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Notenbank Andrew Bailey wird neuer Gouverneur der Bank of England

Die britische Regierung geht auf Nummer sicher: Andrew Bailey wird neuer Notenbank-Chef. Ein Grund dafür soll der Brexit gewesen sein.
19.12.2019 Update: 20.12.2019 - 10:09 Uhr Kommentieren
Bailey ist bislang Chef der britischen Finanzaufsicht FCA. Quelle: Reuters
Andrew Bailey

Bailey ist bislang Chef der britischen Finanzaufsicht FCA.

(Foto: Reuters)

London Premierminister Boris Johnson will nicht nur das Brexit-Gesetz vor Weihnachten auf den Weg bringen. Auch die Neubesetzung an der Spitze der Bank of England hat er noch vor der Pause erledigt. Der neue Notenbankchef heiße Andrew Bailey, teilte die Regierung am Freitagmorgen mit. Bailey war bisher Chef der britischen Finanzaufsicht. Zuvor hatte bereits die „Financial Times“ über die Personalie berichtet.

Bailey folgt auf Mark Carney, dessen Vertrag Ende Januar ausläuft. Der Kanadier hatte seinen Vertrag wegen der Brexit-Unsicherheit zweimal verlängert. Nun, da der ungeordnete Brexit erst einmal abgewendet scheint, ist der lang erwartete Zeitpunkt für die Übergabe gekommen.

Anders als Carney, der 2012 überraschend aus dem Ausland geholt wurde, ist Bailey so etwas wie der natürliche Nachfolger. Er hatte seine gesamte Karriere bei der Bank of England verbracht. Zuletzt war er Chef der Bankenaufsicht PRA innerhalb der Notenbank und einer von Carneys Stellvertretern, bevor er 2016 an die Spitze der britischen Finanzaufsicht FCA wechselte.

Seit seinem Weggang war damit gerechnet worden, dass Bailey einmal als Gouverneur zurückkehren könnte. Doch die Nachfolgersuche war lang und verschlungen. Baileys Chancen schienen zu sinken, nachdem die FCA dieses Jahr bei mehreren Finanzskandalen keinen guten Eindruck machte. Bailey musste öffentlich Fehler einräumen, es gab Rücktrittsforderungen.

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    Zuletzt war Minouche Shafik als Favoritin gehandelt worden. Noch Anfang der Woche hatten mehrere Medien die Ökonomin der London School of Economics vorne gesehen. Mit der Ernennung der ersten Frau zur Notenbankchefin hätte die Regierung nicht zuletzt die Kritik kontern können, dass die Gremien der Zentralbank zu männerlastig seien. Doch sei Shafik in den vergangenen Tagen mitgeteilt worden, dass sie nicht mehr in der Auswahl sei, berichtete die „FT“.

    Bailey ist diplomatisch

    Ein Grund soll ihre Haltung zum Brexit gewesen sein. Shafik ist wie Carney eine entschiedene Gegnerin des EU-Austritts. Der Kanadier hatte die konservative Regierung immer wieder verärgert, indem er vor den ökonomischen Folgen des Brexits warnte. Offenbar wollte Johnson diese Erfahrung nicht noch einmal machen.

    Bailey ist diplomatischer. Als Chef der Finanzaufsicht war er stets peinlich darauf bedacht, neutral zu bleiben und sich auf die operativen Herausforderungen des Brexits zu konzentrieren. In Grundsatzreden hatte er mehrfach gesagt, die Regulierung des Finanzsektors werde nach dem Brexit flexibler: Sie werde weniger regelbasiert und stärker ergebnisorientiert sein. Sowohl die Bank of England als auch die FCA haben jedoch stets betont, dass man weiterhin auf starke Regulierung setze.

    In ersten Reaktionen wurde Bailey als gute Wahl begrüßt. Er sei „eine sichere Wahl“, sagte Simon French, Chefvolkswirt beim Brokerhaus Panmure Gordon, der BBC. Er sei der „fähigste Beamte“, mit dem er bei der Notenbank zusammengearbeitet hatte, twitterte der ehemalige Finanzstaatssekretär Nick Macpherson. Bailey habe in der Finanzkrise bewiesen, dass er auch unter Druck ruhig bleibe. Er werde keine unnötigen Wellen schlagen.

    Der promovierte Wirtschaftshistoriker ist mit der Politikprofessorin Cheryl Schonhardt-Bailey verheiratet, die an der London School of Economics lehrt. Sie haben zwei erwachsene Kinder.

    Der neue Gouverneur tritt seine Aufgabe in unruhigen wirtschaftlichen Zeiten an. Zwar haben sich die Banken seit der Finanzkrise besser auf alle denkbaren Schocks gewappnet und ihre Kapitaldecke verstärkt. Doch wie alle Zentralbanker wird auch Bailey vor dem Problem stehen, dass die Geldpolitik angesichts der dauerhaften Niedrigzinsen an ihre Grenze gelangt zu sein scheint.

    Zudem verharrt die Bank of England seit Jahren in einer Art Brexit-Starre. Ein chaotischer Brexit mag zunächst abgewendet sein, doch die Unsicherheit über die künftige Beziehung zur EU und damit die Belastung der britischen Wirtschaft bleiben bestehen.

    Eine wichtige Eigenschaft für den Job bringt Bailey jedenfalls mit: Als Chef der FCA ist er scharfe Kritik gewohnt. Einmal wurde er im Finanzausschuss des Unterhauses bissig gefragt, ob er zu nett zu Bankern sei. Bailey entgegnete: „Ich stehe morgens nicht auf, um geliebt zu werden.“

    Mehr: Ein Dienstleister der Bank of England hat den Audiofeed von Pressekonferenzen heimlich an Hedgefonds verkauft. Hochfrequenzhändler bekamen so einen Zeitvorteil vor dem Markt.

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