Medienbericht EZB feilt an Sanierungsplan für Europas Banken

Die "Zeit" nennt Details zur Europäischen Bankenunion. Ab Herbst solle die EZB die Bilanzen der wichtigsten Banken durchleuchten. Eine Rekapitalisierung angeschlagener Institute könnte Anfang 2014 erfolgen.
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EZB-Chef Mario Draghi Quelle: dpa

EZB-Chef Mario Draghi

(Foto: dpa)

Nach einem Bericht der Wochenzeitung "Die Zeit" ist Europäische Zentralbank (EZB) bei der Umsetzung der Pläne für eine Europäische Bankenunion schon weiter als angenommen. Dabei geht es um einen Sanierungsplan für die Banken im Euroraum. Deren Bilanzprobleme werden derzeit als Hauptursache für die schwache Kreditvergabe in den Krisenländern gesehen.

„Viele Vorschläge der EZB wie etwa Zinssenkungen, negative Einlagezinsen oder eine Verbriefung von Mittelstandskrediten dienen dazu, Zeit zu gewinnen, sagt EZB-Experte Michael Schubert von der Commerzbank. Die Pläne zur Sanierung der Banken setzten hingegen bei der Ursache der Krise an.

Die "Zeit" nennt dazu ausführliche Details. Mit der Umsetzung des Vorhabens soll der Leiter der Abteilung Finanzstabilität in der EZB, Ignazio Angeloni, beauftragt worden sein. Ab Herbst sollten die Währungshüter zusammen mit den nationalen Aufsichtsbehörden die Bilanzen wichtiger Finanzinstitute in der Euro-Zone durchleuchten. Es gehe um rund 140 Banken, die etwa 80 Prozent des Markts abdeckten. In der EZB würden bereits Teams gebildet, die zur Not ausrücken und die Bücher direkt in den Banken prüfen könnten. Außerdem wolle die EZB auch auf unabhängige Berater – Wirtschaftsprüfer oder Investmentgesellschaften – zurückgreifen. Mit Ergebnissen werde bis Anfang 2014 gerechnet.  

Wenn die Stresstests vorliegen, soll untersucht werden, wie gut die Banken einen erneuten Einbruch der Konjunktur verkraften. Banken, die Kapitallücken nicht selbst füllen könnten, sollten von den Mitgliedsstaaten rekapitalisiert werden. Notfalls könnten sie dabei auf Kredite des Rettungsschirms ESM zurückgreifen.  

Um die Steuerzahler zu schonen, sollten erstmals auch Aktionäre, Gläubiger und Kunden der betroffenen Banken in größerem Umfang herangezogen werden. Ob der ambitionierte Zeitplan eingehalten werden könne, sei aber nicht klar. Die "Zeit" berichtet, dass es in einigen Ländern Widerstand gegen das Vorhaben gebe. „Vor allem Frankreich und Italien wehren sich dagegen, externen Prüfern Einblick in die Bankbilanzen zu gewähren, “ schreibt die Wochenzeitung.

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30 Kommentare zu "Medienbericht: EZB feilt an Sanierungsplan für Europas Banken"

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  • Stimmt es, dass die Spareinlagen, die Altersversorgung der Deutschen herangezogen werden sollen?

  • Bankenregulierung
    "Basel III ist sehr leicht zu manipulieren"
    Die unter dem Stichwort "Basel III" vereinbarten Regeln zur Eigenkapitalausstattung seien leicht zu manipulieren, warnt Ökonom Martin Hellwig. Politiker und Aufsichtsbehörden hätten sich bei der Erstellung des Regelwerks zu sehr von der Finanzlobby beeinflussen lassen.
    http://www.manager-magazin.de/politik/artikel/a-895186.html

    Soll doch keiner glauben,daß unsere dilletantischen Politiker die Banken , die Mächtigen "kontrollieren" könnten. Ausgerechnet die EUROkraten - der Witz ist echt gut

  • Vielen Dank für den wertvollen Hinweis, "HBV"!

