Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

One Dieses Start-up mischt den Markt für Digitalversicherer auf

Das Wefox-Start-up One hat nach weniger als zwei Jahren bereits 130.000 Verträge abgeschlossen – auch weil es sich an entscheidender Stelle von der Konkurrenz absetzt.
Kommentieren
Unter den Sachversicherern hat das Start-up One im Juli erstmals die meisten Hausratsversicherungen abgeschlossen. Quelle: Stone/Getty Images
Wasserschäden

Unter den Sachversicherern hat das Start-up One im Juli erstmals die meisten Hausratsversicherungen abgeschlossen.

(Foto: Stone/Getty Images)

Frankfurt Es war ein überraschender Stabswechsel, als im Mai dieses Jahres Oliver Lang den Chefsessel beim Digitalversicherer One vom Gründer Stephan Ommerborn übernahm. Im Mai erst war der Diplom-Mathematiker bei dem Start-up, das vor allem digitale Hausrat- und Haftpflichtversicherungen verkauft und zur Berliner Wefox-Gruppe zählt, ausgeschieden.

Doch gut zwei Monate später ist klar, dass der Führungswechsel das Unternehmen wirtschaftlich nicht aus der Spur gebracht hat. „One hat mittlerweile über 130.000 Policen verkauft“, sagte Vorstandschef Lang dem Handelsblatt. Ende 2018, dem ersten Geschäftsjahr nach dem Start Ende 2017, waren es noch 46.000 Verträge gewesen.

„Im Monat Juli haben wir als Sachversicherer sogar erstmals unter allen Versicherern die meisten Hausratversicherungen in Deutschland verkauft und bei der Privathaftpflicht Platz zwei erobert“, frohlockt der One-Chef. Für den in Liechtenstein beheimateten Sachversicherer ist dies ein wichtiger Achtungserfolg.

Das Wachstum bei One soll sich im Laufe des Jahres sogar noch weiter beschleunigen. Bis zum Jahresende peilt das Start-up eine weitere Verdoppelung der Vertragszahlen an. „Für das laufende Jahr wollen wir insgesamt die Zahl der verkauften Verträge auf 250.000 Policen erhöhen“, gibt der Firmenboss als Devise aus.

Der Sachversicherer ist damit nach eigenen Angaben derzeit der am schnellsten wachsende Versicherer in Deutschland. Zum Vergleich: Das Heidelberger Start-up Getsafe will bis zum Jahresende auf insgesamt 180.000 Policen kommen.

Die Frankfurter Deutsche Familienversicherung, die sich als einziges funktionierendes Insurtech in Deutschland begreift, peilt ein Neugeschäft von 100.000 Verträgen jährlich an.

„Wir gehören mit knapp 4000 Verträgen pro Mitarbeiter zu den effizientesten Versicherungen weltweit“, gibt sich Lang selbstbewusst. Doch es ist ein Titel, der hart umkämpft ist. Auch das Berliner Insurtech Coya will Europas führender digitaler Sachversicherer werden, Getsafe die „beliebteste Versicherungsmarke für junge Kunden“.

Es geht dabei um einen großen Markt. Allein in Deutschland laufen insgesamt 47 Millionen Policen für eine Haftpflichtversicherung. Doch neuerdings streiten die deutschen Gründer um diesen Markt nicht mehr allein mit den etablierten Versicherern. Im Juni dieses Jahres ist auch der US-Shootingstar der Versicherungsbranche, das milliardenschwere Startup Lemonade, auf dem deutschen Markt gestartet.

Offensiv zieht die US-Firma seitdem mit seinen Hausrat- und Haftpflichtpolicen in den Preiskampf um deutsche Mieter und Hausbesitzer: die Beitragsraten beginnen bei zwei Euro pro Monat und orientieren sich an den tatsächlich zu versichernden Werten. Dennoch gibt sich One – wie andere deutsche Konkurrenten auch – angesichts der Attacke betont gelassen.

Der Diplom-Mathematiker übernahm im Mai überraschend den CEO-Posten beim Start-up.
Oliver Lang

Der Diplom-Mathematiker übernahm im Mai überraschend den CEO-Posten beim Start-up.

