Kommentar zur EZB-Ratssitzung Was auch immer es kostet

Auch eine Konfetti-Attacke kann EZB-Chef Mario Draghi den Tag nicht verderben: Sein milliardenschweres Programm zum Ankauf von Staatsanleihen hat einen guten Start hingelegt. Doch die Gefahren dieser Politik bleiben.
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Der EZB-Präsident Mario Draghi freut sich über schnelle Erfolge. Quelle: dpa
Mario Draghi

Der EZB-Präsident Mario Draghi freut sich über schnelle Erfolge.

(Foto: dpa)

FrankfurtSichtlich stolz präsentierte Mario Draghi nach der Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Attacke einer Aktivisten schockte ihn nur kurz. Anschließend sprach er über seinen jüngsten Coup. Seit gerade mal sechs Wochen lässt EZB-Chef Staatsanleihen ankaufen. Und selbst die größten Skeptiker würden wohl kaum bestreiten, dass die Effekte des Quantitative Easings (QE) beeindruckend sind.

Der Euro hat drastisch an Wert verloren – und steigert so jenseits des Währungsgebiets zumindest vorübergehend die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen. Die langfristigen Kapitalmarktzinsen, von denen es bereits im vergangenen Jahr hieß, sie könnten unmöglich noch weiter sinken, gaben noch einmal kräftig nach – und erleichtern den hoch verschuldeten Staaten die Refinanzierung. Ja, selbst die Kreditklemme im Süden Europas, aus Sicht Draghis das eigentliche Hindernis für eine Überwindung der Krise, scheint sich zu lösen.

Jens Münchrath
Der Autor

Jens Münchrath ist Teamleiter Report und Wochenendtitel beim Handelsblatt.

Nicht einmal die größten Optimisten hätten eine solche rasche und drastische Wirkung des Programms erwartet. Hatten die ewigen Kritiker Draghis also doch Unrecht?

Nein, die Risiken und Widersprüche des Programms bestehen fort – und sie werden nicht kleiner dadurch, dass es wirkungsvoller ist, als manch einer erwartet hätte. Im Gegenteil: Natürlich entlasten die niedrigen Zinsen die hoch verschuldeten Staaten und Unternehmen.

Gleichzeitig aber vermindern sie den Anreiz, die Schulden abzubauen. Natürlich hilft die Liquiditätsschwemme den schwachen Banken. Gleichzeitig aber treibt sie diese in riskante Anlagen und legt somit womöglich den Keim für die nächste, vielleicht noch größere Krise.

Eine ernsthafte Bilanz des geldpolitischen Großexperiments Draghis lässt sich erst ziehen, wenn der Exit – also der Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik – gelungen ist. Und diesen, auch das hat Draghi einmal mehr klargemacht, wird es auf absehbare Zeit nicht geben. Seinen Ankauf von Anleihen im Wert von 60 Milliarden Euro monatlich jedenfalls will er durchziehen – whatever it takes.

Draghi im Konfetti-Regen
Beherzter Sprung
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Während Mario Draghi die ersten Sätze spricht, springt die Aktivistin auf das Podium. Es soll sich um eine Frauenrechtlerin von Femen handeln. Die EZB sagte dazu, dass sich die junge Frau mit einem falschem Journalistenausweis eingeschlichen habe. Sie habe dabei den regulären Sicherheitscheck mit Metalldetektor passiert. EZB-Präsident Draghi habe die Pressekonferenz nach dem Vorfall ruhig fortgesetzt.

Der Schreckmoment
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Eine Frau auf Draghis Tisch: Der EZB-Chef erschreckt heftig, Arme und Hände in Abwehrhaltung.

Die Szenerie
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Die Fotografen zücken die Kameras, vom Rand des Podiums eilt ein Sicherheitsmann herbei. Währenddessen hat die Aktivistin längst einen Stapel Papier in die Höhe geworfen – und hat sich noch etwas anderes ausgedacht...

