Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Minibots Roms Parallelgeld-Pläne verunsichern Investoren

Die künftigen italienischen Regierungsparteien wollen die Ausgabe sehr kurzfristiger Staatspapiere prüfen lassen. Den Märkten bereitet das Sorgen.
Kommentieren
Die Pläne Italiens sorgen für Unruhe in Europa. Quelle: dpa
Italienischer Senat

Die Pläne Italiens sorgen für Unruhe in Europa.

(Foto: dpa)

FrankfurtSie heißen Minibots. Das klingt ziemlich cool, hat aber nichts mit Chatbots oder künstlicher Intelligenz zu tun. Bot steht vielmehr für „Buoni Ordinari del Tesoro“, was der Name für eine bestimmte Sorte kurzfristiger italienischer Staatspapiere ist. Geht es nach dem Plan der Koalitionäre in Rom, kommt jetzt eine neue Version der Bots heraus, sogenannte Minibots.

Diese haben jedoch mehr Ähnlichkeit mit einer Parallelwährung zum Euro als mit klassischen Staatsanleihen – und führen deswegen seit Anfang der Woche zu Turbulenzen am Kapitalmarkt. Die DZ-Bank spricht von einer „Krise“ und erläutert: „Insbesondere die Diskussion um die Emission von Minibots hat hier für große Verunsicherung gesorgt.“

Kurz gesagt handelt es sich bei den Minibots, die bisher nur als Idee existieren, um eine Art von Gutscheinen, mit denen die Regierung Verbindlichkeiten gegenüber Unternehmen und Steuerzahlern begleichen könnte. Umgekehrt würde sie diese Papiere auch von den Steuerzahlern akzeptieren.

Die Rechts- und Linkspopulisten Italiens, die zusammen eine Regierung bilden wollen, wollen die Machbarkeit dieser Minibots prüfen lassen. Weil die Rechten (Lega Nord) drastisch die Steuern senken und die Linken (Fünf-Sterne-Bewegung) zugleich eine teure finanzielle Grundversorgung für jedermann einführen möchten, ergibt sich eine beängstigende Melange. Beide Parteien eint ihre mehr oder minder offene Feindseligkeit gegenüber dem Euro.

Italien könnte EU-Haushalsdisziplin umgehen

Italien, so sieht das schlimmste Szenario aus, könnte versuchen, der finanziellen Disziplin zu entfliehen, zu der das Land durch den Euro und Europäische Union gezwungen wird. Die Folgen könnten verheerend sein. Zu ihnen zählen eine mögliche Zunahme der Verschuldung, eine verstärkte Flucht der Investoren, steigende Preise, wenn die Minibots inflationäre Effekte mit sich bringen, und als Folge eine weitere Erosion der italienischen Wettbewerbsfähigkeit.

Marc Chandler von der US-Bank Brown Brothers Harriman (BBH) schreibt: „Die Sorge ist, dass diese Staatspapiere zu einer heimlichen Parallelwährung werden.“ Seiner Meinung nach würden sie mit etwas Abschlag vom Nennwert gehandelt, weil sie nicht dieselbe Akzeptanz wie richtige Euro fänden. Er macht noch auf einen weiteren Punkt aufmerksam: Weil sie technisch nicht als Währung gelten, würde für sie die in Italien gültige Obergrenze von 3 000 Euro für Bargeld-Zahlungen entfallen. Damit eigneten sie sich möglicherweise gut für Geldwäsche und als Schmiermittel für die Schattenwirtschaft.

Nach Ansicht des Experten bilden die hohen Zahlungsrückstände des Staates den Hintergrund für die neue Idee. Er nennt eine Größenordnung von zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts oder rund 40 Milliarden Euro. Die Rückstände könnten mit dem neuen Wertpapier quasi in Geld umgewandelt werden, das neben dem offiziellen Euro existiert. Seine Warnung: „Die Investoren kommen mit den typisch italienischen Risiken klar. Aber wenn dazu neue systemische Gefahren entstehen, dürfte das den Euro belasten und dem Schweizer Franken sowie skandinavischen Währungen Auftrieb verschaffen.“

Im Detail sollen die neuen Papiere, wenn sie denn tatsächlich kommen, weder Zinsen versprechen noch ein Ablaufdatum besitzen – ganz ähnlich wie klassische Geldscheine. Die Papiere würden vom Staat garantiert, wären aber kein gesetzliches Zahlungsmittel. Niemand wäre also gezwungen, sie im Geschäftsverkehr zu akzeptieren. Dennoch könnten sie genutzt werden, um zum Beispiel Zugtickets oder staatliche Unternehmen zu bezahlen.

Angedacht ist die Ausgabe eines Volumens von 70 bis 100 Milliarden Euro. Argentinien hat ein ähnliches Konzept zeitweise umgesetzt, Griechenland hat 2015 mit dem Gedanken gespielt. Nach Meinung der Lega Nord sollten die neuen Papiere ohne Abschlag gehandelt werden, schreibt die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Unnötig Vertrauen zerstört

Laut Chandler von BBH könnten die fiskalischen Pläne in Rom dazu führen, dass sich das Staatsdefizit von den zuvor geplanten 1,8 Prozent Neuverschuldung auf drei Prozent erhöht. Selbst das wäre immer noch ein moderater Wert. Er betont: „Italiens Schuldenproblem ist nicht das Resultat jüngerer Defizite.“

Sogar 2009, mitten in der Finanzkrise, wirtschaftete Italien mit einem Minus von 5,3 Prozent vergleichsweise ordentlich. Mit Ausnahme von 2014, als das Defizit bei drei Prozent lag, blieb es seit 2011 immer unterhalb der im Euro-Raum geltenden Dreiprozentschwelle.

Das Land hat zwar hohe Schulden, ist zugleich aber zu einer erstaunlichen finanziellen Disziplin fähig. Das könnte sich nun ändern.

Die Ideen der politisch konträren Koalitionäre, zu denen drastische Steuersenkungen, aber auch ein Grundeinkommen für jedermann gehören, und die jetzt mit einer Art Parallelwährung finanziert werden sollen, könnten das verbliebene Vertrauen der Finanzmärkte zerstören.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Minibots - Roms Parallelgeld-Pläne verunsichern Investoren

0 Kommentare zu "Minibots: Roms Parallelgeld-Pläne verunsichern Investoren"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.