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Presseschau „Dem EZB-Chef blieb eine Schmach erspart“

Das Maßnahmenpaket des EZB-Chefs sorgt auch medial für Aufmerksamkeit. Kommentatoren kritisieren den Zinsentscheid – andere würdigen Draghis Leistung.
13.09.2019 - 07:49 Uhr Kommentieren
EZB-Presseschau: „Mario Draghi blieb eine Schmach erspart“ Quelle: Bloomberg
Mario Draghi

Die achtjährige Amtszeit des Italieners endet am 31. Oktober 2019.

(Foto: Bloomberg)

New York, Düsseldorf Europas Währungshüter stemmen sich mit allen Mitteln gegen die Konjunkturschwäche: Banken müssen künftig noch höhere Strafzinsen zahlen, wenn sie Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken. Zudem steckt die Notenbank frische Milliarden in Anleihen. Das beschloss der EZB-Rat am Donnerstag in Frankfurt.

Damit verschärft die Zentralbank zum Ende der Amtszeit von EZB-Präsident Mario Draghi ihre ultralockere Geldpolitik nochmals. Die achtjährige Amtszeit des Italieners endet am 31. Oktober 2019.

Medien bewerten Draghis geldpolitisches Paket kritisch – und sehen vor allem Nachfolgerin Christine Lagarde vor einer schwierigen Aufgabe. Ausländische Medien würdigen vor allem die Gesamtleistung des EZB-Präsidenten.

„Neue Zürcher Zeitung“ – „Dem EZB-Chef blieb eine Schmach kurz vor dem Rücktritt erspart“

Die Schweizer Tageszeitung sieht in dem beschlossenen Maßnahmen-Paket der EZB vor allem eines: Aktionismus. „Was die Währungsbehörde am Donnerstag an Maßnahmen präsentierte, darf mit Fug als Aktionismus bezeichnet werden“, kommentiert die NZZ.

Nicht nur werden die Zinsen für Bankeinlagen bei der EZB noch tiefer in den negativen Bereich gedrückt, schreibt die Zeitung. Die EZB erleichtere durch das Programm zum Kauf von Staats- und Unternehmensanleihen den Euro-Staaten zudem, ihre Schuldenpolitik mit noch billigerem Geld fortzusetzen, so die NZZ.

Auch im EZB-Rat würden die Zweifel zunehmen, bei dieser Entscheidung sei die Opposition aber zu schwach gewesen. „Dem EZB-Chef blieb eine Schmach.“

„Süddeutsche Zeitung“ – „Mario Draghi hat sich verrannt“

Draghi habe zu lange an der Politik des billigen Geldes festgehalten, schreibt die „Süddeutsche Zeitung“ (SZ). Mit seinem Maßnahmen-Paket wolle er den wirtschaftlichen Abschwung bremsen. „Doch gut gemeint ist in diesem Fall schlecht gemacht“, kommentiert die SZ.

„Er wollte den Euro-Staaten Zeit für die nötigen wirtschaftspolitischen Reformen und Umbrüche etwa in der Bankbranche geben. Doch die ließen teils auf sich warten, einige Politiker enttäuschten ihn erneut“, so die Zeitung weiter – und wirft eine zentrale Frage auf: „Was ist, wenn Donald Trumps Handelskrieg die Welt wirklich in eine tiefe Rezession stürzt?“ Dann müsste man die Wirtschaft durch Zinssenkungen ankurbeln. Das ginge aber nicht, wenn die Zinsen schon bei null liegen, so die SZ.

„Wall Street Journal“ – Sein Vermächtnis ist eine intakte Euro-Zone

Neben aller Kritik lobt die US-Zeitung zum Ende seiner Amtszeit vor allem das Vermächtnis des Mario Draghi: eine intakte Euro-Zone. Dies sei eine bemerkenswerte Leistung angesichts der Herausforderungen, denen die Währung und ihre Mitglieder ausgesetzt waren.

Dennoch sieht auch das „Wall Street Journal“ Draghis Nachfolgerin vor einer schweren Aufgabe, sollte Europas Wirtschaft nicht wieder wachsen und Lagarde damit zu positiven Zinssätzen zurückkehren können.

„Financial Times“ – Politiker haben Draghi viel zu verdanken

Für die britische Zeitung hat Mario Draghi sich bereits seinen Platz im Tempel der großen Europäer verdient. Seine Bereitschaft, die Währungsregeln zu überarbeiten, hätten den Euro nach dem Crash 2008 gerettet. „Wenn die einheitliche Währung zusammengebrochen wäre, wäre ein Großteil der Architektur der europäischen Integration nach dem Krieg mit ihr gegangen“, kommentiert die FT. Nationale Politiker hätten Herrn Draghi viel zu verdanken.

„Blomberg“ – Draghis Meisterkurs, um das Euro-Projekt über Wasser zu halten

Mario Draghi habe am Donnerstag für jeden etwas geboten, meint die US-Agentur für Wirtschaftsnachrichten. Am wichtigsten sei, dass Draghi seiner Nachfolgerin Christine Lagarde viel Spielraum ließe.

„Bei seinem vorletzten Treffen der EZB hat Draghi einen weiteren Meisterkurs gegeben, um das Euro-Projekt über Wasser zu halten“, schreibt Bloomberg. Da es kein koordiniertes Fiskalpaket der Regierungen der Euro-Zone gab, sei sein finanzielles Geschick von unschätzbarem Wert gewesen.

Wenn Lagarde die politischen Führer Europas irgendwie davon überzeugen kann, endlich ernsthafte fiskalische Impulse zu setzen, könne es sogar funktionieren. Italien profitiere bereits davon. Draghi habe seiner Nachfolgerin etwas gegeben, mit dem sie arbeiten könne, so Bloomberg.

Rheinische Post – Europas Sparer sind die Dummen

Nach Ansicht der „Rheinischen Post“ (RP) hat die EZB mit ihren Maßnahmen ihr Pulver verfrüht verschossen: „Was will sie tun, wenn sich in nächster Zeit immer noch kein Erfolg einstellt?“, schreibt die Düsseldorfer Tageszeitung. Hingegen würden die Sparer die Dummen bleiben, und Schuldenmachen werde weiter belohnt.

Die Währungshüter in Frankfurt hätten offenbar nicht den Hauch einer Idee, wie sie Europa aus diesem Dilemma befreien wollen. Das lasse Schlimmes befürchten, so die Zeitung.

„Wer Geld für die Altersvorsorge zurücklegen will, wird dafür demnächst womöglich in Form von Negativzinsen auch noch bestraft. Jenen, die auf Aktien ausweichen wollen, droht womöglich eine Aktiensteuer. Gleichzeitig könnten Immobilien immer teurer werden, die Mieten drohen weiter zu steigen, bezahlbarer Wohnraum könnte für noch mehr Menschen in unserem Land ein Riesenproblem werden. Das schafft sozialen Sprengstoff“, kritisiert das Blatt.
Mit Agenturmaterial.

Mehr: Umstrittene Anleihekäufe, höhere Strafzinsen: Der EZB-Präsident verkündet kurz vor seinem Abschied ein historisches Paket – und legt damit auch seine Nachfolgerin Lagarde auf niedrige Zinsen fest.

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