Konfetti frei!
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Die Frau bewirft den EZB-Chef mit Konfetti. Der Sicherheitsmann umkurvt derweil erst einmal die Pressesprecherin.

Draghi in Sicherheit
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Dann ist die „Gefahr“ gebannt. Die Frau wird vom Tisch gezerrt. Dabei schreit sie „Stopp the ECB-Dicktatorship“ (deutsch: „Stoppt die EZB Diktatur“).

Aktion beendet
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Doch einfach macht sie es den Sicherheitsleuten nicht. Zufrieden feiert sie ihren Erfolg.

Pressekonferenz unterbrochen
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Die Pressekonferenz mit Draghi wurde kurzzeitig unterbrochen. Die Femen-Aktivistin wagt noch einen letzten Schrei...


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10 Kommentare zu "Kommentar zur EZB-Ratssitzung: Was auch immer es kostet"

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  • 5 Millionen auf Pump, und den Rest auf Leasing
    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Wo sind die Kommentare zu den anderen Artikeln zu diesem Thema?

  • Sorry, falsche Stelle, war eigentlich an Herrn Westend gerichtet.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Die EZB und Herr Draghi sind die Regierung von EU-Europa zum Glück für die Polit-Darsteller,
    denn die werden von der EZB gerettet. Die EU kann aber nicht ständig gerettet werden, also ist es an der Zeit diese undemokratische Vereinigung auf zu lösen. Nie und nimmer funktioniert ein
    System das völlig ungerecht für alle Teilnehmer ist. Kein Mensch kann das auf Dauer ertragen.

  • Der Erfolg ist beeindruckend?
    Woran genau wird dieser Erfolg gemessen? Handelsblatt:"Und die Kreditklemme scheint sich zu lösen" Woran genau wird dies festgemacht?
    Kann mir jemand bitte erklären, woran dieser grenzenlose optimist die Erfolge messen tut? Die Tatsache, dass jeder die schlechten Staatsanleihen gegen viel Geld getauscht hat, ist meines Erachtens noch kein Erfolg! Also etwas mehr Hintergrundinformation hätte ich hier schon erwartet.
    Aber vermutlich kann es der Autor selbst nicht genau erklären, warum es ein Erfolg sein soll.


    In einem Inverwiew hörte ich vor kurzem den Vorstand einer Bank sagen: Wir waren einer der ersten die von dem Programm gebrauch machten, da man die Papiere deutlich über dem tasächlichen Wert verkaufen konnte.

    Natürlich verkauft jeder gerne seine Papiere über Wert. Aber das allein wird der Wirtschaft nicht helfen!

  • Alle Achtung! Das war ein sportlicher und filmreifer Auftritt! Geniale Actionfotos!

  • Für Vola wird auch in den kommenden Wochen gesorgt sein, keine Sorge.;-)

  • Draghi tut das einzig Richtige. Der Typ hat wenigstens Eier. Ich würde mir nur Sorgen machen, wenn sich Signore Draghi Gedanken/Sorgen macht, über irgendeine andere Meinung von irgendeinem (Polit)-Hansel.

    Der Mann schert sich genauso wie ich einen Dreck um die Meinung von andern Leuten. Draghi rules. Wer nicht für mich ist, ist gegen mich. Na, und !? Ich bin von niemanden finanziell oder sonst wie abhängig (außer von Markt-Volatilität). Und muss daher auch niemanden gefallen - so wie Signore Draghi.


    Grüße aus Downtown-Mainhattan. Der schönsten Stadt Deutschlands. And the heartbeat of financial €urope and HQ of Super-Mario.


    Ralph

    Investmentbanker (CFA, Eurex- und Xetra-Lizenz)
    - selbst. Börsenhändler -
    Algo- und System-Trading

    Handelsbuch mit 5,0 Mio. € Handelslimit, genehmigt durch die hinterlegte Sicherheit in physischen Gold auf dem Margin-Konto

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