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Notenbanksitzung Was sich Anleger von EZB-Chef Draghi erhoffen

Am Donnerstag tagt die Europäische Zentralbank. Es geht um die Wiederanlage fälliger Anleihen – und wohl den Zeitpunkt der ersten Zinserhöhung.
25.07.2018 - 20:22 Uhr Kommentieren
EZB-Bond-Recycling steht im Fokus der Anleger-Aufmerksamkeit Quelle: dpa
EZB in Frankfurt am Main

Die Zinsanhebung wird mindestens noch ein Jahr entfernt sein.

(Foto: dpa)

Frankfurt Auch wenn die Investoren so kurz vor der Sommerpause keine Überraschungen von der Europäischen Zentralbank, kurz EZB, erwarten – bei einem Punkt werden viele Rentenfondsmanager genau auf die Worte von Mario Draghi achten. Vom EZB-Chef erhoffen sie sich einen Hinweis, wie er im kommenden Jahr mit fällig werdenden Anleihen im Bestand der Notenbank umzugehen gedenkt. Außerdem werden sie auf jeden noch so kleinen Hinweis zu der Frage lauern, wann es die erste Zinserhöhung geben könnte.

So erwartet Franck Dixmier, der bei Allianz Global Investors den Bereich festverzinsliche Wertpapiere verantwortet: „Die Pressekonferenz der EZB dürfte sich vornehmlich mit der Weiterentwicklung der Forward Guidance und der Wiederanlagepolitik des Kapitals von fälligen Anleihen befassen.“ Mit „Forward Guidance“ sind Hinweise der EZB auf kommende Zinserhöhungen gemeint.

Dixmier schätzt, dass in den nächsten Jahren Anleihen im Wert von 150 Milliarden Euro fällig werden. „Bis heute gibt es keine Klarheit zur Investitionsstrategie“, sagt er. Johannes Müller vom Fondsverwalter DWS hält es aber für unwahrscheinlich, dass die EZB hier „ihre Hände ohne Not binden wird“.

Die EZB hat in den vergangenen Jahren massenhaft Anleihen aufgekauft, um deren Renditen zu drücken, damit die Wirtschaft anzuschieben und die Inflation auf den Zielwert von knapp zwei Prozent zu bringen. Auf diese Weise hat sie ihre Bilanzsumme auf mehr als 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der Euro-Zone aufgepumpt.

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    Ab Anfang 2019 will sie per saldo nicht mehr zukaufen, sondern nur noch auslaufende Papiere ersetzen. In rund einem Jahr könnte es dann zu einer ersten Zinserhöhung, weg von der aktuell gehaltenen Null-Linie, kommen. Erst deutlich danach dürfte die EZB damit beginnen, ihre Bilanzsumme abschmelzen zu lassen.

    Einige Investoren spekulieren, dass die EZB beim Ersatz auslaufender Papiere bevorzugt lang laufende Anleihen kaufen wird, um so deren Zinsen niedrig zu halten. Bisher gibt es dafür aber keine konkreten Anhaltspunkte.

    Experten erwarten Umschichtung der Billionen-Bestände

    Die Anleihe-Experten der LBBW vermuten, dass die EZB ein Teil der Mittel aus fälligen Staatsanleihen in Unternehmensanleihen umschichtet. „Wir gehen davon aus dass die EZB auch diesmal die Käufe bei den Corporate Bonds weniger stark zurückschraubt“, schreiben die Analysten in einer Studie.

    Damit könnte die EZB steigenden Zinsen bei Unternehmensanleihen entgegenwirken, so die LBBW-Experten weiter. Das Ankaufprogramm der Zentralbank hatte auch die Renditen für Unternehmen mit guter Bonität auf ein Minimum gedrückt. Steigen die Zinsen wieder, wird es für die Firmen teurer, sich zu refinanzieren.

    Investitionen könnten zurückgefahren und der Aufschwung in der Eurozone dadurch gefährdet werden, so die Befürchtung. Doch die LBBW-Experten sind sicher: „Die EZB bleibt ein wichtiger Käufer für Unternehmensanleihen und kann dadurch negative Auswirkungen abmildern.“

    Kapitalschlüssel bleibt entscheidend

    Einige Kritiker der Ankaufprogramme fürchten gar, dass die Zentralbank auslaufende Staatsanleihen von soliden Euro-Mitgliedern durch Papiere aus der Peripherie ersetzt und damit die Risikoprämien etwa für Italien, Griechenland oder Spanien niedrig hält.

    Das würde aber gegen alle Absprachen verstoßen. Die EZB orientiert sich bei ihren Käufen am sogenannten Kapitalschlüssel. Das bedeutet: Der Anteil der erworbenen Staatsanleihen am Gesamtvolumen entspricht dem Anteil der emittierenden Länder am Eigenkapital der EZB. Diese Proportion kann nicht immer punktgenau eingehalten werden, unter anderem, weil die Papiere nicht gleichmäßig auslaufen.

    In den vergangenen Monaten hatten vorübergehende Abweichungen von dem Schlüssel zu der Anschuldigung geführt, die EZB verfolge damit politische Ziele. Zuerst kam dieser Vorwurf aus Deutschland, dann aus Italien. Bei der letzten Sitzung hatte die EZB das Ende der Nettozukäufe überraschend deutlich angekündigt und sich über die erste Zinserhöhung eher nebulös geäußert. Es könnte gut sein, dass Draghi den Märkten vorerst keine weiteren Signale mehr geben will.

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