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Potentielle IWF-Chefin Vom Ostblock zur Weltbank – Wie Kristalina Georgiewa Karriere machte

Die Ökonomin kommt aus einfachen Verhältnissen – und ist nun ist für den Spitzenposten des IWF nominiert. Sie gilt als eine Frau mit eisernem Willen.
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Die Ökonomin hat viel Erfahrung bei der Weltbank gesammelt. Quelle: imago/ZUMA Press
Kristalina Georgiewa

Die Ökonomin hat viel Erfahrung bei der Weltbank gesammelt.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Brüssel, Washington, Wien Eigentlich sind Geburtstage mit einer Schnapszahl an der Schwelle zur Pension ein guter Grund, ausgiebig zu feiern. Für Kristalina Georgiewa gilt das nicht. Die Bulgarin, die am Dienstag 66 Jahre alt werden wird, macht daraus nichts Besonderes. Dafür gibt es einen Grund: Die konservative Politikerin wurde von der EU als Kandidatin für den Spitzenposten des Internationalen Währungsfonds (IWF) nominiert – doch bei der mächtigen Organisation in Washington gilt eine Altersgrenze von 65 Jahren. Damit sie im Herbst ernannt werden kann, müsste der IWF die Altersgrenze aufheben – was noch nicht ausgemacht ist.

Die Entscheidung der EU-Finanzminister zugunsten der aus Sofia stammenden Ökonomin war schwierig. Deutschland und eine Reihe anderer EU-Länder hatten eigentlich den früheren niederländischen Finanzminister und Chef der Euro-Gruppe, Jeroen Dijsselbloem (53), favorisiert. Frankreich aber setzte mithilfe der osteuropäischen EU-Länder Georgiewa als Nominierung für die Nachfolge von Christine Lagarde durch, die nun neue Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt wird.

Die Europäer haben traditionell Zugriff auf den Chefposten des IWF, der in Zahlungsschwierigkeiten geratene Staaten mit Krediten unterstützt. Georgiewa darf daher hoffen, dieses Mal einen der wichtigsten Spitzenposten auf globaler Ebene besetzen zu können – als erste Osteuropäerin überhaupt. Um den Posten der UN-Generalsekretärin hatte sie sich 2016 erfolglos beworben, auch als Nachfolgerin von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker war sie gehandelt worden.

Die Ökonomin hat ihre Karriere über Jahrzehnte zielstrebig vorangetrieben. Sie stammt aus einfachen Verhältnissen – darauf verweist sie auch gern selbst auf Twitter mit einem vergilbten Familienfoto aus Bulgarien. Noch in der Zeit des Kommunismus in Bulgarien studierte sie an der Universität für National- und Weltwirtschaft Politische Ökonomie und Soziologie. Ihre Doktorarbeit schrieb sie 1986 über „Umweltpolitiken und Wirtschaftswachstum in den USA“. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs war sie in ihrer bulgarischen Heimat noch bis 1991 Professorin.

1993 begann sie als Umweltökonomin bei der Weltbank. 2008 wurde die fließend Russisch sprechende Bulgarin schließlich Vizepräsidentin der Weltbank. Nach sieben Jahren bei der EU-Kommission stieg sie 2017 schließlich zum Chief Executive Officer der Weltbank auf, der zweitwichtigsten Position in der Entwicklungsorganisation.

In Brüssel, wo sie zunächst für humanitäre Hilfe und später als Vizepräsidentin der EU-Kommission für Personal und Haushalt verantwortlich war, genießt Georgiewa hohes Ansehen.

Durchsetzungsstark und hocheffizient

Ehemalige Weggefährten beschreiben sie als durchsetzungsstarke und hocheffiziente Arbeiterin, die von ihren Mitarbeitern viel verlangt. Zugleich tritt sie Gesprächspartnern gegenüber verbindlich auf, hört sich deren Anliegen aufmerksam an. So gelinge es ihr, auch in hochschwierigen Verhandlungen wie um den EU-Haushalt die unterschiedlichen Seiten an einen Tisch zu bringen und Kompromisse zu formen.

Als IWF-Chefin dürfte die Entwicklungsexpertin die Neuausrichtung fortsetzen, die ihre Vorgängerin Lagarde eingeleitet hatte: weniger ökonomische Orthodoxie und ein stärkerer Fokus auf den Kampf gegen soziale Ungleichheit, gegen den Klimawandel und gegen die Benachteiligung von Frauen. „Wir müssen das Potenzial aller Menschen nutzen – Männer wie Frauen“, sagt sie.

Offen ist, ob es unter ihrer Führung zu einer engeren Zusammenarbeit zwischen Weltbank und IWF kommt, da ihr Verhältnis zu Weltbank-Chef David Malpass eher als pragmatisch gilt. Mit Blick auf die EU soll sie einer wirtschaftlichen Ausrichtung nach französischer Lesart näher stehen als etwa der der Bundesbank.

Eine Freundin allzu strenger Finanzregeln ist Georgiewa hingegen nicht. Bei ihrem Auftritt beim Forum Alpbach im Sommer 2017 kritisierte sie etwa, strengere Anti-Geldwäsche-Vorschriften hätten Überweisungen in afrikanische Länder erschwert: „Kein Finanzinstitut kann mehr leicht Rücküberweisungen von Migranten nach Somalia durchführen.“ Als IWF-Chefin könnte Georgiewa bei diesen Fragen künftig ein gewichtiges Wort mitreden – wenn ihr Alter nicht doch noch ihre Kandidatur verhindert.

Mehr: Eine Lösung im Handelsstreit der USA mit China und der EU ist nicht in Sicht. Die Weltwirtschaft muss sich auf einen dauerhaften Schaden einstellen.

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