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Lagarde-Nachfolge Für Mark Carney könnte sein kanadischer Pass zum Problem werden

Der Kanadier soll auf Christine Lagarde beim Weltwährungsfonds folgen. Doch noch gibt es einige Unwägbarkeiten für den Chef der Bank of England.
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Schreckt nicht davor zurück, heikle Themen anzusprechen. Quelle: Bloomberg
Mark Carney

Schreckt nicht davor zurück, heikle Themen anzusprechen.

(Foto: Bloomberg)

Berlin, LondonAls der Rapper Stormzy Ende Juni auf dem berühmten Glastonbury-Festival in Großbritannien „f*** Boris Johnson“ und „f*** government“ ins Mikrofon röhrte, befand sich unter seinen Fans auch ein Zuhörer, den man dort nicht erwartet hätte: Mark Carney, Präsident der britischen Notenbank und Kandidat für die Spitzenposition beim Weltwährungsfonds IWF.

Er habe den Auftritt gut gefunden, erklärte Carney in einem Interview mit dem „Economist“. Stormzy nehme „niemals ein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht, eine vielfältigere Gesellschaft zu schaffen“.

Die Bereitschaft, Dinge beim Namen zu nennen, schreibt man auch Carney zu – selbst wenn dieser im Gegensatz zu Stormzy auf das F-Wort in der Öffentlichkeit verzichtet. Seit 2013 steht der gebürtige Kanadier an der Spitze der britischen Notenbank und steuert die Bank of England durch die Wirren des Brexits. Ruhig und mit großem Erfolg, wie es in London heißt. Doch 2020 läuft sein Vertrag aus. Und nachdem Carney bereits zweimal verlängert hat, scheint er nun entschlossen, Ende Januar aufzuhören.

Einige Kanadier sähen ihren Landsmann gern als Nachfolger von Premier Justin Trudeau, doch nach Informationen des Handelsblatts wird es Carney wohl nach Washington verschlagen: Auf dem EU-Gipfel vergangene Woche sei nach der Nominierung Christine Lagardes zur neuen Chefin der Europäischen Zentralbank (EZB) auch über ihre Nachfolge beim Internationalen Währungsfonds (IWF) gesprochen worden, hieß es in gut informierten Kreisen.

Dabei sei der Name Carney gefallen. Der 54-Jährige soll sogar schon vor Lagardes Nominierung informell als neuer IWF-Chef nahezu festgestanden haben.

Unbeliebt bei den Brexiteers

Carney selbst will sich dazu nicht äußern. Aber in London traut man ihm den Posten zu. „Ich denke, er wäre hervorragend geeignet für das Amt des nächsten IWF-Chefs“, sagt Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank mit Dienstsitz in der britischen Hauptstadt.

Carney, der vor seinem Wechsel nach London bei der US-Bank Goldman Sachs gearbeitet hatte und Chef der kanadischen Notenbank gewesen war, bringe nicht nur fachliche Kompetenz mit. Er sei auch dazu in der Lage, unangenehme Wahrheiten auszusprechen – und das in einem diplomatischen Ton, den ein solcher Posten erfordere.

Unangenehmen Fragen, etwa zu seinem Privatleben, weicht Carney charmant aus. Sein Auftreten hat ihm den Spitznamen „George Clooney der Finanzszene“ eingebracht. Dennoch gibt es auch in Großbritannien einige, die Carneys Abschied entgegensehnen: Dass der Notenbanker nicht davor zurückschreckt, vor den Folgen des Brexits zu warnen, macht ihn vor allem in den Reihen der Brexit-Verfechter unbeliebt.

Der Abgeordnete Jacob Rees-Mogg beschimpfte Carney deswegen als „zweitrangigen, gescheiterten kanadischen Politiker“, der den Ruf der Bank of England durch „hysterische und falsche Prognosen ramponiert“ habe.

Doch es sind nicht solcherlei Stänkereien, die seine Chancen mindern, sondern ein Punkt in Carneys Vita. Der Vorsitz des IWF wurde in der Vergangenheit einer informellen Vereinbarung mit den USA entsprechend immer von einem Europäer besetzt, während die Amerikaner im Gegenzug den Vorsitz der Weltbank innehatten. Doch Carney besitzt neben einem britischen und einem irischen auch einen kanadischen, also nichteuropäischen Pass.

Nicht nur deshalb gibt man sich in Berlin zurzeit noch vorsichtig. In Regierungskreisen hieß es, Carney sei „ein denkbarer Kandidat“, es sei aber noch nicht einmal eine vorläufige Entscheidung getroffen worden. Nur wenn Ursula von der Leyen zur neuen EU-Kommissionspräsidentin gewählt wird, wechselt auch Lagarde zur EZB.

Mehr: Auf dem EU-Gipfel soll informell über einen möglichen neuen IWF-Chef gesprochen worden sein. Danach wollen die Europäer Mark Carney zu Lagardes Nachfolger machen.

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