Ratssitzung EZB zu unkonventionellen Aktionen bereit

Mario Draghi verzichtet auf eine Zinssenkung und belässt es bei starken Worten. Im EZB-Rat herrsche Einstimmigkeit, dass unkonventionelle Maßnahmen eingesetzt werden könnten. „Wenn nötig kann die EZB schnell handeln.“
Update: 03.04.2014 - 15:44 Uhr 14 Kommentare

Droht der Eurozone eine Deflation?

FrankfurtEZB-Chef Draghi gab sich keine Mühe, seinen Ärger über die Ratschläge von IWF-Chefin Christine Lagarde zu verbergen. Sie hatte am Mittwoch der EZB eine weitere geldpolitische Lockerung empfohlen. „Der IWF ist sehr großzügig in seiner Bewertung darüber, was wir tun und was wir nicht tun sollten, “ sagte er. Um dann zu ergänzen, dass er es begrüßen würde, wenn der IWF auch vor den Sitzungen der amerikanischen Notenbank Fed solche Ratschläge erteilen würde.

Christine Lagarde ist nicht die einzige Expertin, die sich für eine Lockerung der Geldpolitik im Euroraum ausgesprochen hat. Anlass für Spekulationen darüber boten die schwachen Inflationszahlen. Im März war die Teuerung in den 18 Euro-Ländern auf nur noch 0,5 Prozent gefallen. Je mehr sich die Preiseentwicklung der Nullmarke nähert, desto größer die Gefahr, in einen Teufelskreis zu geraten. Die Erfahrung aus Japan zeigt: Wenn erst mal die Unternehmen und Haushalte mit sinkenden Preisen rechnen, lässt sich eine Spirale aus Preisrückgängen und einer Rezession nur schwer stoppen.

Dennoch hat die EZB den Leitzins zunächst auf dem Rekordtief von 0,25 Prozent belassen. Draghi betonte jedoch: „Wenn nötig, können wir schnell handeln“. Zudem bestätigte Draghi, dass der EZB-Rat ausführlich über eine mögliche auantitative Lockerung diskutiert habe. „Im EZB-Rat herrscht Einstimmigkeit, dass gegebenenfalls auch weitere unkonventionelle Maßnahmen im Rahmen unseres Mandats eingesetzt werden können, wenn die Inflation zu lange sehr niedrig bleibt“, sagte Draghi.

Trotz der schwachen Preisentwicklung hatten die meisten Ökonomen im Vorfeld nicht damit gerechnet, dass die EZB die Geldpolitik lockert. In einer Bloomberg-Umfrage unter 57 Ökonomen prognostizierten alle bis auf drei Volkswirte, dass die Währungshüter den Leitzins auf dem bisherigen Niveau von 0,25 Prozent belassen werden. Ein Ökonom erwartete eine Senkung auf 0,1 Prozent, während zwei eine Rücknahme auf 0,15 Prozent prognostizierten. Experten verweisen darauf, dass die Konjunktur im Euroraum allmählich anzieht. Das stärkt den Preisauftrieb.

Der Chefvolkswirt der Münchner Rückversicherung, Michael Menhart, begrüßt die Entscheidung der EZB. „Die zuletzt niedrige Inflation ist vor allem auch durch eher temporäre Effekte wie gesunkene Energiepreise beeinflusst,“ sagt er. Auch Commerzbank-Ökonom Christoph Weil erwartet, dass die Inflationsrate schon im April wieder anziehen dürfte: „Durch die späte Lage von Ostern in diesem Jahr werden insbesondere die Preise für Pauschalreisen im April stärker steigen als im Vorjahr.“ Auch der Effekt des milden Winterwetters laufe aus.



  • dpa
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14 Kommentare zu "Ratssitzung: EZB zu unkonventionellen Aktionen bereit"

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  • Ist das Handelsblatt wirklich auf Herrn Rürup angewiesen?

    Sie sollten sich schämen, mit dem Mann gemeinsame Sache zu machen. Er ist zu sehr mit Schröder und Maschmeyer belastet.

  • 90% der Wähler sind ganz froh darüber, wenn die Preise nicht steigen.

    Aber wen interressieren schon die Wähler...

