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Kommentar Eine Deflation ist nicht so unwahrscheinlich, wie sie heute erscheint

Die Notenbanken wollen keine hohe Inflation – noch weniger aber ihr Gegenteil. Doch fallende Preise zu verhindern, wird für Geldpolitiker immer schwieriger.
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Warum eine Deflation nicht unwahrscheinlich ist – Kommentar Quelle: Reuters
Geschäft in Tokio

Japan kämpft seit Jahrzehnten gegen niedrige Inflation – und sogar Deflation.

(Foto: Reuters)

Zurzeit gibt es eine Diskussion darüber, dass Regierungen ruhig mehr Schulden machen sollten, weil die Zinsen extrem niedrig oder in vielen Fällen sogar negativ sind. Warnende Stimmen machen darauf aufmerksam, dass am Ende der Laufzeit diese Kredite möglicherweise zu höheren Zinsen abgelöst werden müssen.

Aber vielleicht gibt es eine andere, mindestens ebenso große Gefahr: dass wir in eine Deflation rutschen, also eine Zeit fallender Preise – häufig verbunden mit sehr niedrigem oder stagnierendem Wachstum. Dann wäre zum Beispiel eine Bundesanleihe mit 30 Jahren Laufzeit, die jetzt etwa null Prozent Rendite hat, am Ende der Laufzeit real erheblich mehr wert als heute und entsprechend schwerer zurückzuzahlen.

„Real“ sind die ausgewiesenen Renditen minus Inflationsrate – oder eben plus Deflationsrate. Für Banken und Versicherer spielen die nominalen, also ausgewiesenen, Renditen die entscheidende Rolle, denn sie bilanzieren auch in nominalen Größen. Für private Haushalte und den Staat ist dagegen wichtiger, was das Geld am Ende für eine Kaufkraft hat.

Nehmen wir in einem vereinfachten Beispiel an, die künftige Preisentwicklung entspräche einer Deflation von einem Prozent über 30 Jahre, dann müsste die entsprechende Anleihe zu real 35 Prozent höherem Wert zurückgezahlt werden. Sofern sich Deutschland nicht allzu schlecht entwickelt kein Beinbruch, aber eben auch kein Geschenk.

Umgekehrt wird natürlich auch ein Schuh draus. Meist wird heute unterstellt, dass Anleger aus Mangel an Alternativen oder zur kurzfristigen Spekulation Anleihen ohne Zinsen kaufen. Aber man kann bei den sehr langen Laufzeiten darin auch eine Wette auf künftige Deflation sehen.

Die Notenbanken wollen Deflation unbedingt vermeiden. Sinkende Preise machen Geldpolitik schwierig und die Wirtschaft unflexibel, wenn man etwa an Tarifverhandlungen denkt. Auf der anderen Seite haben die Japaner trotz einer langen Phase der Deflation ein hohes Maß an Wohlstand gehalten.

Es wird jedenfalls offensichtlich für die Notenbanken immer schwieriger, die Preise in ihrem Sinn zu beeinflussen. Eine Deflation ist daher vielleicht nicht so unwahrscheinlich, wie sie heute erscheint.

Mehr: Wer Staaten Geld leiht, bekommt derzeit dafür keinen Zins, sondern zahlt drauf: In Deutschland wirft keine Bundesanleihe eine positive Rendite ab. In anderen Staaten ist das ähnlich.

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