Mario Draghi Der Freund der kleinen Länder

Ehre für Mario Draghi: Der Chef der Europäischen Zentralbank wurde mit dem österreichischen Schumpeter-Preis geehrt. In seiner geradezu emotionslos vorgetragenen Rede verbreitete der Italiener durchaus Optimismus.
5 Kommentare
Preisträger Draghi (m.): „2014 und 2015 wird eine Zeit der Erholung sein, aber der Aufschwung steht unter Vorbehalt“ Quelle: AFP

Preisträger Draghi (m.): „2014 und 2015 wird eine Zeit der Erholung sein, aber der Aufschwung steht unter Vorbehalt“

(Foto: AFP)

WienFür Mario Draghi ließ sich die österreichische Notenbank etwas Besonderes einfallen. Zur Verleihung der Johann A. Schumpeter-Preises an den italienischen Chef der Europäischen Zentralbank spielte der Geiger Wolfgang David auf eine 1724 erbaute Violine des berühmten Geigenbauer Carlo Bergonzi. Das sündhaft teure Musikinstrument aus dem italienischen Cremona gehört zur Sammlung der österreichischen Notenbank.
Österreichs oberster Notenbanker und Mitglied des EZB-Rates, Ewald Nowotny, zog alle Register des Wiener „Schmähs“ um Draghi zu schmeicheln. „Sie sind ein Beispiel von Effizienz ohne den Verlust von Substanz“, säuselte Nowotny in seinem Deutsch-Englisch.

Der Notenbanker, der sich mit dem Milliarden schweren Desaster der österreichischen Skandalbank Hypo Alpe Adria herumschlagen muss, lobte die „außergewöhnliche Fairness“ des früheren Goldman Sachs-Bankers. Vor allem mache Draghi keinen Unterschied zwischen großen und kleinen Länder, hob Nowotny ganz besonders vor.

Denn gerade auf diesen Fuß ist Österreich gegenüber dem zehnmal größeren Deutschland besonders empfindlich. Zuletzt erteilte der oberste Notenbanker Sloweniens, Boštjan Jazbec, der Idee eine Absage, sich innerhalb der EZB von Modell „Ein Land, eine Stimme“ zu verabschieden. „Als Zentralbankchef eines kleinen Landes bin ich ziemlich glücklich mit dem bisherigen Regelwerk“, sagte das EZB-Ratsmitglied. „Ein Land, ein Stimme – das gibt der EZB auch Raum für frische und fruchtbare Diskussionen, von denen alle Euro-Länder profitieren.“ Draghi, der weltläufige Europäer, wird auf österreichischer Seite als Garant des eigentlich wenig fairen Abstimmungsmodus begriffen. Daraus machte Nowotny keinen Hehl.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Die Gefahr einer Deflation sieht der EZB-Chef nicht
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Mario Draghi - Der Freund der kleinen Länder

5 Kommentare zu "Mario Draghi: Der Freund der kleinen Länder "

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • "(Draghi) lobte die „außergewöhnliche Fairness“ des früheren Goldman Sachs-Bankers. (...) „Als Zentralbankchef eines kleinen Landes bin ich ziemlich glücklich mit dem bisherigen Regelwerk“, sagte das EZB-Ratsmitglied. „Ein Land, ein Stimme – das gibt der EZB auch Raum für frische und fruchtbare Diskussionen, von denen alle Euro-Länder profitieren.“ Draghi, der weltläufige Europäer, wird auf österreichischer Seite als Garant des eigentlich wenig fairen Abstimmungsmodus begriffen."

    @HB-Redaktion

    Soll das Journalismus darstellen oder einfach nur subtile Hetze gegen Draghi?

    1. Draghi als GS-Banker zu bezeichnen, weil er in seiner langen Karriere 1 Jahr lang (2004-2005) bei GS taetig war ist diffamierend. Ein Journalist, der in 30 Jahren Berufstaetigkeit ein 6-monatiges Praktikum bei der Bild gemacht hat, ist dann wohl auch lebenslang ein Bildzeitungs-Journalist... Draghi lehrte z.B. 1981 bis 1991 als Professor an der Universität Florenz, von 2006 bis 2011 war Draghi Gouverneur der Banca d’Italia, der italienischen Zentralbank. Falls Sie etwas ueber Draghi wissen moechten: http://de.wikipedia.org/wiki/Mario_Draghi

    2. Fuer den jetzigen Abstimmungsmodus braucht es keinen Garanten - dieser Abstimmungsmodus kann nur einstimmig von den EUR-Laendern geaendert werden (siehe Wikipedia, EZB und Maastrichter Vertrag). Auch in der EU gilt, dass viele neue Vereinbarungen und Aenderungen/Ergaenzungen bestehender Vereinbarungen nur einstimmig beschlossen werden koennen. Was allerdings an diesen freiwillig beschlossenen Verfahren unfair sein soll, darueber schweigt der Autor sich aus... Kleine Laender von Entscheidungen quasi auszuschliessen (z.B. falls die Stimmenanteile der Laender ihrem Bevoelkerungsanteil in der EUR-Zone entsprechen wuerden), diese aber trotzdem die Konsequenzen der Entscheidungen tragen lassen, das waere jedenfalls sicher nicht "fair"...

  • In seiner geradezu emotionslos vorgetragenen Rede verbreitete der Italiener durchaus Optimismus.

    Nun Emotionen hat er nciht, wären wohl auch hinderlich.
    Draghi der Robin Hood, der Reichen, der Banken, der Hedgefonds - nimmts den kleinen Leuten und gibts den Reichen.

  • ... a propos FLOODEN eines Tunnels (VPN/DDOS) ...

    http://central.banktunnel.eu/20140314-1036-ecbint-pROOF-OF-LIFE.jpg

    ... und "wasserbombe" ...

    http://waterbomb.urlto.name (oder, alternativ)
    http://anschlag215.tumblr.com/post/79545474981/

  • Die Ankündigung von Herrn Draghi, notfalls unbegrenzt Anleihen von Pleitestaaten aufzukaufen, ist und bleibt ein klarer Rechtsbruch, auch wenn er dadurch den Kollaps der Euro-Schulden-Union verhindert hat.
    Damit ist klar, dass der Euro auf lange Sicht zur Lira wird.
    Die Politiker überhäufen ihn mit Preisen, damit sie weiter über ihre Verhältnisse Geld ausgeben können.
    Schade, dass die Bürger und Steuerzahler diesem Treiben widerstandslos zuschauen.
    Man könnte ja bei der Europawahl mal eine Partei wählen, die sich diesem Wahnsinn entgegenstellt.

  • Alles bestens.
    Habenzinsen in der BRD mit Glück: 0,25 - 0,40%.
    Vielen Dank dem Freund der kleinen Ländern.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%