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Kristin Forbes

Die Ökonomin lehrt am Massachusetts Institute of Technology (MIT), einer der US-Eliteuniversitäten.

(Foto: Bloomberg/Getty Images)

Kristin Forbes im Interview „Wir bekommen in den USA ein unhaltbares Schuldenniveau“ – US-Ökonomin kritisiert Geldpolitik

Die Staatsverschuldung der USA alarmiert US-Ökonomin Kristin Forbes. Im Interview spricht sie über moderne Geldpolitik und deutsche Exportstärke.
1 Kommentar

FrankfurtKristin Forbes hat am Massachusetts Institute of Technology (MIT) beim legendären Ökonomen Rüdiger Dornbusch studiert. Heute ist sie selbst Professorin an der US-Eliteuniversität. Ihre Forderung, weltweite ökonomische Zusammenhänge stärker zu berücksichtigen, richtet sich auch an die Europäische Zentralbank (EZB), die am Donnerstag tagt.

Wenn man den Debatten über Geldpolitik folgt, sind Unsicherheit und diverse Meinungsverschiedenheiten herauszuhören. Wissen Notenbanken noch, was sie tun?
Ich wäre da nicht so pessimistisch. Die Notenbanken haben nach der Finanzkrise eine wichtige Rolle gespielt. Das Wachstum ist solide geworden, die Inflation kommt zurück.

Aber vieles, was früher galt, scheint außer Kraft gesetzt. Zum Beispiel ist kaum noch ein Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Inflation zu erkennen. Was hat sich geändert?
Ökonomen waren lange Zeit gewohnt, auf die heimischen Faktoren zu achten. In einer globalisierten Welt kommt es darauf an, viel mehr äußere Einflüsse einzubeziehen, zum Beispiel Wechselkurse, Importpreise und Rohstoffpreise. Sehr wichtig ist die Frage, wie weit die internationale Nachfrage hinter der Produktionskapazität zurückbleibt.

Welcher Faktor spielt denn die größte Rolle?
Das ist von Land zu Land unterschiedlich. Für Deutschland zum Beispiel ist die internationale Nachfrage sehr wichtig, weil das Land stark vom Export lebt.

Aber der deutsche Export brummt doch. Trotzdem ist die Inflation niedrig.
Die deutschen Exporteure sind von den internationalen Preisen abhängig, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Welche Faktoren spielen für andere Länder die wichtigste Rolle?
Neben der internationalen Nachfrage haben Rohstoffe an Bedeutung gewonnen. Neben Öl verschiedene andere, etwa auch Metalle. Die Bedeutung der Schwellenländer für diese Märkte ist enorm gewachsen. Das führt zu größeren Preisschwankungen, die wiederum auf die entwickelten Länder durchschlagen. Eine sehr wichtige Rolle, gerade auch für Großbritannien, spielt zudem der Wechselkurs.

Wie sollen die Notenbanken in der Praxis diese externen Effekte berücksichtigen?
Sie müssen mit einrechnen, welche Effekte die eigene Politik auf andere Länder hat und wie das wiederum zurück auf das eigene Land wirkt. Weil das schwer vorherzusagen ist, sollten Notenbanken sich nicht zu weit im Voraus festlegen, was sie tun. Sie müssen zum Beispiel die Rolle der Wechselkurse berücksichtigen und diese auch erklären, ohne aber die Kurse selbst beeinflussen zu wollen.

Raghuram Rajan hat, als er Chef der indischen Notenbank war, mehr Koordination der Notenbanken gefordert. Ihm ging es darum, Schwellenländer vor den Effekten der US-Geldpolitik zu schützen. Was halten Sie davon?
Ich habe großen Respekt für Raghu. Es ist sicher gut, mehr zu kommunizieren, die Chance zu erhöhen, dass sich Schwellenländer auf die Effekte der US-Geldpolitik einstellen können. Aber eine direkte Abstimmung sehe ich skeptisch.

