Ökonomen zur Griechenland-Krise „Die Entscheidung der EZB war überfällig“

Die EZB friert die Hilfskredite für griechische Banken ein. Führende Ökonomen halten das für richtig. Doch es gibt auch Warnungen vor den dramatischen wirtschaftlichen Folgen für Griechenland – und die Euro-Zone.
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Demonstranten vor dem Neubau der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt. Quelle: dpa
Eröffnung EZB - Demonstrationen

Demonstranten vor dem Neubau der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt.

(Foto: dpa)

FrankfurtFührende deutsche Ökonomen begrüßen das Einfrieren der Hilfskredite für griechische Banken durch die Europäische Zentralbank (EZB). „Die Entscheidung der EZB war überfällig,“ sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Sie hätte schon länger auf das bestehende hohe Risiko reagieren müssen, dass der „griechische Staat zahlungsunfähig wird und die griechischen Banken mit in den Abgrund zieht.

Aus Sicht von Krämer reichen Kapitalverkehrskontrollen zunächst einmal aus, „um das Schlimmste zu verhindern.“ Es gebe noch Reserven. Die Kontrollen behinderten aber die Wirtschaft. Griechenland stehe deshalb wirtschaftlich vor einem verlorenen Jahr.

Auch der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, geht davon aus, dass Kapitalverkehrskontrollen einen massiven Vertrauensverlust verursachen. „Die griechische Wirtschaft würde in eine noch tiefere Rezession stürzen, weil die Bürger ihre Ausgaben drosseln und Unternehmen nicht mehr investieren. Er habe Kapitalverkehrskontrollen daher immer als allerletzte Option gesehen, sehe aber inzwischen keine Alternative mehr. Die Entscheidung der EZB kaufe der griechischen Regierung etwas Zeit, sagt Fratzscher.

Berenberg-Chefökonom Holger Schmieding fordert noch weitergehende Schritte der EZB. Sie solle ankündigen, dass sie nach dem Auslaufen des zweiten Rettungsprogramms am Mittwoch griechische Staatspapiere nur noch mit weit höheren Abschlägen als Sicherheiten akzeptiert. Außerdem solle die EZB die Solvenz der von ihr beaufsichtigten vier griechischen Großbanken prüfen.

Der Chef des gewerkschaftsnahmen IMK-Instituts, Gustav Horn, warnt vor den Auswirkungen der Griechenland-Krise auf die deutsche Wirtschaft. Sie könne den Aufschwung in diesem und im kommenden Jahr schwer schädigen, möglicherweise sogar vorzeitig abbrechen lassen. "Ein Grexit oder eine zähe Agonie durch Unsicherheit könnte das bislang positive Konjunkturbild dramatisch verändern", sagt Horn. Eine Ansteckung weiterer Länder und die Destabilisierung des gesamten Euroraums seien keineswegs unwahrscheinlich.

Nicolaus Heinen, Europa-Ökonom bei der Deutschen Bank, sieht die aktuelle Krise hingegen auch als Chance für die Weiterentwicklung der Euro-Zone. „Im besten Fall könnten die Entwicklungen dieser Tage nun dazu führen, dass Europa einen Insolvenzmechanismus für Staaten entwickelt – ganz so, wie die erste Griechenlandkrise vor fünf Jahren zu einem Rettungsmechanismus für Staaten führte.“ Spannend bleibe, ob und wie andere populistische Kräfte in Europa von den Entwicklungen profitieren.

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6 Kommentare zu "Ökonomen zur Griechenland-Krise: „Die Entscheidung der EZB war überfällig“"

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  • Begonnen ht diesen ganzen Rettungswahn die Merkel. Dafür hat sie lle europ. Verträge gebrochen
    Merke trägt die Hauptchuld
    Davon aber mal abgsehen, war der Euro von Beginn an eine Lüge

  • M.E. das Ergebnis aus Zuständigkeit und Verantwortungslosigkeit.

    Die Denkweise von Tsipras zu kritisieren ist vor diesem Hintergrund geradezu lächerlich.

    Ich bin mit Ihrer Analyse in völliger Übereinstimmung.

  • Das Ganze ist wohl das grösste und teuerste Kasperletheater, das wir uns je gegönnt haben. Wer den Kasperle gespielt, damit halte ich mich zurück, aber es hatte wohl wechselnde Rollen...... Hoffentlich haben wir bzw. unsere Politiker etwas daraus gelernt???? War da nicht eine Partei, ich erinnere mich nur noch schwach, die das von Anfang an gefordert hatte???

  • Die Notkredite hätten erst gar nicht gegeben werden dürfen, da sie eigentlich nur an solvente Banken gehen dürfen.

    Das ist wohl in Griechenland kaum gegeben.
    Aber der Drucker-Draghi (wer hat den eigentlich "gewählt"?) hat ja in diesem EU-Irrenhaus sowieso Narrenfreiheit.
    Bankrott ist Bankrott - kein weiteres Geld nach Griechenland (egal ob an den "Staat" oder die "Banken")
    Es tut mir leid für die Bevölkerung, die sicherlich mehrheitlich am meisten unter der Sache leiden wird.
    Aber das kann nicht so weitergehen.
    Sollen Sie endlich mal verantwortlich handelnde Personen an die Regierung bringen, die für eine gerechte Lastenverteilung sorgt (undganz wichtig: dann auch umsetzt) und nicht nur alles, wie gewohnt weiter laufen lässt.

  • Welche Griechische Wirtschaft - welche Folgen?
    Außer man betrachtet das Umverteilen von europäischen Steuergeldern und das abkassieren über ein staaltiches Verwaltungssystem als WIRTSCHAFTEN.

    Grün-Sozialitsche Umvertellungspolitik ist es, was den griechischen Bürgern das Geld bringt und den anderen europäischen Steuerzahlern/Arbeit die Belastung.
    In Deutschland geht man ja zu diesen Grün-Sozialistischen Umverteilungsstaat auch immer mehr über...dank einer werteverratenden CDU-Merkel!

  • >> „Die Entscheidung der EZB war überfällig,“ sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Sie hätte schon länger auf das bestehende hohe Risiko reagieren müssen, dass der „griechische Staat zahlungsunfähig wird und die griechischen Banken mit in den Abgrund zieht. >>

    Im Nachhinein sind die "FÜHRENDEN ÖKONOMEN" sogar schlau ! Und wissen auch plötzlich, was Sache ist....?

    Man soll sich aber den Satz dieses Ökonoms vor Augen halten und auf der Zunge zergehen lassen :

    >> dass der „griechische Staat zahlungsunfähig wird und die griechischen Banken mit in den Abgrund zieht >>

    Der stellt die Griechischen Banken vor den griechischen Staat : es besteht doch die Gefahr, dass der zahlungsunfähige Staat die "BANKEN" gefährdet.....?

    Geht's noch ? Die Bänkster flippen wohl vollends aus !

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