Jerome Powell Warum sich der Fed-Chef Trump nicht beugen wird

Jerome Powell bekommt gleichzeitig Druck von den Märkten und von US-Präsident Donald Trump. Aber es spricht viel dafür, dass er nicht einknicken wird.
Update: 11.10.2018 - 19:05 Uhr Kommentieren
Die Art des Fed-Chefs wird als „zupackend“ beschrieben. Quelle: AP
Jerome Powell

Die Art des Fed-Chefs wird als „zupackend“ beschrieben.

(Foto: AP)

FrankfurtAbstürzende Wall Street, heftige Kritik von US-Präsident Donald Trump: Diese Woche war ein Stresstest für den US-Notenbankchef Jay Powell. Am Mittwoch brach der breite US-Aktienindex S&P 500 um mehr als drei Prozent ein. Trump erklärte die US-Notenbank (Fed) daraufhin für „verrückt“. In einem Interview mit seinem Lieblingsfernsehsender Fox sagte der US-Präsident am Donnerstag, er werde den Fed-Chef „nicht feuern“, was nicht wirklich beruhigend klingt.

Powell hat die Turbulenzen zumindest zum Teil selbst ausgelöst. Seine optimistischen Äußerungen in der Vorwoche über die „besonders gute“ US-Wirtschaft und die Andeutung, die Zinsen munter weiter steigen zu lassen, verunsicherten die Märkte. Seither suchen sie eine neue Balance.

Der Fed-Chef hat schon mehrfach mit sehr optimistischen Äußerungen überrascht. Im Frühjahr merkte ein europäischer Geldpolitiker an: „Er sagt einfach, dass die Wirtschaft großartig läuft. Ich würde mich abgewogener äußern, damit die Märkte keine falschen Schlüsse ziehen.“

Tatsächlich hat Powell seit seinem Amtsantritt Anfang Februar den Kommunikationsstil der Fed verändert. Statt mit fein ziselierten, mit zahlreichen Vorbehalten verzierten Formulierungen spricht er Klartext, eher wie ein Manager als wie ein Professor. Jetzt spürt er zum ersten Mal eine nachhaltigere Reaktion der Märkte auf seinen Stil.

Powells zupackende Art ist auch deswegen überraschend, weil er sich in den Jahren seit 2012, als er Fed-Gouverneur wurde, eher zurückgehalten hat. Er stimmte nie gegen die Mehrheit seiner Kollegen im geldpolitischen Ausschuss.

Er erwarb sich Ansehen bei Ökonomen durch kluge Analysen, wirkte bei öffentlichen Auftritten aber mitunter farblos. Ehrgeizig war er trotzdem. Ein Ökonom fragte ihn lange, bevor er öffentlich als Kandidat galt: „Herr Powell, möchten Sie Fed-Chef werden?“ Der zögerte kurz und sagte dann einfach: „Ja.“

Republikaner, aber politisch unabhängig

Powell ist Anhänger der Republikaner, also der regierenden Partei. Das hat ihn auch ins Amt gebracht. Trump war zwar mit der Geldpolitik von Janet Yellen, seiner Vorgängerin, nicht unzufrieden. Aber er gönnte ihr keine zweite Amtszeit, weil sie zu den Demokraten, der oppositionellen Partei, gezählt wird. Powell gilt aber als moderat und keineswegs als Trump-Fan.

Schon bei seinem Amtsantritt hatte er großes Vertrauen bei Kollegen und Experten. Dazu zählt auch die Zuversicht, dass er sich nie der Politik beugen würde. „Powell wird dem Druck der Regierung, langsamer vorzugehen, nicht nachgeben“, sagte etwa der Ökonom Peter Hooper von der Deutschen Bank schon, als Trump zum ersten Mal die Zinserhöhungen der Fed kritisierte. Anders als etwa bei der Besetzung des Obersten Gerichts hat Trump als Kandidaten für die Fed Pragmatiker ohne scharfes ideologisches Profil ausgewählt.

Powell, der 65 Jahre alt ist und drei Kinder hat, ist im Gegensatz zu seiner Vorgängerin und den meisten anderen Notenbankern kein ausgebildeter Ökonom, sondern hat Politik und Jura studiert. In seiner Karriere vor der Fed pendelte er zwischen der privaten Wirtschaft und der Politik. Er arbeitete von 1984 bis 1990 bei der Investmentbank Dillon Read und anschließend drei Jahre im Finanzministerium.

Danach ging er zurück ins Bankgeschäft und war ab 1997 in der Investmentbranche tätig, die längste Zeit davon bei der Beteiligungsfirma Carlyle. Von 2010 bis 2012 war er Angehöriger des Bipartisan Policy Centers, eines Instituts zur überparteilichen Politikberatung. Seine Karriere brachte ihm erheblichen Wohlstand – sein Vermögen wird auf mehr als 100 Millionen Dollar geschätzt. Damit dürfte er einer der reichsten Notenbanker weltweit sein.

Dass Powell kein Ökonom ist, gilt nicht als Problem, zumal er mit Rich Clarida als Stellvertreter und vor allem John Williams als Leiter der Fed New York zwei ausgewiesene geldpolitische Experten zur Seite hat. Der Chef einer regionalen Fed äußerte im Frühjahr, er schätze Powells politische Erfahrung: „Damit ist er der richtige Fed-Chef für die USA unter Präsident Donald Trump.“ In der Tat ist bekannt, dass Powell sich häufig mit Politikern trifft und bewusst Kontakte zu beiden großen Parteien unterhält.

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