Warum?
Wenn die US-Notenbank aus Rücksicht auf andere Länder ihre eigene Geldpolitik nicht richtig anpassen würde, hätte das weltweit negative Effekte. Letztlich ist eine stabile US-Wirtschaft auch für die Schwellenländer am besten.

Die Weltwirtschaft läuft ja zurzeit relativ gut. Wo sehen Sie Risiken?
Die wachsenden Spannungen in der Handelspolitik machen mir Sorgen. Außerdem sind nach einem starken Jahr 2017 die wirtschaftlichen Daten in der Euro-Zone und in Großbritannien aktuell wieder schwächer geworden. Dazu kommt – vor allem in den USA – die steigende Staatsverschuldung. Eigentlich sollte man sie in guten Zeiten senken, aber die Regierung in Washington tut gerade das Gegenteil. Ich fürchte, wir bekommen dort ein unhaltbares Schuldenniveau.

Aber die USA verfügen mit ihrem Dollar über die Weltwährung. Und der Appetit der Investoren nach US-Staatsanleihen scheint unersättlich zu sein.
Es droht keine unmittelbare Gefahr. Aber irgendwann könnten die Investoren doch höhere Renditen verlangen. Und dann fließt mehr und mehr Geld aus den USA ab, das für andere Zwecke benutzt werden sollte, etwa die Infrastruktur.

Die USA setzen Deutschland wegen des hohen Exportüberschusses unter Druck. Ist das berechtigt?
Es hat keinen Sinn, den Überschuss oder das Defizit nur zwischen einzelnen Ländern zu betrachten. Außerdem kann Deutschland ja keine eigene Geldpolitik machen, das tut die Europäische Zentralbank (EZB) für die gesamte Euro-Zone. Daher kann man jedenfalls nicht von Manipulation der Währung reden.

Insgesamt beobachten wir den Aufstieg von Populisten, auch in Europa und in Deutschland. Hat das vor allem wirtschaftliche Gründe?
Mir macht vor allem Sorgen, dass es jetzt zu einer Zeit passiert, wo das Wachstum überall wieder recht solide und die Arbeitslosigkeit niedrig ist.

Wie kommt‘s?
Ein Grund dürfte sein, dass der technologische Wandel verunsichert. Manche Leute haben Jobs, aber werden schlechter bezahlt als früher. Davon sind ganze Regionen betroffen. Das haben wir lange unterschätzt. Manchmal schlagen solche Probleme bis in die Generation der Kinder durch.

Was bedeutet der Populismus für Notenbanken?
Sie müssen transparenter werden. Sie müssen besser erklären, was sie tun. Sie müssen unterschiedliche Weisen der Kommunikation für die Finanzmärkte und für die breite Öffentlichkeit entwickeln. Wir haben in der Bank of England schon damit angefangen. Ich war anfangs selbst skeptisch, ob das nicht verwirrt. Aber die Leute verstehen schon, dass man in verschiedene Richtungen unterschiedlich kommuniziert.

Ist es für Notenbanken ein Problem, dass sie internationaler denken müssen, während zugleich populistische Politiker immer nationaler denken?
Deswegen müssen sie ganz klar machen, dass sie zwar internationale Einflüsse berücksichtigen, aber sehr zielgenau für die eigenen Bürger arbeiten. In dem Punkt darf es kein Missverständnis geben.

Frau Forbes, vielen Dank für das Interview.

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1 Kommentar zu "Kristin Forbes im Interview: „Wir bekommen in den USA ein unhaltbares Schuldenniveau“ – US-Ökonomin kritisiert Geldpolitik"

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  • Das die Staatsverschuldung der USA für Forbes Anlass zur Sorge geben wo die USA ihre eigene Währung drucken kann und noch dazu mit dem Dollar über die Weltreservewährung Nr1 verfügt überrascht mich. In Japan liegt die Staatsverschuldung bei über 200% in Relation des BIP. Dort in Japan soll die Infrastruktur aber wie geleckt aussehen.
    Viel beachtenswerter sind die amerikanischen Unternehmensschulden. Und unsere Abhängigkeit von Exporten hätte Forbes ja auch mal ansprechen können.