Künftige Fed-Chefin Yellen Die Surferin auf der Dollar-Welle

Nullzins, milliardenschwere Anleihekäufe: Die künftige Fed-Chefin Janet Yellen ist eine Verfechterin der Politik des billigen Geldes. Nun muss ausgerechnet sie die US-Notenbank in die Normalität zurückführen.
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Die Neue, der Chef und der Alte: Janet Yellen mit Präsident Obama und dem scheidenden Fed-Chef Ben Bernanke. Quelle: AFP

Die Neue, der Chef und der Alte: Janet Yellen mit Präsident Obama und dem scheidenden Fed-Chef Ben Bernanke.

(Foto: AFP)

WashingtonFast ist es schon eine kleine Sensation: Es bewegt sich etwas im vom Haushaltsstreit lahmgelegten Washington. US-Präsident Barack Obama hat am Mittwoch die Nachfolgerin für die Spitze der Notenbank Fed präsentiert, Janet Yellen. Und es sieht nicht danach aus, als würden die oppositionellen Republikaner seinen Vorschlag umgehend und geschlossen ablehnen wie sonst so ziemlich alles, was aus dem Weißen Haus kommt.

Die bisherige Fed-Vizechefin soll also, wenn der Senat zustimmt, Ende Januar den seit 2006 amtierenden Ben Bernanke beerben. Immerhin diese Gewissheit haben die Märkte nun, die ansonsten verunsichert beobachten, wie sich der Stellungskrieg zwischen Demokraten und Republikanern entwickelt.

Denn zudem müssen sie die ungeheuerliche Möglichkeit einpreisen, dass die USA zum ersten Mal in ihrer Geschichte zahlungsunfähig werden könnten. Es sind stürmische Zeiten, in die die Personalie Yellen fällt – doch die stürmischsten Zeiten hat die 67-jährige Ökonomin wohl erst noch vor sich.

Die Erwartungen an die erfahrene Notenbankerin und hoch geschätzte Volkswirtin sind klar: Irgendwann wird sie die milliardenschweren Programme, mit denen die Fed seit Jahren die Wirtschaft stützt, zurückfahren müssen. Entscheiden müssen, wann der richtige Zeitpunkt dafür gekommen ist.

Ausgerechnet Yellen, eine so genannte „Taube“ – also eine Verfechterin der lockeren Geldpolitik –, die sich eher um die Arbeitslosigkeit sorgt als um die Preisstabilität. Laut ihrem Statut muss die Fed beides im Auge behalten. Doch Yellen gilt als noch entschlossener als Bernanke, alle denkbaren Mittel einzusetzen, um Menschen wieder in Jobs zu bringen. Eine Art Turbo-Bernanke, ganz nach dem Politikverständnis Obamas.

Noch-Fed-Chef Bernanke hatte den Leitzins auf nahe null gesenkt und ihn an die Entwicklung der Arbeitslosenquote gekoppelt. Gleichzeitig vervierfachte die Fed ihre Bilanzsumme binnen weniger Jahre auf fast vier Billionen Dollar. Jeden Monat kauft sie Staats- und Immobilienpapiere im Wert von 85 Milliarden Dollar auf, um langfristig die Zinsen zu senken und damit Investitionen zu fördern.

Allesamt Maßnahmen, die Yellen unterstützt, mitverantwortet und wohl zum Teil selbst erdacht hat. Wie viel sie jedoch gebracht haben und ob sie das Risiko von Inflation und Blasenbildung wert waren, ist umstritten. Eine Depression wurde verhindert, doch das Wachstum in den USA ist weiterhin mäßig, die Arbeitslosigkeit hoch und die Staatsverschuldung explodiert.

Inflation oder Stabilität?
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9 Kommentare zu "Künftige Fed-Chefin Yellen: Die Surferin auf der Dollar-Welle"

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  • Die Notenbanken haben vielleicht eine Depression verhindert, damit aber wesentliche Steuerungsinstrumente der Marktwirtschaft abgeschafft. Ein Zurück aus der Nullzinspolitik gibt es nun nicht mehr. Die Depression, die am Ende folgt, wird ungleich dramatischer sein.


  • Die Frau schafft allenfalls gering alimentierte Konsumarbeitsplätze, mit Produktionsarbeit hat sie, wie die US Gesellschaft bei all ihren "opportunities financials", nicht viel am Hut. Summers zwickte wohl einigen zu sehr.

    Zeit sich mal wieder mit Capo "Oberdraghi" zu beschäftigen, der Kerl muss ja nun endlich seine Zusagen einlösen und ihm nahestehende Mafiabankfreunde bedienen. Aussenstände mehren sich bedrohlich, Zeit zu handeln.

    Firmiert alles beruhigend unter Bank-Eurorettung.
    Da stehen uns ja zwei tolle Figuren vor, gut für die zu werfenden Presse-Nebelkerzen. Gespart wird bei beiden nicht.

  • So dürften bereits die 'außergewöhnlichen Maßnahmen'
    einer Janet Yellen, als Chefin der kalifornischen
    Notenbank seit 2004, bekannt sein, die Kalifornien als
    Sanierungsfall zurückgelassen hat.

  • Es stimmt schon: Gewöhungseffekte bleiben ein Problem.
    Ob die nun gleich mit einer einzigen Personalie gelöst werden (können) - nun ja, man wird sehen.

  • "Des billigen Geldes".

    Für WEN genau ist Geld billiger geworden? Für die meisten Menschen NICHT.

  • DIE Lösung für Europa! Null Zins und Aufkauf durch die EZB! Alle Probleme der Schuldenstaaten gelöst :-)
    Die sich zwangsweise ergebende Infaltion schiebt man den "bösen, raffgierigen Unternehmern" in die Schuhe, die nur an Gewinne denken und die man dann mit zusätzlichen Steuern und Abgaben bestraft!
    Drei Fliegen mit einer Klappe!
    1.) Schuldenproblem gelöst
    2.) Schuld auf Unternehmer geschoben
    3.) Grund für Steuererhöhungen

  • Eine lammfromme Marionette ist Sie

  • Was soll sie denn sonst machen? Würde das Geld teurer werden, wären die Amis sofort pleite. Die Erhöhung des Zinses um nur einen Prozentpunkt kostet etliche Mrd jährlich, die sie sich auch bloß borgen müßten. Die "Auserwählte" hat also gar keine andere Wahl....

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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