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John Williams Wer ist der Mann, der künftig über die großen US-Banken wacht?

Selten hat die Ernennung eines US-Notenbankers so viel Kritik hervorgerufen. Was man über den neuen starken Mann der Fed wissen muss.
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New YorkJohn Williams hätte sich sicher etwas positivere Reaktionen gewünscht. Schließlich ist seine Ernennung zum neuen Chef der regionalen Federal Reserve in New York ein Karrieresprung, der ihn zu einem der einflussreichsten Notenbanker des Landes macht.

Doch der Ökonom, der bislang die Fed in San Francisco leitet, ist zum Politikum geworden. Seine Ernennung sorgt bei Vertretern der demokratischen Partei genauso für Unmut wie bei Aktivisten, die sich für mehr Diversität in der Federal Reserve einsetzen.

Die Erwartungen waren hoch, dass eine Frau oder vielleicht ein Afroamerikaner auf Bill Dudley, den derzeitigen Chef der New Yorker Fed, hätte folgen können. Schließlich hat die Notenbank zwei verschiedene Headhunter engagiert. Einer davon speziell mit dem Fokus auf Diversität.

Der künftige Chef der Fed New York löst William Dudley ab, der am 17. Juni zurücktreten wird. Quelle: Reuters
John Williams

Der künftige Chef der Fed New York löst William Dudley ab, der am 17. Juni zurücktreten wird.

(Foto: Reuters)

Die New Yorker Fed wollte sicherstellen, dass auch geeignete weibliche Kandidaten und solche aus ethnischen Minderheiten bei der Suche berücksichtigt werden, statt den Posten schlicht an einen weißen Mann zu vergeben. Dabei machte die Notenbank stets klar, dass es bei allen Bemühungen um Diversität vor allem darum gehe, einen Kandidaten mit den richtigen Qualifikationen zu finden.

Er oder sie müsse sich bestens mit den Kapitalmärkten auskennen und gute Verbindungen an die Wall Street haben. Die Position ist schließlich eine der wichtigsten im amerikanischen Zentralbanksystem.

Der Chef der New Yorker Fed hat einen ständigen Sitz im Offenmarktausschuss, der über die Zinspolitik entscheidet. Zudem setzt er die Entscheidungen der Fed an den Märkten um, ist ein wichtiger Aufseher der Großbanken und informiert die übrigen Zentralbänker über die Stimmung an der Wall Street und speziell an den Anleihemärkten.

Williams ist ein renommierter Ökonom, der seine Karriere bei der Fed verbracht hat. Viel Anerkennung bekam er vor allem für seine wissenschaftlichen Arbeiten zu einem neutralen Zinssatz, der die Wirtschaft weder übermäßig belastet noch stimuliert, die er gemeinsam mit dem deutschen Ökonom Thomas Laubach veröffentlicht hat. Ein enger Draht an die Wall Street fehlt ihm jedoch.

Fed-Chef Powell hofft, dass sich die Diskussion um Williams schnell legt

Der 55-Jährige hat in der Vergangenheit gern damit kokettiert, dass er – anders als viele seiner Notenbankkollegen – keinen Bloomberg-Terminal auf seinem Schreibtisch stehen hat. Er interessiert sich eher für längerfristige Trends als für die vielen kleinen Bewegungen, die die Wall Street täglich umtreiben.

Sein neuer Job, den er am 18. Juni antritt, verlangt jedoch genau das: einen Bloomberg-Terminal und einen versierten Umgang damit. Außerdem braucht er beste Beziehungen zu den Händlern, um bei Unruhen an den Märkten schnell ein gutes Gefühl für die Lage zu bekommen.

Kontakte zu den Top-Managern der großen Banken wie JP Morgan Chase, Citi und Goldman Sachs wären zudem hilfreich. Schließlich wird Williams auch ein wichtiger Bankenaufseher. Stattdessen hängt ihm der Fall Wells Fargo nach. Denn als Chef der Fed in San Francisco hat auch er die einst größte Bank nach Marktwert beaufsichtigt, die nun seit Monaten mit diversen Skandalen um Scheinkonten zu kämpfen hat.

Die demokratische Senatorin Elizabeth Warren hat sogar gefordert, Williams vor dem Senat aussagen zu lassen, bevor er sein Amt antritt. Ein Vorgang, der für den Chef der New Yorker Fed eigentlich nicht üblich ist. Er wird von dem zuständigen Gremium in New York ernannt, das Board der Fed in Washington muss zustimmen. Weder der Kongress noch der US-Präsident, der die Fed-Gouverneure vorschlägt, sind normalerweise involviert.

Fed-Chef Jay Powell hofft darauf, dass sich die Diskussion um Williams schnell legen wird. Powell selbst ist erst seit wenigen Wochen im Amt und hat alle Hände voll zu tun: Erst im März hat er die Zinsen angehoben.

Mit einer Volkswirtschaft nahe der Vollbeschäftigung, milliardenschweren Steuererleichterungen, unruhigen Märkten und einem Vorstoß aus der Politik, die Regulierungsvorschriften für Banken zumindest teilweise zurückzudrehen, muss die Fed aufpassen, dass die Wirtschaft nicht überhitzt und gleichzeitig den Aufschwung nicht abwürgt.

Ein erfahrener Notenbanker und Ökonom an der Spitze der Notenbank in New York war da sicherlich die Option mit dem geringsten Risiko – zumal Jay Powell selbst kein promovierter Ökonom, sondern Jurist ist.

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