Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Lira-Verfall Türkei ächzt unter der Inflation – Regierung stellt heute Gegenmaßnahmen vor

In der Türkei werden Produkte immer teurer. Schuld ist die hohe Inflation, gegen die die Regierung nun Maßnahmen ergreifen will. Doch einige Probleme sind hausgemacht.
Kommentieren
Viele Türkinnen und Türken ächzen unter den jüngsten Preissteigerungen im Land. Quelle: Reuters
Türkische Lira und US-Dollar

Viele Türkinnen und Türken ächzen unter den jüngsten Preissteigerungen im Land.

(Foto: Reuters)

IstanbulEine Flasche Mineralwasser im Supermarkt: 3,60 Lira statt 2,95 Lira. Ein Abendessen zu zweit im Restaurant: mittlerweile eher 250 Lira als 160 Lira. Eine Tankfüllung Super Bleifrei: 350 Lira statt 240 Lira. Ein Volkswagen Passat: je nach Ausstattung bis zu 250.000 Lira statt 150.000 Lira.

So viel kosten diese Produkte inzwischen in der Türkei. Doch der Vergleichswert ist nicht etwa zehn Jahre alt – sondern weniger als zehn Monate.

Viele Türkinnen und Türken ächzen unter den jüngsten Preissteigerungen im Land. „Wir müssen immer mehr bezahlen, nehmen aber weiterhin genau so viel ein“, ärgert sich ein Taxifahrer, der im Istanbuler Touristenstadtteil Beyoglu sein Revier hat.

Die türkische Regierung will erneut gegen die Teuerung vorgehen. Am Dienstag um 12 Uhr deutscher Zeit sollen Details zu ihren geplanten Maßnahmen gegen die ausufernde Inflation im Land bekanntgegeben werden. Das teilte Finanzminister Berat Albayrak am Montag via Twitter mit.

Außerdem bedankte sich Albayrak, der gleichzeitig Schwiegersohn von Staatschef Recep Tayyip Erdogan ist, bei den türkischen Banken. Sie bieten Schuldnern mit einem Kreditvolumen von unter 15 Millionen Lira (2,4 Millionen Dollar) eine sechsmonatige Zahlungspause an. „Ich danke dem Bankenbund für diese Entscheidung“, erklärte Albayrak.

Die Teuerungsrate ist im September im Zuge der Währungskrise in der Türkei auf fast 25 Prozent gestiegen, den höchsten Stand seit 15 Jahren. Dadurch verringert sich die Kaufkraft der Bürger. In den 1990er-Jahren lag die Inflation in dem Land schon mal bei 84 Prozent.

Grundsätzlich streben Volkswirtschaften eine geringe Inflation an, um die Wirtschaft anzutreiben. Die Europäische Zentralbank zum Beispiel gibt als Inflationsziel zwei Prozent pro Jahr an. In der Türkei, die als Schwellenland größeren Wachstumsschüben unterliegt, hat die dortige Zentralbank ein Ziel von rund fünf Prozent avisiert.

Die Deutsche Bank rechnet bis zum Jahresende mit einer Inflationsrate von 27 Prozent in der Türkei. Die Zentralbank hat den Leitzins in diesem Jahr bereits um 16 Prozentpunkte angehoben.

Türkei kündigt striktere Haushaltspolitik an

„Um das so gewonnene Vertrauen im Markt zu bestätigen und den Teufelskreis zwischen Währungsverfall und Inflationsspirale zu durchbrechen, rechne ich damit, dass sie den Leitzins in den nächsten sechs Monaten um mindestens fünf Prozentpunkte anheben wird“, erklärt Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank.

Auch die Währung hat im Verhältnis zum Dollar und Euro an Kraft verloren. Die türkische Lira hat in diesem Jahr zum Dollar knapp 40 Prozent an Wert eingebüßt. Das hat vor allem damit zu tun, dass für viele Investoren die türkische Lira nicht mehr lukrativ erscheint. Oder weil sie Angst haben.

Viele Großanleger ziehen vor allem Geld aus dem Schwellenland ab, weil sie eine zu große Einflussnahme von Präsident Erdogan auf die eigentlich unabhängige Notenbank fürchten. Hinzu liegt das Land wegen der Inhaftierung eines amerikanischen Pastors im Clinch mit den USA. Beide Seiten haben Sanktionen verhängt.

Eine hohe Inflation hat gleich mehrere negative Folgen für eine Volkswirtschaft. Für Unternehmen steigen die Produktionskosten, deshalb müssen sie die Verkaufspreise für industrielle Abnehmer und Konsumenten erhöhen und treiben die Inflation damit weiter an. Dadurch steigt das Risiko, weniger Produkte verkaufen zu können.

„Das türkische Wirtschaftswachstum wird im kommenden Jahr noch viel stärker zurückgehen“

Hinzu kommt, dass bei hoher Inflation auch die Zinsen im Land ansteigen – um die Inflation zu bekämpfen. Doch das wiederum schmälert die Lust der Unternehmer, Kredite für neue Investitionen aufnehmen. Der gesamte Wirtschaftskreislauf verliert allmählich an Fahrt. Im schlimmsten Fall müssen Unternehmen dann Mitarbeiter entlassen – oder gehen in die Insolvenz.

Finanzminister Albayrak äußerte sich bereits am Sonntag zu den Teuerungsraten und kündigte eine striktere Haushaltspolitik an. Es gebe keine Alternative zur Budgetdisziplin. „Die Periode der Ausbalancierung hat nun begonnen. Es wird ein starkes Programm sein, um die Inflation zu bekämpfen“, erklärte Albayrak vor Mitgliedern der Regierungspartei AKP.

Die Union der Kammern und Börsen der Türkei (TOBB), die dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag ähnelt, begrüßte die Ankündigung aus dem Finanzministerium und kündigte seine Unterstützung bei der Umsetzung an. „Wir sind bereit, uns solidarisch zu zeigen“, erklärte TOBB-Präsident Rifat Hisarciklioglu.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Lira-Verfall - Türkei ächzt unter der Inflation – Regierung stellt heute Gegenmaßnahmen vor

0 Kommentare zu "Lira-Verfall: Türkei ächzt unter der Inflation – Regierung stellt heute Gegenmaßnahmen vor"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.