Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Preisentwicklung Inflation im Euro-Raum steigt auf höchsten Wert seit über einem Jahr – Die EZB steht vor einer Herausforderung

Die Preise sind im März um 1,3 Prozent gestiegen. Ökonomen erwarten einen weiteren Anstieg. Das stellt die EZB vor eine kommunikative Herausforderung.
31.03.2021 Update: 31.03.2021 - 13:25 Uhr Kommentieren
Die EZB strebt eine Teuerung von knapp unter zwei Prozent an. Quelle: dpa
Kunden im Supermarkt

Die EZB strebt eine Teuerung von knapp unter zwei Prozent an.

(Foto: dpa)

Frankfurt Eigentlich sollten die neuen Inflationszahlen ganz im Sinne der Europäischen Zentralbank (EZB) und ihrer Präsidentin Christine Lagarde sein. Wie das europäische Statistikamt Eurostat am Mittwoch mitteilte, ist die Inflation im Währungsraum im März auf 1,3 Prozent gestiegen. Im Februar waren es noch 0,9 Prozent. Damit nähert sich die Inflation dem EZB-Ziel von knapp unter zwei Prozent an.

Das Problem allerdings: Bislang ist der Anstieg fast ausschließlich auf Sonderfaktoren zurückzuführen, wie den Basiseffekt beim Ölpreis, die CO2-Abgabe in Deutschland und kurzfristige Angebotsverknappungen durch die Corona-Pandemie.

In den kommenden Monaten werden diese Effekte die Preisentwicklung voraussichtlich noch weiter in die Höhe treiben, was die EZB öffentlich unter Druck setzen könnte. Auf ihrer Pressekonferenz im März erklärte Lagarde bereits, dass die Notenbank kurzfristige Preisschwankungen ignorieren und sich bei ihrem geldpolitischen Kurs vor allem an der mittelfristigen Preisentwicklung orientieren will. Diese schätzt die EZB weiter schwach ein.

„Die Inflation in der Euro-Zone hat ihren Aufwärtstrend im März fortgesetzt. Wir gehen davon aus, dass sie in der zweiten Jahreshälfte über zwei Prozent steigen wird“, kommentiert Jack Allen-Reynolds, Europa-Ökonom bei der Beratungsgesellschaft Capital Economics. Der Anstieg sei aber eben hauptsächlich auf temporäre Faktoren zurückzuführen, die 2022 auslaufen würden.

Auch Commerzbank-Ökonom Christoph Weil erkennt eine starke Verzerrung durch Sonderfaktoren. Wichtig für die mittelfristige Preisdynamik ist aus seiner Sicht vor allem die Lohnentwicklung. Er geht davon aus, dass diese durch die Rezession im vergangenen Jahr auch 2021 gedämpft ausfallen wird. Die von der EZB berechneten Tariflohnindikatoren hätten sich bereits im Laufe des vergangenen Jahres „erkennbar abgeschwächt“, sagt Weil.

Grafik

Wichtigster Preistreiber im März waren die Energiepreise. Sie zogen um 4,3 Prozent an. Im Februar hatte sich Energie noch um 1,7 Prozent verbilligt. Hier macht sich bemerkbar, dass der Ölpreis zu Beginn der Corona-Pandemie im März und April 2020 eingebrochen war. Wegen der sehr niedrigen Vergleichswerte im vergangenen Jahr liegt er nun deutlich höher.

In Deutschland, dem größten Land der Euro-Zone, machen sich seit Jahresbeginn zudem zwei weitere Sonderfaktoren bemerkbar. Zum einen die Abgabe von 25 Euro je ausgestoßene Tonne CO2, die seit Januar gilt, sowie die Normalisierung der Mehrwertsteuer seit Jahresbeginn. Sie war in der zweiten Jahreshälfte 2020 vorübergehend von 19 auf 16 Prozent gesenkt worden. Dadurch ist ab Juli die Vergleichsbasis niedriger, was zu einem weiteren Anstieg der Inflation in diesem Jahr führen sollte.

Die Preise für Industriegüter ohne Energie zogen im März um 0,3 Prozent an, die Preise für Dienstleistungen um 1,3 Prozent. Die sogenannte Kernrate, aus der besonders schwankungsanfällige Preise für Energie und Lebensmittel rausgestrichen werden, sank dagegen von 1,1 auf 0,9 Prozent. Die EZB achtet stark auf die Kernrate, weil sie als guter Indikator für die langfristige Preisentwicklung gilt.

Am höchsten war die Inflationsrate innerhalb des Euro-Raums im März in Luxemburg (2,4 Prozent). In Deutschland lag sie nach der europäischen Berechnungsmethode bei 2,0 Prozent, nach der nationalen Betrachtungsweise bei 1,7 Prozent, wie das Statistische Bundesamt bereits am Dienstag vermeldet hatte. Am schwächsten war die Inflationsentwicklung in Griechenland, wo die Preise sogar um zwei Prozent sanken.

Mehr: Goldman-Sachs-Studie: Kriege treiben Inflation, Seuchen aber nicht

Startseite
Mehr zu: Preisentwicklung - Inflation im Euro-Raum steigt auf höchsten Wert seit über einem Jahr – Die EZB steht vor einer Herausforderung
0 Kommentare zu "Preisentwicklung: Inflation im Euro-Raum steigt auf höchsten Wert seit über einem Jahr – Die EZB steht vor einer Herausforderung"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%