„Das Geschäft mit digitalen Versicherungen in Deutschland funktioniert aus unserer Sicht nur, wenn auch etablierte Vertriebsmodelle einbezogen werden“, sagt Lang. „90 Prozent der Verträge werden über Makler und andere Berater abgeschlossen, nur zehn Prozent als Direktverkauf im Internet.“

Lemonade verzichtet dagegen ebenso wie Coya komplett auf Makler und Vermittler. So denkt das US-Start-up auch nicht daran, auf die Versicherungsportale zu gehen. „Unser Modell ist es, direkt in Kontakt mit den Kunden zu kommen“, betonte Lemonade-CEO Daniel Schreiber. „Wir arbeiten nicht mit Maklern und Vermittlern.“ Hierzulande spielen Versicherungsportale wie Check24 aber gerade für junge, unbekannte Newcomer eine wichtige und wachsende Rolle beim Policenvertrieb.

Doch das US-Start-up kommt mit vollen Taschen nach Europa. Erst im November haben die Amerikaner Investorengelder von rund 300 Millionen Dollar eingesammelt, die nun auch teilweise in die Expansionen fließen können. Insgesamt wird der Digitalversicherer von seinen Investoren mit rund zwei Milliarden Dollar bewertet.

One-Boss Lang ist indes zuversichtlich, dass er dem US-Star die Stirn bieten kann. „Mit unserem engen Draht zu den Maklern heben wir uns deutlich ab von anderen Start-ups, die nur auf das Direktgeschäft setzen“, betont der One-Chef. Eine Bindung, die das Start-up noch ausbauen will. So werde der Sachversicherer eine digitale Schnittstelle für Makler und andere Vertriebspartner noch weiter ausbauen. Technologisch und produktseitig werde sich das Unternehmen so noch stärker als bereits zuvor hin zu Maklern bewegen, kündigt er an.

Aggressives Verhalten der Newcomer

Zudem habe die Firma auch neue Produkt-Entwicklungen in der Vorbereitung. „Es gibt eine Riesen-Pipeline an Produktideen bei uns, die wir gerade dabei sind umzusetzen“, kündigt Lang an. Gesetzt sei bereits, dass One noch in 2020 auch biometrische Lebensversicherungen und Krankenzusatzversicherungen anbieten wolle.

Bereits seit Ende Mai können Bestandskunden auf eine neuartige Kurzzeit-Reise-Sachversicherung zugreifen. Beim Betreten etwa eines Flughafens oder Fernbahnhofs schlägt die Versicherung über die App automatisch eine individuell anpassbare Versicherung „Travel Light“ vor. Die App erkenne über die GPS-Ortungsdaten automatisch, wo sich der Kunde befindet.

Die Konkurrenz im deutschen Versicherungsmarkt vor allem um junge, digitale Kunden gewinnt damit weiter an Fahrt. Eine Reihe Konzerne wie Allianz, Axa, Ergo oder Signal Iduna wirbt intensiv um diese Zielgruppe, aber auch Portale wie Check24 und zahlreiche Start-ups sind auf diesem Feld aktiv.

Schon im November will die Allianz mit ihrem neuen Direktversicherer Allianz Direct starten. Finanzchef Giulio Terzariol kündigte ein eher aggressives Verhalten des neuen Versicherers an: Die Schaden- und Kostenquote könne in den ersten Jahren auch bei 100 Prozent liegen, sagte er.

Der Branche steht damit ein heißer Herbst bevor. „Ich glaube nicht, dass es dem deutschen Markt Platz für alle Start-ups im Versicherungssektor gibt“, kommentiert Lang trocken. Das sei auch gut so. „Wir finden es richtig, dass es auch da eine Bereinigung gibt.“ Der in Liechtenstein beheimatete Sachversicherer One sieht sich dafür auch finanziell gut gerüstet.

Die massive Finanzspritze von 110 Millionen Euro, die die Wefox Gruppe im März erhielt, soll zu einem wesentlichen Teil in One fließen, da für mehr Policen auch mehr Solvenzkapital benötigt wird. Kampflos, so viel ist klar, wollen die deutschen Insurtechs dem US-Start-up und der neuen Allianz-Tochter nicht den Platz überlassen.

Mehr: Auch der Markt für Vergleichsportale wird aufgemischt. Nun macht das Start-up Gonetto Druck auf Marktführer Check24.

Finance Briefing
Startseite

Mehr zu: One - Dieses Start-up mischt den Markt für Digitalversicherer auf

0 Kommentare zu "One: Dieses Start-up mischt den Markt für Digitalversicherer auf"

Bitte bleiben Sie fair und halten Sie sich an unsere Community Richtlinien sowie unsere Netiquette. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar. Wir behalten uns vor, Leserkommentare, die auf Handelsblatt Online und auf unser Facebook-Fanpage eingehen, gekürzt und multimedial zu verbreiten.

Serviceangebote