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500-Euro-Schein

Europa schafft die großen Banknoten ab.

(Foto: Markus Hanke / VISUM / buchcover)

Monatsbericht Bundesbank sieht keinen Nachweis dafür, dass Bargeld schadet

Die Notenbank hat versucht zu errechnen, ob Bargeld Steuerhinterziehung und harte Kriminalität begünstigt. Das Ergebnis ist nicht eindeutig.
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Frankfurt Die Bundesbank hat gerechnet, und zwar auf alle erdenklichen Arten. Das Ergebnis: Es ist kaum nachzuweisen, dass Bargeld in hohem Umfang in der so genannten Schattenwirtschaft gebraucht wird. Zu diesem Ergebnis kommt die Notenbank in ihrem Monatsbericht.

Zwar liefern die Kalkulationen einige Indizien, aber sie zeigen keine klaren Zusammenhänge auf. Zusätzlich liefert die Bundesbank den Hinweis: „In der Schattenwirtschaft wird jedoch ebenso wie bei der Verbrechensfinanzierung nicht nur auf Bargeld zurückgegriffen. Im Zuge der allgemeinen Digitalisierung gewinnen vielmehr alternative Zahlungsmittel, insbesondere im Zusammenhang mit der Abwicklung über das Internet beziehungsweise Darknet, zunehmend an Bedeutung.“

Die Botschaft lautet also: Wer Kriminalität mit Bargeldentzug bekämpft, läuft der Zeit hinterher. Auch Obergrenzen für den Einsatz von Bargeld haben aus Sicht der Frankfurter Währungshüter keinen nachweisbaren Effekt auf kriminelle Aktivitäten.

Die Diskussion tobt schon lange. Immer wieder wird Bargeld für das Wirtschaften abseits von Steuerpflicht und für harte Kriminalität mitverantwortlich gemacht. Aus diesem Grund hat Europa beschlossen, die Produktion des 500-Euro-Scheins bis auf Weiteres zu stoppen. Die Befürworter des Verzichts versprechen sich davon, dass Terrorfinanzierung und Schwarzarbeit zurückgedrängt werden.

Auf der anderen Seite ist in Deutschland die Liebe zum Bargeld ungebrochen. Außerdem gibt es immer wieder theoretische Überlegungen, zuletzt in einem Arbeitspapier aus dem Internationalen Währungsfonds, wie die Abschaffung oder Zurückdrängung von Bargeld den Notenbanken einen besseren Einsatz von Minuszinsen ermöglichen würde.

Bargeld gilt daher seinen Anhängern als eine Art Versicherung dagegen, mit Minuszinsen geschröpft zu werden. Die Bundesbank hat sich in der Regel recht deutlich auf der Seite der Bargeld-Anhänger positioniert.

Die Berechnung der Experten zeigen vor allem eines: Das Gebiet ist kaum zu durchschauen. Die Bundesbank listet zum Beispiel verschiedene Studien auf, die das Ausmaß der Schattenwirtschaft zu erfassen suchen. Die Schätzungen reichen von 2,4 bis 16,6 Prozent des Bruttoinlandprodukts.

Wer sich auf Umfragen stützt, kommt meist zu niedrigen Ergebnisse, weil keiner gerne zugibt, im Schatten zu mauscheln. Schätzungen, die auf makroökonomischen Daten beruhen, liefern dagegen möglicherweise zu hohe Werte. Hinzu kommt: Rund zwei Drittel des Gelds, das die Bundesbank in Umlauf bringt, wird im Ausland genutzt – wie genau, darüber gibt es keine Daten. Etwa 20 Prozent werden im Inland gehortet, nur zehn Prozent tatsächlich fürs Bezahlen genutzt.

Die Experten der Bundesbank haben mehre Modelle für das Inland durchgerechnet und sich unter anderem mit dem Verhältnis von Bargeld zu Guthaben auf Girokonten und Bareinzahlungen bei ihren eigenen Filialen beschäftigt. Außerdem haben sie mehrere Indikatoren berücksichtigt, die möglicherweise Hinweise auf illegale Aktivitäten geben.

Dabei kam heraus, dass es einen gewissen statistischen Zusammenhang gibt zwischen der Bargeldnutzung und der Quote der Selbstständigen sowie der bekannten Rauschgiftkriminalität und der Quote von Steuern und Abgaben.

Die Bundesbank warnt aber: „Allgemein beziehen sich die Untersuchungen der Schattenwirtschaft auf eine unbeobachtbare Größe, sodass die Ergebnisse möglicherweise stark von den getroffenen Annahmen abhängen und nur vorsichtig interpretiert werden sollten.“

Zusätzlich heißt es, es fehle „der empirische Nachweis“, dass durch Einschränkungen wie der Abschaffung großer Banknoten oder Obergrenzen für Barzahlungen „Steuerhinterziehung und andere Aktivitäten effektiv bekämpft werden können“.

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