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Klimawandel Kontroverse ums Klima: Frankreichs führender Umweltaktivist trifft auf Zentralbankchef

Der Chef der Banque de France debattiert mit dem Aktivisten Nicolas Hulot über die Verantwortung der Banken. Schlecht weg kommt die EZB-Geldpolitik.
13.12.2019 - 18:31 Uhr Kommentieren
Der Umweltaktivist Nicolas Hulot (links) neben BdF-Chef Francois Villeroy de Galhau. Quelle: AFP
Klimadebatte in der Banque de France

Der Umweltaktivist Nicolas Hulot (links) neben BdF-Chef Francois Villeroy de Galhau.

(Foto: AFP)

Paris Zentralbankgouverneur trifft Öko-Aktivisten: In der Banque de France (BdF) fand am Freitag eine ungewöhnliche Konferenz statt, bei der BdF-Chef François Villeroy de Galhau und Nicolas Hulot zum Verhältnis von Klimaschutz und Finanzsystem Stellung nahmen.

Hulot ist vor etwas über einem Jahr als Umweltminister zurückgetreten, weil er die Politik des französischen Präsidenten Emmanuel Macron als zu schüchtern empfand.

Die BdF befasst sich wie die Europäische Zentralbank (EZB) bereits länger mit der Frage, welche Auswirkungen der Klimawandel und umweltschädliche oder -freundliche Unternehmen auf die Finanzstabilität haben. Im Oktober hatte sie publik gemacht, dass französische Banken und Versicherungen insgesamt mit 862 Milliarden Euro in den am stärksten zum CO2-Ausstoß beitragenden Branchen engagiert sind.

Bei den Banken entspricht das 12,2 Prozent der ausgegebenen Kredite, bei den Versicherungen 9,5 Prozent ihrer Anlagen. Weniger als 2,5 Prozent der Vermögenswerte befänden sich in Gebieten, die besonders anfällig seien für die Folgen des Klimawandels.

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    Villeroy de Galhau und Hulot kommen offenbar gut miteinander aus, schätzen sich, das konnte man den anerkennenden und freundlichen gegenseitigen Bemerkungen entnehmen.

    Doch in der Sache wie im Stil zeigte sich ein Graben, was die Einschätzung der Dringlichkeit des Handelns angeht: Villeroy de Galhau arbeitete die Aufgaben, die sich aus den Folgen der Erderwärmung für den Finanzsektor ergeben, mit der Routine des Notenbankers ab.

    Hulot dagegen schlug einen ganz anderen Ton an: „Wir müssen den Finanziers die Augen öffnen, der Klimawandel ist kein Schnupfen, sondern eine tödliche Krankheit.“

    Dabei wies Villeroy de Galhau in seiner Rede durchaus auf jüngste Forschungsergebnisse hin, denen zufolge die aktuellen Emissionen an klimaschädlichen Gasen zu einer Erderwärmung um drei bis fünf Grad führen, die katastrophale Folgen für das menschliche Leben haben werden und nicht zu einer um 1,5 bis zwei Grad.

    „Wir müssen ohne Verzögerung den operativen Rahmen unserer Geldpolitik anpassen, das betrifft die Wertpapiere, die wir als Sicherheiten akzeptieren“, sagte Villeroy.

    „Die Klimabilanz der EZB-Käufe ist desaströs“

    Das beziehe sich nicht nur auf die Papiere, die im Rahmen der nicht-konventionellen Geldpolitik angekauft werden, sondern auf alle. „Traditionell bewerten wir sie nur auf der Basis von finanziellen Kriterien, aber wir müssen auch Klimarisiken mit einbeziehen.“ erläuterte der Gouverneur.

    Er begründete das mit der direkten Wirkung des Treibhauseffektes auf die Wirtschaftsleistung (BIP), auf die Preise vieler Produkte wie Lebensmittel und auf die von Finanzinstrumenten. Villeroy de Galhau bekräftigte, dass seine Bank als eine der ersten Zentralbanken einen Klimafolgen-Stresstest für Finanzinstitute durchführen werde.

    Doch weder bei der künftigen Bewertung von zentralbankfähigen Aktiva noch mit Blick auf den Stresstest ließ er sich in die Karten schauen.

    Hulot dagegen wurde teils sehr konkret. Er zweifelte die Zahlen der Banque de France an, was die Exposition der französischen Finanzinstitute gegenüber klimaschädlichen Aktivitäten angeht, verwies auf einen Oxfam-Bericht, demzufolge die von den französischen Großbanken finanzierten Aktivitäten vier Mal so viele CO2-Emissionen verursachten wie ganz Frankreich.

    Die niedrigen Zinsen der EZB hätten perverse Effekte, warnte Hulot: Investitionen in fossile Energien nähmen derzeit viel schneller zu als andere.

    Dabei sei absehbar, dass sie ab 2025 oder 2030 in finanzieller Hinsicht ebenso riskant seien wie Anfang der 2000er-Jahre die amerikanischen Schrottanleihen in Immobilien.

    Hulot verlangte rasches Handeln: „Die schlechtesten Schüler unter den Banken müssen mit schlechteren Refinanzierungsbedingungen bestraft werden.“

    „Die Klimabilanz der Anleihekäufe der EZB ist desaströs“, kritisierte der Ex-Minister. Diese solle überhaupt keine Bonds mehr von Unternehmen kaufen, die mit fossilen Energien verbunden sind.

    Spätestens an diesem Punkt wäre ein Streitgespräch der beiden spannend gewesen, doch zu dem kam es leider nicht.

    Mehr: Ökologische und soziale Kriterien werden Anlegern immer wichtiger. Banken und Konzerne müssen sich anpassen. Nachhaltig investieren, nachhaltig managen: Wie geht das?

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