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Reaktionen Börsenexperten zu EZB-Entscheidung: Geldpolitik wird Märkte weiter aufpumpen

Die Kurse von Aktien und Anleihen sind als Reaktion auf die EZB-Entscheidung deutlich gefallen. Dennoch gilt: Die EZB wird die Märkte weiter nach oben treiben.
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Die Europäische Zentralbank hat die Märkte wieder auf Trab gehalten. Quelle: dpa
EZB-Zentrale in Frankfurt

Die Europäische Zentralbank hat die Märkte wieder auf Trab gehalten.

(Foto: dpa)

Frankfurt Aufgehoben ist nicht aufgeschoben. So lassen sich die Reaktionen der Finanzmärkte auf die Zinssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) auf den Punkt bringen. Zwar fiel der Dax um mehr als ein Prozent, auch die Anleihenkurse gaben nach. Doch Experten sind sich sicher: Die Geldpolitik dürfte die Kurse von Aktien und Anleihen weiter stützen und den Euro schwächen.

Nach Einschätzung von Investoren wird die EZB ihre Geldschleusen spätestens im Herbst weiter öffnen. „Wir erwarten eine Zinssenkung um 0,1 Prozentpunkt im September und für Jahresende ein neues Anleihekaufprogramm“, meint Franck Dixmier, Anleihechef bei Allianz Global Investors. Felix Herrmann, Anlagestratege beim Fondshaus Blackrock in Frankfurt, geht ebenfalls von einer Zinssenkung aus und meint, dass eine Wiederauflage des Anleihekaufprogramms schon im Herbst kommen könnte.

Dabei könnte die EZB „noch Staatsanleihen für 500 Milliarden bis 600 Milliarden Euro kaufen, bevor sie die selbst gesteckten Limite erreicht hat“, meint Herrmann. Die EZB hatte sich bei ihrem Ende vergangenen Jahres beendeten Anleihekaufprogramm dazu verpflichtet, nicht mehr als ein Drittel der ausstehenden Anleihen eines Landes zu kaufen.

Seit EZB-Chef Mario Draghi vor gut fünf Wochen auf einer Notenbankkonferenz in Portugal angedeutet hatte, dass die Notenbank die Zinsen erneut senken und wieder Anleihen kaufen könnte, haben Aktien, Anleihen und auch der Goldpreis schon simultan zugelegt. Von daher rechnen Strategen wie Michael Herzum vom Fondshaus Union Investment nicht mit einem „neuerlichen Kursfeuerwerk“.

Dennoch sei die Entscheidung positiv für alle Anlageklassen, besonders für Aktien und Anleihen mit Renditeaufschlag, sagt Herzum. Als Anleihen mit Renditeaufschlag gelten Zinspapiere der Euro-Südländer ebenso wie Unternehmensanleihen, also alle Bonds, die deutlich höhere Renditen als deutsche Bundesanleihen bieten.

Ulrich Kater, Chefvolkswirt bei der Dekabank, sieht vor allem Aktien, aber auch Gold und Immobilien als Profiteure der künftig erneut lockeren Geldpolitik. Der größte Teil der Bewegung bei den deutschen Bundesanleihen sei dagegen abgeschlossen. In den kommenden Monaten rechnet Kater mit einem Rückgang der zehnjährigen Bund-Renditen auf maximal minus 0,6 Prozent.

Es droht eine neue Blase an den Aktienmärkten

An den Aktienmärkten könnte dagegen laut Kater die Geldpolitik zu einer Bewertungsausweitung, sprich zu steigenden Kursen führen. „Allerdings darf hierfür die Konjunktur nicht völlig abschmieren“, meint Kater. Die Kurse an den Börsen sind zwar schon deutlich gestiegen, obwohl sich viele Konjunkturdaten verschlechtert haben und viele Unternehmen ihre Gewinnprognosen gesenkt haben. Dennoch kann man laut Kater noch nicht davon sprechen, dass die Aktienmärkte „flächendeckend überbewertet“ gewesen wären. Mit der Aussicht auf Null- und Negativzinsen könne sich dies jedoch ändern.

Auch Herrmann von Blackrock meint, dass die erneute Lockerung der Geldpolitik „sehr wahrscheinlich eine Inflationierung der Vermögenspreise“ bewirken wird. Das heißt im Klartext, dass sich die Börsen immer weiter von der wirtschaftlichen Entwicklung lösen dürften.

Dadurch kann sich auch an den Aktienmärkten eine Blase aufpumpen. Die kann allerdings noch lange anhalten. Kater drückt es so aus: „Erst bei wieder steigenden Zinsen würde es gefährlich werden – die sind aber auf die ganz lange Bank geschoben worden.“

Mehr: EZB-Präsident Mario Draghi bleibt ein klareres Signal für einen Zinsschritt im September schuldig. Die Pressekonferenz im Newsblog zum Nachlesen.

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2 Kommentare zu "Reaktionen: Börsenexperten zu EZB-Entscheidung: Geldpolitik wird Märkte weiter aufpumpen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Sehr geehrte Frau Cünnen,

    Sie wissen es sicher selbst. Wir haben in den kapitalistischen Wirtschaftssystemen seit 200 Jahren das Phänomen starker konjunktureller Schwankungen. Auf Phasen einer Überhitzung der Wirtschaftstätigkeit folgen üblicherweise Phasen einer Unterauslastung der Produktionskapazitöten.

    Und Sie wissen auch, dass die Notenbanken zu deren Bekämpfung stets die Zinsen senken und die Geldschleussen weit öffnen. Und nach 200 Jahren Erfahrung wissen wir auch, dass das viele neu gedruckte Geld oft lange Jahre überhaupt nicht in die reale Wirtschaft fließt, sondern zunächst einmal in die Vermögensmärkte.

    Wir reden dann von einer liquitätsgetriebenen Hausse. Sie ist in meinen Augen kein Teufelszeug. Für Aktionäre und andere Vermögensbesitzer gleicht sie einem 6er im Lotto.

  • Bei derartig gigantischen Summen wird es einem Angst und Bange. Das ist doch eine Null-Nr. die wem auch immer nutzt?

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