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Rezession per Definition Was ist eine Rezession? Ursachen, Beispiele und Merkmale

Börsenkurse geben nach, Zinsen steigen, Löhne stagnieren: Der Wirtschaft droht eine Rezession. Aber was bedeutet das für Verbraucher? Und welchen Einfluss haben Inflation, Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg?
05.10.2022 - 14:05 Uhr 1 Kommentar
Trübe Aussichten: Wenn ein Land in der Rezession ist, nimmt seine Wirtschaftsleistung ab. Quelle: dpa
Euro-Zeichen vor grauem Himmel in Brüssel

Trübe Aussichten: Wenn ein Land in der Rezession ist, nimmt seine Wirtschaftsleistung ab.

(Foto: dpa)

Inflation, Lieferengpässe, steigende Zinsen: Es gab schon deutlich bessere Zeiten für die Wirtschaft in Deutschland. Der Ökonom Alexander Kriwoluzky vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung warnte bereits: „Die Gefahr, dass wir in eine anhaltende Rezession rutschen, ist real.“ Viele Experten, darunter unter anderem auch Wirtschaftsweise Veronika Grimm, rechnen damit, dass Deutschland in der zweiten Jahreshälfte 2022 in die Rezession rutscht.

Dabei drosseln sowohl der Ukraine-Krieg als auch die Corona-Pandemie die wirtschaftliche Leistung Deutschlands. Berechnungen des Ifo-Instituts für das Handelsblatt zeigen: Im Vergleich zum vierten Quartal 2019 wird Deutschland bis zum Ende des laufenden Jahres nur um zwei Prozent gewachsen sein. Auch die Stimmung der Konsumenten ist so schlecht wie das letzte Mal 1991. Das zeigt das Barometer der GfK-Marktforschung und signalisiert für den September einen starken Rückgang auf minus 36,5 Punkte. Das Barometer fällt damit zum dritten Mal in Folge.

Doch rutscht Deutschland tatsächlich in eine Rezession? Und was bedeutet es, wenn sich ein Land im wirtschaftlichen Abschwung befindet? Lesen Sie hier die ausführliche Erklärung.

Definition: Was ist eine Rezession?

Der Begriff Rezession bedeutet Rückgang. Er stammt aus dem Lateinischen. Fachleute sprechen von einer Rezession, wenn eine Wirtschaftsleistung nicht wächst oder stagniert – sondern schrumpft. Sie befindet sich dann in einem Abschwung. Bemerkbar ist das beispielsweise dann, wenn die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen zurückgeht.

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    Für die Bemessung der gesamtwirtschaftlichen Lage – der Konjunktur – nutzen Volkswirte das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Es misst den Wert der Dienstleistungen und Waren, die ein Land in einem bestimmten Zeitraum herstellt. Sie ist eine der vier Phasen, die der Konjunkturzyklus einer Volkswirtschaft durchlaufen kann. Sie folgt auf die Phase der Hochkonjunktur und kann im schlimmsten Fall in eine Depression übergehen. Auf eine Depression folgt ein Aufschwung.

    Welche Arten von Rezessionen gibt es?

    • Rezession im eigentlichen Sinn: Im üblichen Konjunkturschema ist die Rezession der Abschwung nach einem wirtschaftlichen Boom. Das Schema zeigt jetzt aber eigentlich einen Aufschwung an, nachdem die meisten Folgen der Coronapandemie vorüber sein sollten. Stefan Kooths, Vizepräsident des Kiel Instituts für Weltwirtschaft, hält das Wort Rezession daher aktuell nicht unbedingt für den passenden Begriff: „Es bestehen weiterhin wichtige Auftriebskräfte, die für einen fortgesetzten Aufschwung sprechen.“
    • Technische Rezession – Wirtschaftswachstum: Eine populäre technische Definition der Rezession ist hingegen, dass eine Volkswirtschaft zwei aufeinanderfolgende Quartale mit schrumpfender Wirtschaftsleistung vorweist. Daran ist Deutschland aktuell noch knapp vorbeigeschlittert. Im vierten Quartal 2021 hatten die Auswirkungen der Pandemie für ein Minus von 0,3 Prozent gesorgt, im ersten Vierteljahr 2022 gab es dann ein leichtes Plus von 0,2 Prozent.
    • Technische Rezession – Wirtschaftsauslastung: Die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute definieren eine Rezession etwas komplizierter: Sie stellen die Frage, wie hoch die Wirtschaftsleistung in Deutschland im Optimalfall wäre, wenn also alle Arbeiter und Maschinen genau wie vorgesehen genutzt würden. Das ist das sogenannte Produktionspotenzial. Befindet sich die Wirtschaft wie aktuell in der Krise, produziert sie weniger, als sie laut Potenzial eigentlich könnte. Steigt diese Unterauslastung zwei Quartale in Folge an, sprechen die Institute von einer technischen Rezession.
      Eine solche hat schon ein Dreivierteljahr lang vorgelegen, vom dritten Quartal 2021 bis zum ersten Quartal 2022. Laut den Institutsprognosen nimmt die Unterauslastung seitdem aber wieder ab, ab 2023 soll sich Deutschland dann sogar in einer Überauslastung wiederfinden.