  • nööö, den Schäuble haben die auf der Rechnung.
    Der macht jetzt bis zum 22.9. noch ein bisschen Zicken und dann rückt er die Kohle raus respektive schröpft die Sparer und Steuerzahler in D, dann alternativlos, wenn er noch dran ist !

  • Frankreich und Italien wollen sich nicht in die Bank-Bücher sehen lassen?
    Und wo ist das Problem?

    - Italien übernimmt Tricki-Draghi selbst - da geht dann alles glatt
    - Frankreich lässt sich doch prinzipiell nichts vorschreiben wie der Herr Hollande gerade erst mitgeteilt hat, und das MUSS man einfach akzeptieren.

    Aber das Ergebnis ist sowieso egal - unsere CDU-CSU-FDP-SPD-Grünen Volks(ver)treter zahlen in jedem Fall gerne.

    Wie hat der Ober-SPDler Steinbrück jetz gesagt: "Nur wenn es unserern Nachbarn gut geht geht es uns auch gut" - aber gemeint hat er natürlich "Hauptsache unseren Nachbarn geht es gut".

  • O-Ton ClubMed
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    „Vor allem Frankreich und Italien wehren sich dagegen, externen Prüfern Einblick in die Bankbilanzen zu gewähren, “ schreibt die Wochenzeitung.
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    Sie wollen Bankenunion ohne Aufsichtsunion aber mit Einlagensicherungsunion.

    Dabei haben die sonnengebräunten Südbankster aber die Rechnung ohne den Wirt (Schäuble) gemacht.

  • Auf jeden Fall NACH den Bundestagswahlen in D-Land.

  • Marode Finanzkonzerne gelten als ein Auslöser der Euro-Krise. Eigentlich wollten die Staaten das Problem mit einer Bankenunion lösen. Doch ein wichtiger Teil des Plans wird nun wohl auf unbestimmte Zeit verschoben - auch weil Deutschland sich sperrt. Hier: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/hilfe-fuer-finanzkonzerne-deutschland-bremst-bankenunion-aus-a-903898.html
    Frankreichs Präsident Hollande und Kanzlerin Merkel haben erstmals gemeinsame EU-Initiativen vorbereitet. Sie fordern einen hauptamtlichen Eurogruppenchef, ein eigenes Euro-Budget und sogar eine gemeinsame Banken-Abwicklung. Ist dies der Auftakt zu “Merkollande” – oder nur ein Wahlkampfmanöver?… Mehr hier:http://lostineu.eu/category/berlin-paris/
    Bankenrettung in Frankreich: Merkel will deutsche Steuergelder heranziehen
    http://www.deutsch-tuerkische-nachrichten.de/2013/06/477288/bankenrettung-in-frankreich-merkel-will-deutsche-steuergelder-heranziehen/

    Was diese Frau Merkel und der Herr Schäuble Geld zum fenster herauswerfen ist unglaublich. Liegt wahrscheinlich auch daran, daß die beiden nie wirklich für ihr Geld arbeiten mussten.
    Ich wähle garantier diesesmal die LINKE. Immer weit weg von den etablierten und deren Abkömmlingen a la AfD.

  • Schonen wie in Zypern, wo z.Zt. u.a. deutsches Steuergeld verbrannt wird. Auf diese Art von "Rettung" kann ich verzichten.

  • Koennen Sie nicht lesen oder nicht verstehen? "Um die Steuerzahler zu schonen, sollten erstmals auch Aktionäre, Gläubiger und Kunden der betroffenen Banken in größerem Umfang herangezogen werden."

    Auch ein bisschen "braun" ("Dann sind die "Südstaaten" immer noch überschuldet, nicht wettbewerbsfähig, ohne jede Perspektive in der Währungsfalle Euro und hängen ewig am Tropf von EZB und Nordstaaten. Die Herren sind allesamt entweder korrupt bis zum gehtnichtmehr oder einfach dumm wie Schiffersc.." So so, unsere Nachbarn im Sueden sind nach ihrer unbescheidenen Meinung also alle korrupt und/oder dumm (auch faul, oder?). Bisschen braun ist wohl untertrieben, Pfui Teufel... Offensichtlich ein typischer AfD-Anhaenger...

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