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Notenbanker-Treffen Fed-Chef Powell lässt sich alle Optionen offen – Trump sieht ihn als Feind

Der Fed-Chef sorgt sich um das globale Wachstum und versichert einzugreifen, wenn nötig. US-Präsident Trump attackiert Powell nach dessen Rede.
Update: 23.08.2019 - 17:44 Uhr Kommentieren
Der Fed-Chef steht seit Monaten im Kreuzfeuer des US-Präsidenten Donald Trump. Quelle: AP
Jerome Powell

Der Fed-Chef steht seit Monaten im Kreuzfeuer des US-Präsidenten Donald Trump.

(Foto: AP)

Jackson Hole, New York, Düsseldorf US-Notenbankchef Jerome Powell will sich derzeit nicht festlegen. Bei seiner mit Spannung erwarteten Rede auf dem Notenbanker-Gipfel in Jackson Hole versicherte der Chef der Federal Reserve (Fed), er sei bereit, „angemessen zu reagieren, um die US-Wirtschaft zu stützen“. Ob dazu weitere Zinssenkungen nötig seien, ließ er jedoch offen.

Die US-Wirtschaft sei zwar weiterhin stark, betonte Powell am Freitag. „Allerdings sehen wir zusätzliche Anzeichen dafür, dass sich die globale Wirtschaft abkühlt, vor allem in Deutschland und in China“, stellte Powell klar.

Zusätzlich würden geopolitische Spannungen, wie die Prostete in Hongkong und die Diskussionen um einen harten Brexit auf die Stimmung in der Wirtschaft drücken. Aus seiner Rede ließen sich insgesamt wenige Hinweise entnehmen, ob die Währungshüter auf ihrer nächsten Zinssitzung im September ihre Zinsen erneut senken werden.

„Die Unsicherheit in der Handelspolitik scheint eine Rolle bei der globalen Verlangsamung und bei schwachen Produktions- und Investitionsausgaben in den Vereinigten Staaten zu spielen“, so Powell. Dass die Währungshüter in der kommenden Sitzung im September die Zinsen erneut senken werden, ließ sich aus seiner Rede nicht direkt ableiten. „Ich glaube, er weiß selbst noch nicht, das die nächste Zinsentscheidung sein wird. Er muss abwarten, wie sich die Lage entwickelt“, sagte Jason Furman, ehemaliger Wirtschaftsberater von US-Präsident Barack Obama, der heute an der Eliteuniversität Harvard lehrt.

Die Notenbank hatte Ende Juli erstmals seit der Finanzkrise vor mehr als zehn Jahren ihren Leitzins um einen Viertelpunkt auf jetzt 2,00 bis 2,25 Prozent gesenkt. Damit reagierte sie auf den Handelskonflikt mit China, der zusehends auf die Weltkonjunktur und die heimische Wirtschaft durchschlägt. Seitdem ist eine Debatte darüber entbrannt, ob die Zinsen weiter gesenkt werden sollen oder nicht.

Kurse der US-Staatsanleihen steigen

Marktteilnehmer rechnen fest mit einer weiteren Zinssenkung bei der kommenden Fed-Sitzung Mitte September. Anzeichen dafür lassen sich auch in Powells Rede finden. Seine Betonung der Risiken durch einen Handelskonflikt sorgte zusammen mit der Ankündigung Chinas, Vergeltungszölle auf US-Waren zu erheben, für steigende Kurse bei US-Staatsanleihen.

Besonders zehnjährige und 30-jährige US-Treasuries waren am Freitag gefragt. Im Gegenzug sanken die Renditen der Papiere deutlich. Die zehnjährige US-Anleihe fiel auf 1,52 Prozent. Papiere mit 30-jähriger Laufzeit handelten nur knapp über der Marke von Prozent und damit nahe an ihrem Allzeittief.

Powells Aussage, dass sich die Stimmung in der globalen Wirtschaft seit der letzten Zinssenkung verschlechtert habe, „deutet unserer Ansicht nach auf eine weitere Zinssenkung hin“, schrieb Ebrahim Rahbari, Währungsstratege bei der Citigroup, in einer aktuellen Analyse. Er erwartet, dass die Fed auch im Dezember die Zinsen um 0,25 Prozentpunkte senken wird.

Powell ist seit Monaten dem konstanten Druck von US-Präsident ausgesetzt, die Zinsen zu senken. Noch vor Powells Rede am Freitag meldete sich Trump wieder zu Wort. „Jetzt kann die Fed zeigen, was sie hat“, twitterte Trump, kurz nachdem die chinesische Regierung überraschend angekündet hatte, neue Strafzölle auf US-Produkte zu erlassen.

Wenig später legte mit er mit einer Kritik an den Fed-Chef nach: „Meine einzige Frage ist: Wer ist unser größerer Feind, Jay Powell oder der Vorsitzende Xi?“ Später erklärte er, Powell – sollte dieser es so forcieren – nicht von einem Rücktritt abhalten zu wollen. „Sollte er das tun, würde ich ihn nicht stoppen“, erklärte Trump.

Anfang der Woche hatte Trump eine Zinssenkung von einem Prozentpunkt gefordert. Zudem sollte die Fed wieder die Anleihekäufe aufnehmen, um die US-Wirtschaft zu stimulieren, forderte Trump. Kurz nach Powells Rede legte der US-Präsident dann erneut nach. Er orderte US-Unternehmen, genau zu prüfen, ob sie in China produzieren müssen. Trump wäre es lieber, sie würden die Produktion zurück in die USA verlagern, betonte er auf Twitter, worauf hin die Aktienmärkte deutlich nachgaben.

Es ist eine schwierige Gratwanderung für Powell. Die Notenbank ist gespalten über den weiteren geldpolitischen Kurs, wie sich in den vergangenen Tagen deutlich zeigte.

Esther George, die Chefin der regionalen Notenbank in Kansas City und Patrick Harker, Chef der Notenbank aus Philadelphia, hatten sich am Donnerstag beide gegen zusätzliche Zinssenkungen ausgesprochen. „Wenn sich der Ausblick auf die Wirtschaft nicht deutlich verschlechtert, dann bin ich noch nicht bereit zusätzlich die Wirtschaft zu stimulieren“, sagte George im Interview mit dem Finanzdienstleister Bloomberg.

Auch aus den Protokollen der jüngsten Fed-Sitzung, die am Mittwoch veröffentlicht wurden, ging hervor: Die US-Notenbanker sind sich schlicht nicht einig über den künftigen Kurs der Zinspolitik.

Die US-Zinskurve hatte daraufhin neue Rezessionssignale gesendet. Am Donnerstag kippte sie zum zweiten mal innerhalb von acht Tagen in den inversen Bereich: Die Rendite für zweijährige US-Staatsanleihen stieg über die Rendite von zehnjährigen US-Bonds – eigentlich verlangen Investoren einen Renditeaufschlag, wenn sie ihr Kapital langfristiger verleihen. Ist das Verhältnis umgekehrt, sprechen Fachleute von einer inversen Zinskurve, die als Frühindikator für eine nahende Rezession gilt.

Warnende Worte gab es im Vorfeld auch vom früheren US-Finanzminister Larry Summers. In einer Reihe von Tweets warnte er, die Notenbanker könnten möglicherweise nicht die nötigen Instrumente haben, um eine kommende Krise zu bekämpfen. Er forderte die Geldpolitiker auf, für die vielen neuen Probleme, mit denen sie zu kämpfen haben, frische Ansätze zu finden. Es bedürfe „einer Revolution bei der Fed“, so Summers.
Mit Agenturmaterial

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