Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Den Euro wird es auch in 20 Jahren noch geben

Geliebt, gehasst, aber letztlich doch weitgehend akzeptiert: Die Gemeinschaftswährung wird auch künftig für Unruhe sorgen.
3 Kommentare
Die Geburt des Euros vor 20 Jahren feierten rund 10.000 Menschen. Wie sieht die Zukunft der Währung aus? Quelle: dpa
Menschen bilden Euro-Zeichen

Die Geburt des Euros vor 20 Jahren feierten rund 10.000 Menschen. Wie sieht die Zukunft der Währung aus?

(Foto: dpa)

FrankfurtVor 20 Jahren wurde der Euro offiziell eingeführt – wenn auch zunächst nur als Buchgeld, also quasi abstrakt. Wirklich in die Hand bekommen, in Form von Scheinen und Münzen, haben wir ihn erst drei Jahre später. Schaut man zurück auf die 20 Jahre und bewertet die Gegenwart, dann fallen einige wichtige Punkte auf. Der Euro war, anders als befürchtet, stabiler als die D-Mark – in Bezug auf die Inflation.

Die Euro-Krise war tiefer und erschreckender, als viele Anhänger der Gemeinschaftswährung (zu denen ich immer gezählt habe) vorher geahnt haben. Das Leid, das diese Krise in einigen Ländern, vor allem Griechenland, ausgelöst hat, dürfte auch standhafte Euro-Fans berührt haben. Auf der anderen Seite: Der Euro ist in der Bevölkerung überall akzeptiert und fest verwurzelt.

Aber wie geht es weiter? Zunächst einmal: Auch unvollkommene Gebilde können sehr lange Bestand haben, das lehrt die Geschichte. Das sogenannte Römische Reich, das Karl der Große begründet hat, bestand zumindest formal rund 1000 Jahre lang, zeitweise mit dem Zusatz „Deutsch“ und „Heilig“ versehen.

Aus heutiger Sicht war es ein institutionelles Chaos mit einer schwachen Zentralgewalt in Form des Kaisers, die manchmal erfolgreich als Schiedsrichter war, manchmal auch Gegensätze zwischen den einzelnen Ländern noch verschärft hat.

Wem fällt da nicht die Parallele zur Europäischen Union ein? Nationalstaaten im modernen Sinn werden heute häufig als einzige auf Dauer stabile Institutionen angesehen. Doch sie sind eine junge Erscheinung, vor allem in Italien und Deutschland, den Kerngebieten des „Römischen Reichs“.

Übersehen wird häufig: Europa und der Rest der Welt haben die längste Zeit der Geschichte mit einer Währungsunion gelebt. Denn so lange mit Münzen bezahlt wurde, waren Gold und Silber die wirklichen Währungen. Bis zu einem gewissen Grad gilt das auch für die Zeit, als Papiergeld und Buchgeld noch mit Gold unterlegt war.

Wirklich aufgelöst hat sich dieses System erst seit den 70er-Jahren. Die Idee, dass gemeinsame Währungen nur in einer starken politischen Union möglich sind, wird damit widerlegt.

Währungsunionen sind nicht nur in Regionen möglich, die von Ökonomen als dafür geeignet angesehen werden. Die USA waren von Anfang an von großen, auch ökonomischen, Gegensätzen geprägt, die sich dann im Bürgerkrieg der 1860er-Jahre entladen haben.

Auch heute noch sind die wirtschaftlichen und sozialen Gegensätze zwischen reichen Städten wie New York und armen Südstaaten wie Louisiana und Mississippi enorm. Trotzdem hat der Dollar alles überlebt und letztlich zum Aufbau des riesigen Kapitalmarkts geführt, der heute die Stärke der USA begründet.

Vor diesem Hintergrund ist es leicht zu prognostizieren: Den Euro wird es auch in 20 Jahren noch geben. Die Frage ist nur, wie viele Spannungen und Krisen wir bis dahin noch durchstehen müssen. Und wie viele wir durch den Euro vermeiden werden – die Zeit vorher war ja auch nicht unproblematisch.

