Kommentar: Warum der digitale Euro keine Probleme löst

Den Euro soll es womöglich künftig auch als Digitalwährung geben. Viele Details bei den Überlegungen sind aber noch offen.
Foto: Blatterspiel/Jan HuebnerDie Europäische Zentralbank (EZB) und die EU-Kommission treiben energisch die Entwicklung eines digitalen Euros voran. Er soll Bargeld nicht ersetzen, aber ergänzen. Denn der Trend hin zu Karten- und Smartphone-Zahlungen europaweit ist eindeutig. Eine Art digitale Bargeldvariante, ausgestattet mit hohem Datenschutz, scheint daher eine logische Weiterentwicklung zu sein. Tatsächlich aber bleibt unklar, welche Probleme der digitale Euro eigentlich lösen soll.
Digital bezahlen kann man auch heute schon. Ganz einfach per Debit- und Kreditkarte. Beim Onlineshopping gibt es etliche Bezahlmöglichkeiten – Lastschrift, Karten, Klarna, Paypal, Giropay und Überweisung beim Kauf auf Rechnung. Verbraucherinnen und Verbraucher hätten hier keinen Vorteil durch einen digitalen Euro.
Der digitale Euro wird wahrscheinlich auch nicht dafür sorgen, dass europäische Banken bei grenzüberschreitenden Zahlungen weniger abhängig von US-Konzernen werden. Viele Geldhäuser in Europa verlassen sich bei den Zahlungssystemen für ihre Bankkarte ganz auf Mastercard und Visa, auch Zahlungen an Ladenkassen im europäischen Ausland funktionieren nur mit deren Hilfe.
Der digitale Euro: Riesenaufwand für wenig Nutzen
Um Mastercard und Visa abzulösen, müsste der digitale Euro selbst zum Zahlungssystem und bei nationalen Kartenzahlungen in vielen Ländern zum Standard werden. Dabei wäre aber völlig unklar, wer dieses System betreibt und ob es für Bürger und Unternehmen vorteilhaft ist.
Auch das Argument, die finanzielle Inklusion durch den digitalen Euro zu verbessern, überzeugt nicht. Es gibt in der EU längst Vorgaben, die ein Konto für alle garantieren sollen. Wenn das in den EU-Mitgliedstaaten nicht richtig umgesetzt wird oder sich einzelne Geschäftsbanken sträuben, sollte an dieser Stelle angesetzt werden – notfalls mit Druck und Geldbußen. Zumal auch das Digitale-Euro-Konto letztlich bei Geschäftsbanken geführt wird und nicht direkt bei der EZB. Das heißt: Die Einführung des digitalen Euros ist ein Riesenaufwand, der Nutzen ist jedoch begrenzt.
Erstpublikation: 18.06.2023, 12:53 Uhr.