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Kommentar Die Gefahr aus Fernost

Die Abwertung der chinesischen Währung beeinflusst voraussichtlich auch die amerikanische Geldpolitik. US-Finanzexperten zeigen sich zwar derzeit gelassen. Die Erfahrung lehrt aber, die Situation kann sich noch ändern.
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Chinesischen Notenbanker haben die eigene Währung an zwei Tagen um insgesamt knapp drei Prozent abgewertet. Das könnte auch Folgen für die amerikanische Geldpolitik haben. Quelle: AFP
Chinesische Währung Yuan

Chinesischen Notenbanker haben die eigene Währung an zwei Tagen um insgesamt knapp drei Prozent abgewertet. Das könnte auch Folgen für die amerikanische Geldpolitik haben.

(Foto: AFP)

New York Auf den ersten Blick sollte der Schritt der chinesischen Notenbanker, die eigene Währung an zwei Tagen um insgesamt knapp drei Prozent abzuwerten, keine Auswirkungen auf die Politik ihrer amerikanischen Kollegen haben. Aber nur auf den ersten Blick.

Die Erfahrung lehrt, dass die Situation auf den zweiten Blick ganz anders aussehen dürfte. Wenn sich die Auswirkungen der Abwertung deutlicher in Amerika bemerkbar machen, kann die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) dies nicht ignorieren. Selbst wenn sie im September die Zinsen zum ersten Mal seit neun Jahren erhöht, wie viele Experten erwarten, dürfte sich der Sog aus China auf den weiteren Verlauf der Geldpolitik auswirken.

Frank Wiebe

Frank Wiebe ist Handelsblatt-Korrespondent in New York.

Noch zeigen sich die Amerikaner gelassen. Bill Dudley etwa, der Chef der Fed New York, bekundete am Mittwoch Verständnis für die Entscheidung der Chinesen. „Offenbar ist die Volkswirtschaft Chinas schwächer, als die Behörden dort erwartet haben“, sagte er laut der Nachrichtenagentur Reuters. „Daher ist es wahrscheinlich nicht unangemessen, die Währung dieser Schwäche anzupassen.“ Er wies auch darauf hin, dass der chinesische Yuan wegen seiner Bindung an den US-Dollar zusammen mit diesem gegenüber anderen Währungen zuletzt deutlich zugelegt hatte.

Michael Feroli von JP Morgan, einer der bekanntesten Fed-Experten der USA, argumentiert ähnlich. Nach seiner Darstellung ist der rechnerische Effekt der Abwertung in China auf das Wachstum in den USA nur minimal. Daher sollte sich die Fed nicht davon beeinflussen lassen, glaubt er.

Aber als die Europäer im vergangenen Winter ihre weiche Geldpolitik gestartet und den Euro damit deutlich geschwächt haben, waren die Reaktionen sehr ähnlich. Der Grundtenor der Experten und Geldpolitiker lautete: Amerika ist stark, der Schritt der Europäer war überfällig und ist gut für die Weltwirtschaft, also sollten wir uns deswegen keine Sorgen machen. Ähnlich waren auch die ersten Reaktionen auf den Fall des Ölpreises: Er wurde sogar als positiv für die US-Konjunktur angesehen. In den folgenden Monaten mehrten sich dann aber die Stimmen, die vor den Auswirkungen eines starken Dollar warnten. Sogar Janet Yellen, die Chefin der Fed, sprach erstaunlich offen darüber.

Offiziell ist es gerade nicht die Aufgabe von Notenbankern, die Wechselkurse zu beeinflussen, deswegen reden sie in der Regel nicht gerne darüber, obwohl sie in Wirklichkeit praktisch immer ein Auge darauf haben. Aber die Amerikaner haben sehr schnell gemerkt, dass die Stärke der eigenen Währung und der Preissturz des Öls die Inflation auf praktisch null bremst und zugleich Spuren in den Unternehmensgewinnen hinterlassen. Beides ist für die Fed von Bedeutung.

Der Dollar ist seit rund einem Jahr um etwa 15 Prozent gegenüber anderen Währungen gestiegen. Das lag auch an der Stärke der US-Wirtschaft und an der bevorstehenden Zinserhöhung der Fed. Aber der Effekt wurde durch die bewusste Schwächung des Euros noch verstärkt.

Der Ölpreis hat sich, anders als erwartet, negativ auf die Konjunktur ausgewirkt. Die Öl-Industrie geriet unter Druck. Und die US-Verbraucher nutzten die niedrigen Benzinpreise weniger als erwartet, um andere Waren zu kaufen. Beides zusammen, starker Dollar und schwaches Öl, waren wahrscheinlich auch Gründe dafür, die zunächst schon für Juni erwartete Zinserhöhung der Fed zu verschieben.

Gemessen an dieser Erfahrung spricht viel dafür, dass mit Blick auf China die Gelassenheit bald ebenfalls abnimmt. China ist für US-Unternehmen, etwa Apple, ein wichtiger Markt. Außerdem läuft die Abwertung dort dem Bemühen entgegen, Arbeitsplätze wieder nach Amerika zu holen. Die Abwertung verstärkt den Eindruck, dass die Wirtschaft in China, dem langjährigen Wachstumsmotor der Welt, doch sehr deutlich schwächelt. Das alles zusammen dürfte eben doch Rückwirkungen auf die US-Wirtschaft haben.

Die Fed wird allein wegen des China-Effekts ihre Zinserhöhung nicht verschieben. Sollte im September die Entscheidung aber auf Messers Schneide stehen, könnten die Wellen der Unruhe aus China den Ausschlag für eine Verschiebung geben. Außerdem lautet die Frage der Kapitalmärkte eine Minute nach der ersten Zinserhöhung ja: Wann kommt die nächste? Und auf diese Entscheidung kann die Gefahr aus Fernost durchaus einwirken.

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