  • In dem Moment, wo zumindest ein gewisser Prozentsatz der Menschen realisiert, dass die EZB in Wirklichkeit überhaupt nichts machen kann, außer Falschgeld zu emittieren (genauer gesagt auch noch Schuldgeld, da ein Gegenpart sich dafür verschulden muss), ist das Betrugsspiel sowieso aus. Es gibt letztendlich nämlich ganz genau zwei Möglichkeiten, um die "Euro-Krise", die in Wirklichkeit eine Geldsystemkrise ist, zu lösen: "To default on the debt or to hyperinflate it away“ (und das gilt selbstverständlich für die Eurozone genauso wie für die USA):
    http://hiddensecretsofmoney.com/blog/Will-USA-DEFAULT-OR-INFLATE

  • Deutschland war neben der Schweiz das einzige Land welches eine Notenbank hatte, die nicht Hure der Finanzindustrie war. Das dass die sonst für ihre Vorherrschaft zu allem bereiten Amis duldeten, war wohl seinerzeit der Frontstaat-Situation geschuldet und ist jetzt überflüssig. Die Politik des Rollback hin zu einem Primitivfinanzkapitalimus wird durch Goldman Sachs Zögling Mario Drucki planmäßig umgesetzt.

    Die unkonvetionellen Maßnahmen sind die nicht legitimierte Enteignung der Geldsparer durch Aufblähung von uneinbringlichen Ramschkrediten - der größte Finanzbetrug aller Zeiten, der nebenbei den noch gesunden Realkapitalstock wegen seiner Fehlanreize immer weiter zerstört und die deutsche Regierung duldet ihn unter Verletzung ihres Amtseides. Aber am Tag an dem die Falschegldbombe platzt, wird man die Verantwortlichen vor Gericht bringen. Die Ausrede, das konte keiner Vorhersehen zieht nicht. Jeder, der sehen will, kann sehen - Jetzt!

  • Das Lösungsmuster findet sich nicht im Geldsystem. Denn das ist nur dazu gedacht die verfallenden, hierarchischen Strukturen mit viel Akrobatik und Wunschdenken am laufen halten uz wollen. Und dies mit fraglichem, wenn auch bekannten Systemausgang.

  • Die Notenbanken sind dazu da, die Anleger zu beruhigen und Aktienkurse nach oben zu befördern, damit die Investoren schöne Renditen einfahren. Er konnte die Zinsen nicht mehr senken, daher wird eben verbal nachgeholfen....die Aussagen sind so schwammig man kann dadurch alles rechtfertigen

  • Ich lese daraus das sie sich was einfallen lassen worauf man selber nicht mehr reagieren kann weil es sehr schnell umgesetzt wird. Die Zinsen werden dann nicht auf null gehen sonder es wird stafzinsen geben dafür das man Geld besitzt.

  • Naja was hierbei immer etwas hinten runter fällt ist die Tatsache
    dass die letzte Wirtschafts- und Finanz-krise 2007/2008 schlimmer
    war als die in den 1920-ziger Jahren.

    Das kann ich nur schwer beurteilen da gab es mich noch nicht aber
    ich denke dann kann man sich besser vorstellen vor welchen
    Problemen wir stehen und warum das alles so lange dauert.

    Die Gefahr das die nächste Blase platzt bevor die Letzte wieder
    verschlossen wurde ist schon gross.

    Ob die Leitzinsen denn nun auf 0% fallen sollten bevor man
    anfängt Anleihen via Zentralbank zukaufen so wie die Fed oder
    eben nicht ist eine gute Frage.

    Man kann ja Europa auch nicht einfach mit den USA vergleichen.

    Aber mal noch ein paar hundert Milliarden mehr ausgeben, für
    vielleicht auch andere Anleihen ausser von Staaten, wäre
    sicherlich mal einen Versuch wert.

    Scheinbar hat unsere Wirtschaft in Europa noch mehr Bedarf an
    neuem Kapital.

  • "unterstreicht wie verfahren die Lage tatsächlich ist"

    Korrekt. Und somit macht die EZB wie die FED das Einzige, was ihr noch bleibt: Die Aktienblase weiter aufpumpen.

    Und wenn es dann knallt, sind alle wieder ganz fürchterlich überrascht....

  • Die Wirtschaftlage in der Eurozone scheint besorgniserrendger zu sein, als bilang bekannt. Draghi hat nicht nur sein Statement der letzten Monate wiederholt, dass die wirtschaftlichen Risiken weiterhin nach unten gerichtet sein. Vor allem hat er aber betont, dass die größte Befürchtung (biggest fear) in einer anhaltenden Stagnation gesehen wird! Arbeitslosikeit und die Produktionslücke (output gap) seien weiterhin sehr hoch und die Kreditexpansion an den privaten Sektor immer noch negativ(minus 3,1 %).Das - wiederholt betonte - Einvernehmen des EZB-Rats, auch unkonventionelle geldpolitische Massnahmen zu ergreifen unterstreicht wie verfahren die Lage tatsächlich ist.Die Geldpolitik stösst klar an ihre Grenzen.

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