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Preissteigerung Inflationsrate in der Türkei legt im Juli wieder zu

Zuletzt war die Inflationsrate in der Türkei gesunken. Nun geht es wieder aufwärts – auf 16,65 Prozent. Dafür gibt es drei Gründe.
05.08.2019 - 10:41 Uhr Kommentieren
Türkei: Inflationsrate legt im Juli wieder zu Quelle: AP
Türkische Flagge in Istanbul

Die Zentralbank hatte auf Druck der Regierung die Zinsen gesenkt.

(Foto: AP)

Istanbul Noch im Juni war sich Berat Albayrak sicher: Die Inflationsrate in der Türkei wird bis Ende des Jahres auf ein einstelliges Niveau sinken. Doch die Hoffnung des türkischen Finanzministers erhält an diesem Montagmorgen einen Dämpfer. Nach aktuellen Zahlen der Statistikbehörde des Landes (Tüik) ist die Inflation im Juli leicht angestiegen. Die Teuerungsrate nun auf Jahressicht bei 16,65 Prozent. Im Vormonat war sie noch auf 15,72 Prozent gesunken.

Nachdem sich das Land in den 1980er- und 1990er-Jahren an Inflationsraten von bis zu 94 Prozent pro Jahr gewöhnen musste, sank die Geldentwertung daraufhin auf ein einstelliges Niveau. Die Statistikbehörde nimmt das Jahr 2003 als Referenz an, um die Inflation im Folgezeitraum zu messen. Seitdem sind der Behörde zufolge die Preise um 419 Prozent angestiegen.

Die hohen Inflationsraten der vergangenen zwei Jahre sind ein Grund für das schlechte Abschneiden der Regierungspartei AKP bei den jüngsten Wahlen. Sie setzte zuletzt alles daran, den Preissteigerungen entgegenzuwirken. Jetzt droht ein Dämpfer – und dafür ist vor allem die Regierung selbst verantwortlich.

Die türkische Zentralbank hatte nämlich nach massivem Druck von Präsident und Regierungschef Recep Tayyip Erdogan die Leitzinsen um ganze 4,25 Prozentpunkte gesenkt. Eine Senkung war geboten, da die Inflation im Frühsommer gesunken war und sich die Wirtschaft wieder leicht stabilisieren konnte. Auch die Tendenzen der Notenbanken in Industrieländern, die Leitzinsen zu senken, war ein Anlass für den massiven Schritt der türkischen Geldwächter.

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    Doch jetzt gehen Produzenten und Verkäufer davon aus, dass in Zukunft die Produzenten- und Konsumentenpreise wieder steigen werden. In der Folge dürften einige Händler und Unternehmer diese Entwicklung schon im Juli vorweggenommen haben.

    Hinzu kommen zwei weitere Gründe, die zwar eher technischer Natur sind, aber trotzdem von Ankara gesteuert. Ende Juni waren mehrere Steuererleichterungen für Konsumenten ausgelaufen. Allen voran eine Luxussteuer, die auf den Kauf von Neuwagen anfällt. Da sie ab Juli wieder erhoben wird, steigen die Verkaufspreise für Autos. Der Absatz von Neuwagen war im Juli um zwei Drittel eingebrochen. Der Volkswagen-Konzern etwa, der den Bau einer Fabrik in der Türkei in Erwägung zieht, verkaufte im Juli 77 Prozent weniger Autos.

    Ebenfalls in der Kategorie „Kalkulierte Preiserhöhung“: Die Regulierungsbehörde für den türkischen Energiemarkt (EPDK) hatte Ende Juni entschieden, die Strompreise im Land um 14,98 Prozent anzuheben. Als Grund gab die Behörde steigende Energiepreise an. Auch die Gaspreise werden laut dem staatlichen Versorger Botas „im zweistelligen Bereich“ ansteigen. Bei der türkischen Investmentfirma Oyak Securities geht man davon aus, dass dieser Anstieg 0,44 Prozentpunkte zu Juli-Inflation beigetragen hat.

    Mathematischer Vorteil

    Der dritte Grund ist der sogenannte Basiseffekt. Damit ist der Vergleichswert aus dem Vorjahresmonat gemeint. Weil er leicht niedriger ausfiel als der Juni-Wert, war auch die Inflation im Juli 2019 stärker als im Juni 2019.

    Da im vergangenen Jahr in den Monaten August bis Oktober die Inflationsrate jedoch besonders stark angestiegen war, rechnen Analysten wie Timothy Ash von Bluebay Asset Management für dieses Jahr in diesen Monaten mit einem stärkeren Rückgang der Teuerungsrate. „Vielleicht sogar in den einstelligen Bereich“, vermutet der Türkei-Analyst.

    Auch Kevin Daly von Goldman Sachs rechnet mit einem Rückgang der Inflation im August „und mit einem signifikanten Fall im September und Oktober auf einstellige Werte“. Haupttreiber dafür seien ebenfalls Basiseffekte aus den Vergleichszeiträumen. Danach könnte die Inflation wieder leicht ansteigen.

    Den Finanzminister dürfte der prognostizierte Rückgang freuen. So könnte er sein Versprechen halten, das eigentlich vor allem aufgrund mathematischer Effekte entstehen dürfte. Albayrak kündigte trotzdem vorsorglich für Oktober neue Steuererleichterungen an.

    Mehr: Nachdem die Preissteigerungen zuletzt leicht abgenommen haben, ist die Inflation in der Türkei im Juli wieder leicht angestiegen.

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