Mario Draghi „Mit Marx bin ich Bruder im Geiste“

Euro kann er, Banken, Staatsanleihen sowieso. Doch die Welt des Mario Draghi geht darüber hinaus. Bei einer Rede spricht der EZB-Präsident plötzlich von Ethik und einem Grundsatz, den er als Jesuitenschüler gelernt hat.
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EZB-Präsident Mario Draghi: „Unsere gemeinsame Währung soll Frieden zwischen den Nationen sichern und unseren gemeinsamen Wohlstand fördern.“ Quelle: Reuters

EZB-Präsident Mario Draghi: „Unsere gemeinsame Währung soll Frieden zwischen den Nationen sichern und unseren gemeinsamen Wohlstand fördern.“

(Foto: Reuters)

Bei einer Ansprache in der Katholischen Akademie in München ist Mario Draghi, aktueller Präsident der Europäischen Zentralbank und früherer Jesuitenschüler, sehr persönlich geworden. Hier die Rede im Wortlaut:

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

ich danke Ihnen herzlich für die Einladung zur heutigen Veranstaltung; ich freue mich sehr, hier in München in der Katholischen Akademie zu Gast zu sein. In diesem besonderen Rahmen möchte ich zunächst anmerken, dass diese Veranstaltung zu einem sehr bedeutsamen Zeitpunkt für die katholische Kirche stattfindet: dem Vorabend des letzten Tags des Pontifikats von Benedikt XVI.

Während seiner acht Jahre als Oberhaupt der katholischen Kirche griff Papst Benedikt, ein großer Sohn Bayerns, immer wieder drängende Probleme der modernen Welt auf. Dabei hat er besonders die Bedeutung der Ethik im Wirtschaftsleben unserer globalisierten Welt betont.

Diese Überlegungen sind angesichts der Wirtschafts- und Finanzkrise, die nun schon das fünfte Jahr andauert, aktueller denn je.

Die Krise hat das Vertrauen der Menschen erschüttert, ob der Markt wirklich in der Lage ist, Wohlstand für alle zu generieren. Europas Sozialmodell wurde auf eine schwierige Belastungsprobe gestellt. Während einige wenige unglaubliche Reichtümer anhäufen, sind die Zeiten für viele andere sehr schwer. Ganze Länder leiden unter den Folgen fehlgeleiteter Politik der Vergangenheit; aber auch Marktkräfte, die manchmal nicht kontrolliert werden können, setzen diesen Ländern zu.

In gewisser Weise stellt sich die „soziale Frage“ des 19. Jahrhunderts, welche die Katholische Soziallehre inspiriert hat, neu. Aber heute geht ihre Bedeutung über Ländergrenzen hinaus: Welcher Rahmen ist am besten geeignet, um freies Unternehmertum und individuelles Gewinnstreben mit der Sorge um das Gemeinwohl und die Solidarität mit den Schwächeren zu vereinbaren?

Scheinbar wurde diese Frage in den letzten Jahrzehnten aus rein ökonomischer Perspektive betrachtet. Die unsichtbare Hand des Marktes – wenn man sie frei schalten und walten lässt – bringt letztlich für alle ein besseres Ergebnis, so zumindest die Theorie. Das rationale Handeln des „ Homo oeconomicus“ schien losgelöst von ethischen Erwägungen wie Nächstenliebe, Mitgefühl und Anstand. In Vergessenheit war geraten, dass für Adam Smith, den Vater der Marktwirtschaft, der „Wohlstand der Nationen“ untrennbar mit seiner „Theorie der ethischen Gefühle“ verbunden war.

Glücklicherweise war dies nicht überall der Fall: In der Jesuitenschule in Italien, die ich besuchte, gab es einen leitenden Grundsatz: unser Streben nach höheren Leistungen muss immer mit Integrität und einer moralischen Zielvorgabe verbunden sein: Es soll letztendlich zur Schaffung einer besseren und gerechteren Welt beitragen.

Ich habe bereits vor einiger Zeit angemerkt, dass es ohne Ethik keine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung geben kann. Wir können uns kein Wirtschaftsmodell leisten, in dem Exzesse widerspruchslos toleriert werden, das sich ganz und gar auf die Selbstregulierung der Märkte verlässt und in dem Einzelne glauben, dass alles erlaubt ist und es keine Grenzen gibt. [1] Letztlich muss unser Handeln von höheren moralischen Normen und einer tiefen Überzeugung geleitet werden, dass wir eine Wirtschaftsordnung schaffen, die jedem Einzelnen dient.

In diesem Punkt bin ich Bruder im Geiste mit Marx – wobei ich nicht Karl, sondern Reinhard Marx meine. Kardinal Marx vertritt zu Recht die Meinung, dass die Wirtschaft kein Selbstzweck ist, sondern im Dienst des Menschen steht.

Sich um das Wohlergehen seines Nächsten zu sorgen, ist nicht nur ein ethischer Grundsatz des christlichen Glaubens, sondern auch aus ökonomischer Sicht überaus sinnvoll. Niemand weiß das besser als die erfolgreichen bayerischen Unternehmer mit ihren vielfältigen wirtschaftlichen Verbindungen. Interdependenz ist mehr als nur ein Schlagwort. Das wirtschaftliche Wohlergehen unserer Nachbarländer betrifft uns unmittelbar.