Ich habe mal eine Griechin kennengelernt, die trotz Krise Euro-Anhängerin war, mit der Begründung, dass die Gemeinschaftswährung die Politik in ihrem eigenen Land zu Reformen und zu einer gewissen Disziplin zwingt. Vielleicht werden viele Euro-Europäer in 20 Jahren im Rückblick sagen: Die Währung hat zu Krisen geführt, aber auch einen heilsamen Zwang ausgeübt.

Die Tatsache, dass immer wieder die Sorge vor einer Euro-Krise hochkocht, setzt auch eine Menge in Bewegung. Sie sorgt dafür, dass über Staatsverschuldung ausgiebig diskutiert wird. Sie führt dazu, dass die Schwäche von Institutionen nicht länger ignoriert werden kann.

Sie zwingt Arbeitnehmer und Arbeitgeber, enger zusammenzuarbeiten. Sie bringt starke Euro-Staaten dazu, sich mit den Problemen anderer Länder auseinanderzusetzen und Kompromisse einzugehen. Sie setzt einen permanenten Reformprozess auf europäischer Ebene in Gang. All das wird häufig unterschätzt.

Sei es, weil man die Realität an dem Idealzustand misst, der angeblich für ein Überleben des Euros notwendig ist. Oder, weil man einzelne Reformschritte in nationalem Interesse nicht mag. Sei es, weil man Rückschläge, die es immer geben wird, überschätzt.

Die nächsten 20 Jahre werden vielleicht die Erkenntnis reifen lassen, dass es Selbstbetrug ist, auf ein ideales Europa zu warten. Dass es sogar gefährlich wäre, einen Zustand zu erreichen, in dem jeder selbstzufrieden glaubt, nun könne nichts Schlimmes mehr passieren.

Diesem Selbstbetrug sind wir zum Teil in den Jahren vor der Euro-Krise aufgesessen. Heute ist die größte Gefahr in Deutschland und einigen anderen Ländern, zu glauben, man könne Risiken minimieren, indem man alle Veränderungen blockiert, die mit einem Risiko verbunden sind.

Das Paradox ist: Mutlosigkeit ist manchmal das größte Risiko, weil sie zu politischem Stillstand führt. Auf der anderen Seite sitzen viele Politiker, Notenbanker und Ökonomen, die mehr Gemeinsamkeit fordern, der Illusion auf, mit jeder zusätzlichen Institution werde die Euro-Zone sicherer und könne letztlich ganz krisenfest gemacht werden.

Diese Zeitgenossen übersehen die Gefahr, dass Risiken so vielleicht nur unsichtbar oder so gut verteilt werden, dass man sie viel zu lange ignoriert. Weil sich beide Lager gegenseitig misstrauisch beäugen, besteht aber die Hoffnung, dass immer wieder vernünftige Reformen möglich sind.

Am Ende dürfte den Ausschlag geben, dass der Euro zum Lebensgefühl der jüngeren Generationen gehört. Er wird so lange bestehen, wie die Euro-Europäer ihn wollen. Bisher haben selbst Krisen daran nichts geändert – und es gibt keinen Grund zu zweifeln, dass das auch in den kommenden 20 Jahren so bleibt.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Kommentar - Den Euro wird es auch in 20 Jahren noch geben

3 Kommentare zu "Kommentar: Den Euro wird es auch in 20 Jahren noch geben"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Herr Pella, koennen Sie uns das ein wenig ausfuehrlicher darlegen?

  • Die Gemeinschaftswaehrung wird auch kuenftig fuer RUHE sorgen. Was wuerde aus den
    Waehrungen der kleineren Laender, wenn sie unbeschuetzt den Spekulanten ausgeliefert
    waeren?

  • Ich hatte gehofft, daß die Zeit der Weihnachtsmärchen vorbei sei.
    GEIRRT- bloß wer??