    Merkmale: Woran erkenne ich eine Rezession?

    Wenn sich die Konjunktur einer Volkswirtschaft im Abschwung befindet, gibt es dafür einige Kennzeichen:

    • Rückgang der Nachfrage
    • Überfüllte Lager
    • Abbau von Überstunden und beginnende Kurzarbeit
    • Kündigung von Arbeitskräften
    • Weniger oder ausbleibende Investitionen
    • Stilllegung von Produktionsanlagen
    • Stagnierende oder sinkende Preise, Löhne und Zinsen
    • Fallende Börsenkurse

    >> Lesen Sie hier: Talfahrt der Chipindustrie ist kein gutes Zeichen für die Weltwirtschaft

    Was sind die Ursachen für eine Rezession?

    Im europäischen Wirtschaftskontext wirken sich der Krieg in der Ukraine und bestehende Lieferengpässe erheblich auf die Konjunktur aus. Ähnlich verhält es sich in den USA. Erste Unternehmen kündigen bereits einen Stellenabbau an und fahren Neueinstellungen zurück. So etwa der schwedische Zahlungsdienstleister Klarna. Das Unternehmen gab im Mai bekannt, aufgrund der anziehenden Inflation und des Ukrainekriegs rund zehn Prozent seiner Stellen streichen zu wollen. Davon betroffen seien rund 700 Mitarbeiter. Und auch in Deutschland geraten Unternehmen unter Druck: Vor allem Fintechs mussten in den vergangenen Monaten vermehrt Leute entlassen.

    Generell lassen sich die Ursachen einer Rezession aber kaum verallgemeinern. Eine Erklärung aus der Wirtschaftswissenschaft hält strukturelle Änderungen in wichtigen Industrien für die Ursache. Ein aktuelles Beispiel hierfür wäre der Ausbruch der Coronaviruspandemie.

    Was bedeutet eine Rezession für Verbraucher?

    Es gibt einige Kennzeichen einer Rezession, die sich auch auf Bürger auswirken. Sie ist typischerweise von Sparsamkeit geprägt – sowohl in Unternehmen als auch Privathaushalten. Die geringere Nachfrage innerhalb einer Rezession folgt oft aus einer gestiegenen Arbeitslosigkeit und mehr Kurzarbeit: Wer weniger Geld einnimmt, gibt auch weniger aus. Unternehmen fehlen somit Einnahmen. Das kann wiederum zu weiteren Entlassungen und weniger Neueinstellungen führen. So die Theorie.

    Auch deswegen sind Selbstständige und Kleinunternehmer oft stark von Rezessionen betroffen – sie sind schlechter abgesichert als zum Beispiel Beamte. Wie stark eine Rezession Gewerbetreibende und Privatleute trifft, ist auch vom Staat abhängig: Er kann die Folgen eines Abschwungs durch finanzielle Hilfen dämpfen.

    Gab es schonmal eine Rezession in Deutschland?

    Ja. Seit Ende der 60er-Jahre gab es in Deutschland mehrere Rezessionen, einige von ihnen zogen sogar Regierungswechsel nach sich. Beispiele hierfür sind die erste Ölkrise (1974/1975), die zweite Ölkrise (1980) oder auch die Finanzkrise (2008/2009), für die internationale Krisen die Ursache waren. Die Einigungskrise (1991) gilt als Folge der Wiedervereinigung, die die ostdeutsche Wirtschaft zusammenbrechen ließ, während die westdeutsche Wirtschaft um mehr als fünf Prozent zulegte. Auch die Coronapandemie (2020) führte zu einer Rezession.

    Wie hängen Inflation und Rezession zusammen?

    Steigt die Inflation, ist das Geld der Menschen weniger wert – und die Kaufkraft der Bürger sinkt. Weil die Menschen ihr Geld sparen und weniger ausgeben wollen, führt eine sinkende Kaufkraft somit zu einer geringeren Konsumbereitschaft: Es werden weniger Waren gekauft. Produktionskosten können während einer Inflation erheblich steigen, dann sinkt auch die Produktionsfähigkeit der Industrie in einem von Inflation betroffenen Land. 

    Lieferschwierigkeiten können die Lage für die Wirtschaft zusätzlich verschärfen. Durch dieses Zusammenspiel kann das Bruttoinlandsprodukt eines Landes schrumpfen. Sollte dieser Effekt anhalten, kann diese Entwicklung in einer Rezession münden. Eine Inflation kann somit eine Rezession ankündigen.

    Mehr: Was ist eine Inflation?



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    1 Kommentar zu "Rezession per Definition: Was ist eine Rezession? Ursachen, Beispiele und Merkmale"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Danke für die bewertungsfreie Darstellung der Ursachen, Beispiele und Merkmale
      einer Rezession. Das übliche Drohszenario schrumpfenden Wirtschaftswachstums
      bleibt weitgehend ausgeklammert, und läßt einem dadurch Gelegenheit, selber über Krisenbewältigung nachzudenken.

      Herzliche Grüße
      Johann Kuttner

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