Die Frage und Herausforderung, die sich heute den politischen Entscheidungsträgern Europas stellt, ist also folgende: wie schaffen wir wieder Vertrauen, dass unsere Volkswirtschaften in der Lage sind, Wachstum zu generieren, Wohlstand zu schaffen und somit letztlich den Menschen zu dienen? Wie können wir unser Wirtschaftsmodell derart gestalten, dass die Freiheit des Einzelnen, aber auch soziale Gerechtigkeit ermöglicht wird? Und wie erreichen wir, die Europäische Union, das richtige Gleichgewicht zwischen den Verantwortlichkeiten der einzelnen Länder und denen der Union als Ganzes?

Wie die EZB ihren Beitrag leistet
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51 Kommentare zu "Mario Draghi: „Mit Marx bin ich Bruder im Geiste“"

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  • Reinhard Kardinal Marx ist ein Wolf
    im Schafspelz - und er ist einer der gefährlichsten.
    Er tarnt sich perfekt.

  • Und wo sehen Sie den Unterschied, in Sachen Betrügertum, zwischen Madoff und einem Kardinal? Vermutlich in der Größenordnung des Betrugs. denn um Gegensätze handelt es sich beileibe nicht...

  • Was Draghi leider nicht sagte ist, dass der Gründer des Jesuitenordens (SJ Societa Jesu/ Gesellschaft Jesu) Ignatius von Loyola auch lehrte, "DASS DER ZWECK DIE MITTEL HEILIGT. Nach diesem Grundsatz arbeitete bis zu ihrer richterlichen Auflösung auch die "Banco Ambrosiano" (Bank des Heiligen Ambrosius, Mailand) sowie auch das "Instituto per le Opere die Religione" (Vatikanbank). Beide Geldhäuser arbeiteten und arbeiten eng mit der Mafia zusammen. Das ist auch der Grund des frühen, forensisch nie aufgeklärten Todes des Vorvorgängers von Herrn Ratzinger im Vatikan Johannes Paul I., der seinen Willen zum Aufräumen im "Saustall Gottes) schon nach 30 Tagen mit seinem Leben bezahlen musste. Herr Draghi ist ein Schlitzohr der übelsten Sorte - gerade weil er bei den Jesuiten in "die Lehre" ging (Der Zweck heiligt die Mittel!). Aber das werden wir Leser alles noch in diesem unserem Leben erfahren....denn die "ewigen Insolvenzverschleppungen" auf Kosten der europäischen Steuerzahler wird bald ein Ende nehmen.......................

  • Wir brauchen weder Marx, noch Draghi oder die ganzen anderen Pseudo-Sozialisten der Blockparteien. Hoffentlich kommt diese Goldmann-Sucks-Marionette zusammen mit all den anderen EU-Verbrechern und ihren willigen Helfern der deutschen Blockparteien vor ein wirklich unabhängiges Gericht.

  • @Delinix
    "Er war vor allem Banker der einflussreichen und gefährlichen Bank Goldman & Sachs, deren Interessen inzwischen global von den „Ehemaligen“ vertreten werden."

    Hier wird das Netzwerk erklaert:

    http://www.youtube.com/watch?v=XXLlrd5dKQc&feature=player_embedded

  • Wie sagte doch schon der führende Parteitheoretiker Nikolay A. Berdjajev ; Der Durst nach Bildung ist aristokratisch und verdächtig. Ein bischen Familie und L iebe, und schon ist auch der Wunsch nach Eigentum vorhanden. Wir werden diesen Wunsch zu Tode quälen, wir werden die Trunksucht, die Klatscherei, die Anzeige fördern. Wir werden jedes Genie schon im Säuglingsalter unterdrücken und alles auf einen Nenner bringen. „Vollständige Gleichheit „ „ (Herbert Wehner; wir werden die Belastbarkeit der Unternehmer austesten „! )

  • Hitler ein Katholik. Jetzt reicht´s aber langsam, Naschfreudiger!
    Wieviel Unwissen über das Dritte Reich existiert, ist immer wieder erschreckend.
    Oder ist es überhaupt kein Unwissen, sondern Spaß am Nonsens?

  • @HaafJohannes
    "Ich kann mir nicht vorstellen, dass..."

    Hier noch einmal eine Unterstuetzung ihrer These:

    http://www.youtube.com/watch?v=Du7moCxj-Do&feature=player_embedded

  • @Delinix
    Ich sehe keinen Fehler darin, die Kirche an ihren eigenen Wertvorstellungen zu messen. Und da paßt ein Draghi nun mal überhaupt nicht hin.
    Die Kirchengeschichte über die Jahrtausende werden wir hier nicht aufrollen können, ich nehme sie jedenfalls heutzutage hauptsächlich als Trägerin sozialer Einrichtungen war.
    So ist meine Enttäuschung über diesen unpassenden, absolut würdelosen Gast entstanden.

  • "Gäbe es kein Kapital , gäbe es auch keine Schulden ...ohne den Kapitalisten Engels hätte es Marx nicht gegeben ! An allem sind die Kapitalisten schuld !!!"

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