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Notenbank verringert Risikovorsorge Bundesbank weist höheren Gewinn aus – Konjunkturrisken durch das Coronavirus

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann warnt vor den Folgen für die deutsche Wirtschaft. Eine weitere Lockerung der Geldpolitik hält er derzeit für unnötig.
28.02.2020 Update: 28.02.2020 - 17:14 Uhr Kommentieren
Der Präsident der Bundesbank sieht in der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus kurzfristig ein zusätzliches Risiko für die deutsche Wirtschaft. Quelle: dpa
Jens Weidmann

Der Präsident der Bundesbank sieht in der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus kurzfristig ein zusätzliches Risiko für die deutsche Wirtschaft.

(Foto: dpa)

Frankfurt Wenn die Bundesbank eine normale Bank wäre, würde sie mit ihrem Gewinn sämtliche anderen Institute in den Schatten stellen. Für 2019 hat sie einen Bilanzgewinn von 5,9 Milliarden Euro ausgewiesen – so viel, wie keine Bank in Deutschland. Als Notenbank ist sie damit jedoch nicht vergleichbar.

2018 hatte ihr Gewinn noch bei 2,4 Milliarden Euro gelegen. Die Steigerung verdankt die Bundesbank vor allem geringeren Wagnisrückstellungen, die sie wegen geringerer Zinsänderungsrisiken um 1,5 Milliarden auf 16,4 Milliarden Euro reduzierte. Maßgeblich waren zudem weiter hohe Zinserträge, die bei 4,6 Milliarden Euro lagen.

Überlagerndes Thema bei der Präsentation der Bilanz der Bundesbank am Freitag waren jedoch die wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus für die Wirtschaft in Deutschland und im Euro-Raum.

Das Thema hat aktuell die Finanzmärkte fest im Griff und zu einem deutlichen Kurseinbruch weltweit gesorgt. Deutsche Bank-Chefvolkswirt David Folkerts-Landau warnt schon vor einer globalen Rezession. Auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann räumte am Freitag bei der Präsentation der Zahlen ein, dass die Verbreitung des Coronavirus ein „zusätzliches Risiko“ für die deutsche Wirtschaft bedeutet. Nach derzeitiger Lage gehe er davon aus, dass sich dieses „zum Teil auch materialisieren dürfte“.

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    Wie groß dieser Effekt sein könnte, lasse sich derzeit aber kaum seriös abschätzen. „Insgesamt könnte das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr in Deutschland etwas geringer ausfallen, als unsere Experten im Dezember vorausgeschätzt haben“, sagte Weidmann. Die Bundesbank war zuletzt von einem Wachstum von kalenderbereinigt 0,6 Prozent ausgegangen.

    Weidmann zufolge dürfte die Epidemie die Wirtschaftsleistung in China im ersten Quartal drücken und sich damit auch spürbar im globalen Wachstum niederschlagen. China mache inzwischen fast ein Fünftel der Weltwirtschaft aus. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ist einer der wichtigsten Märkte für Deutschland. Zudem hat sich das Virus auch stärker in Südkorea und Italien verbreitet.

    Zurückhaltung beim Coronavirus

    Akuten Handlungsbedarf für die EZB infolge des Coronavirus sieht Weidmann derzeit jedoch nicht. „Aus meiner Sicht erfordert die Situation kein akutes geldpolitisches Handeln, aber eine erhöhte Aufmerksamkeit.“ Eine abschließende Antwort zu geben, sei aber zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht möglich.

    Ähnlich zurückhaltend hatte sich jüngst auch EZB-Chefin Christine Lagarde geäußert. Die Notenbank beobachte die Coronavirus-Krise sehr genau, sagte sie der britischen „Financial Times“. Die Krise sei aber noch nicht so weit fortgeschritten, dass sie einen nachhaltigen Einfluss auf Angebot und Nachfrage sowie die Inflation habe.

    Weidmann verwies darauf, dass es sehr stark darauf ankommt, welche Effekte bei der Krise wirken. Zum einen gebe es angebotsseitige Effekte, wie zum Beispiel Produktionsausfälle bei Vorleistungsgütern oder die Unterbrechung internationaler Lieferketten. Dies kann dazu führen, dass weniger Güter produziert werden und dadurch die Preise möglicherweise sogar steigen. Daher müsse man hier vorsichtig sein mit der Reaktion der Geldpolitik.

    Andererseits gibt es aber auch Effekte auf die Nachfrage, weil zum Beispiel Konsumenten vorsichtiger werden und weniger Geld ausgeben. Grundsätzlich dämpft eine geringere Nachfrage die Preisentwicklung. Auch dort kann die Geldpolitik aus Sicht von Weidmann aber nicht immer etwas bewirken. „Ob sie jetzt öfters in ein Restaurant gehen in so einem Fall, bloß weil die Zinsen ein bisschen niedriger sind, würde ich bezweifeln“, sagte er.

    Anders als die Geldpolitik sieht Weidmann eher die Finanzpolitik gefordert, falls die Folgen der Krise für die Wirtschaft drastischer werden. „Der Staat ist aus meiner Sicht dann schon eher gefordert“, sagte er.

    Weidmann hob zum einen die sogenannten automatischen Stabilisatoren hervor, also Ausgaben, die mit dem Konjunkturverlauf variieren. Ein Beispiel ist die Arbeitslosenversicherung. Läuft die Konjunktur gut, sinken die Ausgaben für diesen Posten und die Einnahmen steigen. Läuft sie schlecht, ist es umgekehrt – und die höheren Ausgaben stabilisieren damit auch die Wirtschaft.

    Verweis auf fiskalischen Spielraum

    Zudem verwies Weidmann auf Instrumente, die auch in der Vergangenheit bei vorübergehenden Nachfrageausfällen angewandt wurden. Als Beispiel nannte er das Kurzarbeitergeld. Zudem habe der Staat in Deutschland fiskalische Spielräume, die er für höhere Investitionen nutzen solle.

    Neben der Konjunktur äußerte sich Weidmann auch zur Überprüfung der geldpolitischen Strategie der EZB. Die Notenbank hatte jüngst den Prozess gestartet. Sie will dabei ihre Formulierung von Preisstabilität sowie ihr geldpolitisches Instrumentarium und ihre Kommunikation prüfen.

    Teil der Debatte ist eine Veranstaltungsreihe unter dem Motto „Das Eurosystem hört zu“, bei der regionale Organisationen, Verbraucherverbände und Sozialpartner zur Geldpolitik zu Wort kommen sollen. Die Auftaktveranstaltung dafür findet am 26. März in Brüssel statt. Weitere Konferenzen folgen, ausgerichtet von den nationalen Notenbanken der 19 Euro-Länder.

    Die Bundesbank plant dazu am 4. Mai eine erste Veranstaltung, wie Weidmann sagte. Weitere Veranstaltungen seien geplant, darunter im Spätsommer ein Dialog mit den Bürgern. Außerdem will Weidmann über Besuche in Bundestagsausschüssen auch den Dialog mit deutschen Parlamentariern verstärken.

    Mehr: Conoravirus - die aktuelle Lage im Newsblog.

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