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Kommentar Notenbank-Chef Jerome Powell kuscht nicht vor Donald Trump

Reifeprüfung bestanden: Powell plant Zinssenkungen, ohne die Märkte zu verunsichern. Ihm ist es gelungen, nicht als Marionette des Weißen Hauses zu wirken.
2 Kommentare
Fed-Chef Jerome Powell hat den Stepptanz zwischen dem Weißen Haus und den Märkten mit Bravour gemeistert. Quelle: AFP
Reifeprüfung absolviert - und bestanden

Fed-Chef Jerome Powell hat den Stepptanz zwischen dem Weißen Haus und den Märkten mit Bravour gemeistert.

(Foto: AFP)

Washington Auch Zentralbanker müssen in ihren Job hineinwachsen. Sechs Monate ist es her, dass Fed-Chef Jerome Powell die Märkte in Panik versetzte, obwohl er das gar nicht beabsichtigt hatte. Diesmal hat er es besser gemacht.

Am Mittwoch hat die Fed die Zinsen stabil gelassen, aber gleichzeitig Zinssenkungen für die kommenden Monate in Aussicht gestellt. Wie auch vor einem halben Jahr folgte der offiziellen Mitteilung eine Pressekonferenz des Vorsitzenden der US-Notenbank.

Doch während Investoren im Dezember Powells Worte so interpretiert hatten, als drohe den USA eine baldige Rezession, hat er die Marktteilnehmer diesmal beruhigen können.

Damit ist ihm ein schwieriges Kunststück gelungen. Zinsen senken die Zentralbanken gewöhnlich nur dann, wenn das Wachstum stottert oder wenn die Inflation nicht hoch genug ist. Powell hat also alles daran gesetzt, die Inflation und externe Faktoren für eine zukünftige Zinssenkung verantwortlich zu machen und nicht etwa eine schwächelnde Konjunktur.

Bei den externen Faktoren zeigte Powell indirekt mit dem Finger auf seinen größten Kritiker: Donald Trump. Es ist kein Geheimnis, dass der US-Präsident den von ihm ernannten Fed-Chef am liebsten austauschen würde. Trump macht Powell nicht nur für den schlechten Aktienmarkt im vergangenen Jahr verantwortlich. Seiner Meinung nach soll der Fed-Chef auch daran schuld sein, dass die US-Wirtschaft nicht noch stärker wächst als ohnehin schon.

Powell musste daher extrem aufpassen, nicht als Marionette des Weißen Hauses zu wirken, wenn er einen sanfteren Kurs bei den Zinsen anschlägt. Das ist ihm insofern gelungen, als dass er Trump selbst zumindest teilweise die Schuld gibt, wenn die Fed zu Zinssenkungen gezwungen sein sollte. Denn die sieht Powell dann als nötig an, wenn der Handelsstreit weiter eskalieren und sich die Weltwirtschaft weiter abkühlen sollte.

US-Präsidenten im Nacken

Die logische Verkettung: Der Handelsstreit schadet der Weltwirtschaft. Die schwächere Weltwirtschaft lässt wiederum die Inflation sinken und das führt auch in den USA zu einer niedrigeren Inflation und einer schwächeren Konjunktur und damit bleibt der Fed nichts anderes übrig, als die Zinsen zu senken.

Wer hinter dem Handelsstreit steckt, ist eindeutig. Das ist Trump mit seinen Zöllen und Drohungen, die enorme Unsicherheit geschaffen haben. Powells Botschaft ist damit: Er kuscht nicht vor Donald Trump. Aber er muss auf dessen Konjunktur-schädigende Politik reagieren.

Einen anderen Zentralbanker spricht er dagegen von der Verantwortung frei. Es sei nicht Mario Draghi, der ihn mit seiner lockeren Geldpolitik zu seinem neuen Kurs zwinge. Auch das ist ein klares Signal.

Ein großer Teil des Jobs eines Zentralbankers besteht aus Kommunikation: Jedes gesagte und nicht gesagte Wort wird auf die Goldwaage gelegt. Das gilt insbesondere dann, wenn man den US-Präsidenten persönlich im Nacken sitzen hat.

Powell hat mit seinem Auftritt am Mittwoch seine Reifeprüfung bestanden. Die geringen Ausschläge an den Märkten kommen einem Applaus gleich.

Mehr: Gegen Ende seiner Amtszeit als EZB-Präsident kritisiert Mario Draghi den Bundesbank-Chef Jens Weidmann scharf – und offenbart sein schwieriges Verhältnis zu Deutschland.

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2 Kommentare zu "Kommentar: Notenbank-Chef Jerome Powell kuscht nicht vor Donald Trump"

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  • - Fortsetzung -

    Im Kommentar eines hervorragenden Analysten, den ich hier nicht verlinken kann, wird Trump nun als "KEYNESIANER AUF STEROIDEN" bezeichnet.
    Trump weiß eben auch, dass das alles eine gigantische Blase ist, und er will nicht, dass sie vor seiner Wiederwahl platzt.
    Nur, Frau Kort, dann versinken eben nicht nur die USA, sondern es versinkt die ganze Weltwirtschaft - und ALLE wissen, dass es die Zentralbanken waren, die das angerichtet haben!

  • Frau Kort, Sie täuschen sich gewaltig.
    Powell wurde von Trump gewaltig unter Druck gesetzt - und wissen Sie was? Er hat auch noch Recht damit.
    Dabei bin ich ein ziemlicher Anti-Etatist und Zentralbankgegner. Der Welthandel hat Jahrtausende lang bestens OHNE Zentralbanken funktioniert - und dann hat man es auf einmal für nötig gehalten, GELDMENGE und ZINSSATZ zu manipulieren. Nichts anderes tun Zentralbanken. Und damit begann das Unheil: alle großen Wirtschaft- und Finanzkrisen seit über 100 Jahren haben als eigentliche Ursache diese Manipulation von Geldmenge und / oder Zinssatz durch die Zentralbanken.
    Mein früherer Nickname hier war nicht umsonst INFLATE OR DIE: mit dem Schuld- / Kreditgeldsystem hat man es nun auch "geschafft", nahezu alle Inflationshemmnisse zu beseitigen, wobei Inflation eine allgemeine Ausweitung der Geldmenge ist, wie es meine Schule der Austrian Economics bis heute korrekt definiert (und eben KEINE Teuerung!).
    Das Gegenteil, Deflation, d.h. eine Verknappung / Kontraktion der Geldmenge ("Schuldendeflation" oder "Kreditkollaps") führt dagegen in diesem System zum "DIE", zum Tod von Banken und (Welt-)Wirtschaft.
    Als der erste große Gelddrucker der Geschichte, nämlich Alan Greenspan, damit anfing, im großen Stil Geldmenge und Zinssatz zu manipulieren, hätte eine korrigierende Bereinigungskrise noch keinen ganz verheerenden Schaden angerichtet. Vielleicht kann man es mit dem Sprung vom 2. Stock eines Hochhauses vergleichen: man wird sich vermutlich etliche Knochen brechen und schwer verletzt sein, aber man wird es wohl überleben. Heute befindet man sich nun im 100. Stock. Und es ist VOLLKOMMEN EGAL, ob man von dort springt oder vom 200. oder 300. Stockwerk: das Ergebnis wird genau dasselbe sein.
    Sie und ich, Frau Korte, sind nichts anderes als lebende Testkannichen, wie weit man eine Blase aufpumpen kann. Man weiß es einfach nicht. Das wissen auch die Zentralbanker nicht. Aber sie haben nun keine andere Wahl mehr.

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