepublik. US-Präsident Donald Trump drohte darüber hinaus weitere Zölle auf Importe aus China im Wert von 200 Milliarden Dollar an. Auch mit der Europäischen Union entfachte Trump einen Handelskonflikt.

Trotz der Gefahr eines ausufernden Handelsstreits sieht Powell die US-Wirtschaft derzeit im Aufwind. Der jüngste Anstieg der amerikanischen Inflation sei ein „ermutigendes Zeichen“. Die Aussichten seien so gut, dass auch in den kommenden Jahren das von der Notenbank angestrebte Niveau von knapp zwei Prozent erreicht werde, sagte er.

Daher sei es aktuell der beste Weg, die Leitzinsen graduell weiter anzuheben, um mit dem Konjunkturaufschwung Schritt zu halten. Die Sätze sollten aber nicht zu stark oder zu schnell erhöht werden, damit das Wachstum nicht gebremst werde.

Optimismus gibt US-Börsen Auftrieb

An der US-Börse kamen die Äußerungen des Notenbankchefs gut an. Der US-Leitindex machte anfängliche Verluste wett und lag am Nachmittag knapp 0,1 Prozent im Plus bei 25.083 Punkten. Der Dollar-Index legte leicht um 0,2 Prozent zu. Er nehme von Powell mit, dass der Arbeitsmarkt stark sei und die Inflation nahe zwei Prozent bleiben werde, sagte Peter Cecchini, Chef-Börsenstratege vom Wertpapierhaus Cantor Fitzgerald in New York. „Für mich bedeutet das zwei weitere Zinserhöhungen in diesem Jahr.“

Die Fed hat ihren Leitzins angesichts der steigenden Inflation und des anhaltenden Konjunkturaufschwungs dieses Jahr bereits zweimal erhöht – auf die aktuell gültige Spanne von 1,75 bis 2,0 Prozent. Die Fed stellte zudem zwei weitere Schritte nach oben für das zweite Halbjahr in Aussicht, sollten Konjunktur und Inflationsentwicklung mitspielen.

Aktuell stehe die Notenbank kurz davor, ihr Inflationsziel zu erreichen, sagte Powell. Die jüngsten Daten seien ermutigend. Die Dollar-Wächter könnten aber noch nicht den Sieg verkünden. Die Fed achtet bei der Teuerungsrate vor allem auf Preisveränderungen bei den persönlichen Verbraucherausgaben (PCE) ohne die schwankungsanfälligen Energie- und Nahrungsmittelkosten. Der Konsum steht für gut zwei Drittel der Wirtschaftskraft der USA. Hier erreichte die Steigerungsrate zuletzt im Mai mit zwei Prozent genau den Zielwert der Fed.

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