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Notleidende Kredite Der Abbau fauler Kredite ist ein europäisches Politikum

Die EZB will einen Schlussstrich unter die Finanzkrise und ihre Folgen ziehen. Doch die Pläne der Bankenaufseher stoßen auf sehr unterschiedliches Echo.
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Einheitliche Abwicklungsregelungen für faule Kredite sind bei den Banken umstritten. Quelle: picture alliance / Daniel Kalker
UniCredit-Zentrale

Einheitliche Abwicklungsregelungen für faule Kredite sind bei den Banken umstritten.

(Foto: picture alliance / Daniel Kalker)

FrankfurtZum Erbe der Finanzkrise 2008 zählt in Europa bis heute eine riesige Summe fauler Kredite. Der damalige Sturm an den Märkten, der in vielen europäischen Ländern erst zu einer Rezession und dann auch noch zu einer Staatsschuldenkrise führte, sorgte dafür, dass viele Unternehmen und Privatleute nicht mehr die fälligen Zins- und Tilgungszahlungen für ihre Darlehen aufbringen konnten.

Theoretisch können Banken sich solcher Problemkredite schnell entledigen, indem sie die Darlehen weiterverkaufen oder in ihren Büchern abschreiben. Doch dann hätten die Geldhäuser sofort die daraus resultierenden Verluste verbuchen müssen. Das haben sich viele Banken gar nicht leisten können, zu angeschlagen war die Branche.

Stattdessen haben viele Kreditinstitute die problematischen Engagements behalten. Sie hoffen, dass sich durch eine langsame Verwertung oder Zugeständnisse an die Schuldner die Probleme günstiger lösen lassen.

Das kostet zunächst einmal weniger Geld, hat aber auch Nachteile: Die Banken müssen mehr Ressourcen, sei es Personal oder Kapital, auf Altlasten verwenden, statt neues Geschäft zu machen. Investoren können abgeschreckt werden, weil sich nicht sagen lässt, wie hoch die Schlussabrechnung für die Problemportfolios nun wirklich ausfallen wird.

Kein Wunder, dass die Bankenaufseher der Europäischen Zentralbank (EZB) gerne einen Schlussstrich unter dieses Thema ziehen würden. Das hat mehrere Gründe. Zum sind nur gesunde Banken in der Lage, Volkswirtschaften ausreichend mit Krediten zu versorgen. Daneben dürfte noch ein europapolitisches Motiv eine Rolle spielen: Die EZB wünscht sich für die Euro-Zone neben der einheitlichen Bankenaufsicht auch harmonisierte Abwicklungsregeln und eine gemeinsame Einlagensicherung.

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Gegen die Einlagensicherung wehren sich vor allem die Deutschen – mit dem Argument, dass sie dann auch für die schwachen südeuropäischen Bankensysteme mithaften müssten. Die Haltung der deutschen Regierung ist: Erst müssen die Risiken im europäischen Bankensystem erheblich reduziert werden. Damit sind die faulen Kredite gemeint, aber auch die hohen Bestände von Anleihen hochverschuldeter Staaten in den Bilanzen einiger Banken.

Zumindest was die faulen Kredite anbelangt, kann die EZB auf einige Fortschritte verweisen: Seit sie dieses Problem vor einigen Jahren zu einer Priorität erklärt hat, ist der faule Kreditberg kleiner geworden. Gerade hat die Notenbank bekanntgegeben, dass der Anteil der leistungsgestörten Kredite in der Euro-Zone im dritten Quartal vergangenen Jahres bei 4,17 Prozent lag. Das ist der niedrigste Wert seit Beginn der Datenerhebung im zweiten Quartal 2015.

Auch in Krisenländern wie Italien, Irland oder Portugal, in denen die Wirtschaftsdellen besonders tief waren und der Anteil der faulen Kredite deshalb besonders hoch, hat sich viel getan. Die Problemquote in Italien etwa hat sich seit 2015 von gut 16 Prozent auf gut neun Prozent verringert.

Dennoch ist der Umgang mit notleidenden Bankkrediten ein Politikum. Vor allem Italien wehrt sich gegen strengere Vorgaben mit dem Argument, ein forcierter Abbau würde die heimischen Institute überfordern. Italienische Politiker hinterfragen regelmäßig, wie eigenmächtig die EZB bei ihren Vorschriften für Banken vorgehen darf.

Zumindest für künftige Problemkredite haben sich die EU-Staaten kurz vor Weihnachten aber auf neue Regeln geeinigt. Sie fielen allerdings weniger ehrgeizig aus, als die EZB ihrerseits vorgeschlagen hatte. Die EU-Verordnung sieht vor, dass Banken unbesicherte Kredite innerhalb von drei Jahren abschreiben müssen und besicherte Darlehen innerhalb von sieben bis neun Jahren. Rückwirkend gelten diese Vorgaben aber nicht. In diese Lücke prescht nun die EZB mit ihren Zielvorgaben für schon existierende faule Kredite.

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