Negativzinsen der EZB UBS-Chef warnt vor riskanter Kreditvergabe

Sergio Ermotti, Chef der Schweizer Großbank UBS, kritisiert die Zinspolitik der EZB. Er warnt: Negativzinsen auf Einlagen könnten Banken zu riskanten Kreditvergaben drängen – und so das Finanzsystem destabilisieren.
Einlagen seien faktisch eine Einladung zu Verlusten, beklagt Ermotti. Die Vergabe von Krediten sei deshalb für viele Banken ein verlockender Ausweg – auch bei hohem Risiko. Quelle: Reuters
Riskante Hypothekenkredite

Einlagen seien faktisch eine Einladung zu Verlusten, beklagt Ermotti. Die Vergabe von Krediten sei deshalb für viele Banken ein verlockender Ausweg – auch bei hohem Risiko.

(Foto: Reuters)

LondonUBS Group AG CEO Sergio Ermotti hat erklärt, negative Zinsen leisteten der Praxis riskanter Kreditvergabe bei einigen Banken Vorschub. Dies könne sich mit der Zeit zu einer Gefahr für das Finanzsystem insgesamt auswachsen.

„Einige Banken gewähren Kredite im Übermaß zu Konditionen, die nach meiner Einschätzung auch Potenzial für künftige Risiken im System bergen“, sagte Ermotti im Interview mit Francine Lacqua und Tom Keene auf Bloomberg TV am Mittwoch. „Es gibt Banken, die nicht länger wissen, was sie mit den Einlagen tun sollen. So versucht jeder, den anderen beim Preis zu schlagen. Mit der Zeit wird das ein strukturelles Defizit nach sich ziehen.“

„Die Sparer haben es selbst in der Hand“
„Die Sparer haben es mit ihren Anlage-Entscheidungen auch selbst in der Hand, wie hoch ihre Erträge ausfallen, auch in Zeiten niedriger Zinsen. Die Sparer müssen ihr Geld nicht nur auf dem Sparbuch anlegen, sondern haben auch andere Möglichkeiten.“
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Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank, lässt Kritik an sich abperlen. In einem Interview mit der „Bild”-Zeitung sagt er am 28. April 2016, der Wirkungsnachweis seiner Politik benötige Zeit und Geduld. Sparer legt der EZB-Präsident nahe, mehr Risiken am Kapitalmarkt einzugehen.

„Mittlerweile geht die expansive Geldpolitik in ein expansives Versagen über. Aus 'Quantitativer Lockerung' wird 'Quantitatives Scheitern'.“
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Nigel Wilson, Chef des britischen Versicherers Legal & General, im Handelsblatt-Interview am 28 April 2016.

„3 Prozent Zins bei 3 Prozent Inflation ist nicht dasselbe wie 0 Prozent Zins bei 0 Prozent Inflation.“
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Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) am 8. April 2016 auf einer Veranstaltung in Kronberg über die unterschiedliche Wahrnehmung einer realen Verzinsung in Höhe von null Prozent. Er sagte zudem laut „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, dass die Zeit der extrem lockeren Geldpolitik enden müsse.

„[Negative Zinsen] bestrafen die Sparer auf der Welt ganz erheblich.“
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Larry Fink, Chef des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock, am 10. April 2016 in seinem Brief an die Aktionäre.

„Wir wären besser dran, wenn wir das Geld unter eine Matratze stecken würden.“
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Das Problem: Er bräuchte nur eine vertrauenswürdige Person, die dann darauf schlafen würde. Der US-Investor Warren Buffett klagt im Programm des US-Wirtschaftssenders CNBC am 29. Februar 2016 über die notorische niedrigen Zinsen in Europa. Die Zinspolitik „verzerrt alles“.

„Das wird eine Reihe ungewollter Konsequenzen nach sich ziehen, die wir nicht verstehen.“
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Der CEO der Investmentbank JP Morgan, Jamie Dimon, kann sich negative Zinsen in den USA nicht vorstellen. Über den Minuszins in Europa sagt er dem US-Wirtschaftssender CNBC am 3. März: „In fünfzig Jahren werden darüber Bücher geschrieben, was wir hätten tun sollen, was wir getan haben, hätten tun können – und was wir daraus lernen können.“

„Die aktuellen Bedingungen könnten das Potenzial für künftige Systemrisiken schaffen.“
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Der Vorstandsvorsitzende der schweizerischen UBS, Sergio Ermotti, mahnt am 2. März 2016 in einem Interview mit Bloomberg vor den niedrigen Zinsen. „Manche Banken übernehmen sich bei der Kreditvergabe“, gibt er zu Bedenken.

Ermotti sagte, Risiken könnten bei der Hypothekenvergabe und bei anderen Immobilienkrediten entstehen, wo Banken Kredite ausweiten, um die Erträge zu steigern. Kreditinstitute hätten auch damit begonnen, Gebühren für Dienstleistungen zu erheben, die in der Vergangenheit durch Einlagen subventioniert gewesen seien, sagte Ermotti. Er nannte Einlagen eine „faktische Einladung für Verluste“.

Bei einer Veranstaltung in Frankfurt sagte EZB- Direktoriumsmitglied Benoit Coeure am Mittwoch, die Europäische Zentralbank verfolge die Auswirkungen negativer Zinsen auf die Banken aufmerksam.

  • Bloomberg
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