Schattenrat Volkswirte empfehlen deutliche Zinssenkung

Der Schattenrat der Europäischen Zentralbank glaubt an klare Signale zur Beruhigung der Märkte. Die EZB solle den Leitzins auf unter einen Prozent senken. Die Mehrheit hält einen halben Prozentpunkt für sinnvoll.
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Die EZB soll ein deutliches Signal senden. Quelle: dpa

Die EZB soll ein deutliches Signal senden.

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DüsseldorfProminente europäische Volkswirte empfehlen der Europäischen Zentralbank (EZB), den Leitzins am Donnerstag auf unter ein Prozent zu senken. Außerdem soll die EZB zusätzliche unkonventionelle Maßnahmen gegen die neu aufgeflammte Bankenkrise beschließen. Dies ist das Ergebnis der letzten Sitzung des EZB-Schattenrats, wie das Handelsblatt vorab aus seiner Montagsausgabe berichtet.

Der EZB-Schattenrat ist ein 2002 auf Initiative des Handelsblatts gegründetes Gremium, dem 15 renommierte europäische Volkswirte angehören.

„Kleine Schritte verpuffen in diesem Umfeld nur“, sagt der Europa-Chefvolkswirt der Royal Bank of Scotland, Jacques Cailloux. Er wirbt dafür, dass der EZB-Rat den Leitzins gleich um einen vollen Prozentpunkt auf nur noch 0,25 Prozent senkt. Drei Schattenräte stimmten für eine Zinssenkung um 0,75 Prozentpunkte, elf hielten eine Senkung um einen halben Punkt für angemessen. Als einziger der 15 Experten war Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer gegen eine Zinssenkung.

Zusätzlich sollte die EZB nach Ansicht der Mehrheit der Experten lang laufende Refinanzierungsgeschäfte für die Banken einführen und die Liste der Wertpapiere, die als Sicherheiten akzeptiert werden, erweitern.  

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9 Kommentare zu "Schattenrat: Volkswirte empfehlen deutliche Zinssenkung"

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  • Naja, einer der 15 Chefvolkswirte war gegen die EZB-Zinssenkung. Es war Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer, Gratulation. Ich möchte niemanden zu nahe treten,aber nach der massiven Bundeshilfe für die Commerzbank gibt es dort ja keine Boni mehr, sogar die Vorstandsbezüge sind gedeckelt. Also auch keine Motivation wie bei den üblichen Boni-Banken. So einfach ist das Spezialisten-EZB-Schatten-Gremium zu durchschauen.

  • Naja, einer der 15 Chefvolkswirte war gegen die EZB-Zinssenkung. Es war Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer, Gratulation. Ich möchte niemanden zu nahe treten,aber nach der massiven Bundeshilfe für die Commerzbank gibt es dort ja keine Boni mehr, sogar die Vorstandsbezüge sind gedeckelt. Also auch keine Motivation wie bei den üblichen Boni-Banken. So einfach ist das Spezialistengremium zu durchschauen.

  • Zinssenkung der EZB, kein Wunder, wenn dies von Banken-Volkswirten empfohlen wird. Boni-Zahlungen hängen schließlich von Umsatz und Rendite ab. Warum sollen sie sich gegen eigene Interessen aussprechen? Die überschuldeten Warmwasserländer sollen ja weiter Kredite aufnehmen, für Kreditgeber ohne Risiko, siehe Steuerzahler-Rettungsschirme, aber mit hohen Sollzinsen. Je größer die Differenz zwischen Einkauf und Verkauf, umso lieber. Auf solche Interessenten-Aussagen sollte das Handelsblatt, wenn es neutral sein will, besser verzichten.

  • Potentielle Gläubiger bzw. Kreditgeber werden auch bei einem Leitzins von Null sich weigern, unzuverlässigen Schuldnern Geld zu leihen oder sie werden dieses hohe Risiko nur mit sehr hohen Zinsen verknüpft eingehen.

  • @firlefranz77

    83% sind angesichts der Kosten der Einheit, der Wirtschaftskrise und der Bankenrettungen zwar schlimm (drastische Strafzahlungen wären hier heilsam), aber wegen der sehr niedrigen und kräftig sinkenden Neuverschuldung gerade noch erträglich. Entscheidend ist allerdings das Gesamtbild aus privater Verschuldung, öffentlicher Verschuldung, Neuverschuldung, Leistungsbilanz und Wettbewerbsfähigkeit. Und da ist das Gesamtbild für Deutschland tatsächlich solide. Und wenn Sie sich dieses Gesamtbild betrachten, verstehen Sie auch, warum das wettbewerbsschwache, privat exorbitant verschuldete und mit einer Zeitbombe namens Immobiliensektor/Bankensystem ausgestattete Spanien so viel höhere Zinsen zahlt als Deutschland. Die öffentliche Verschuldung von Spanien liegt übrigens mittlerweile bei knapp 70% des BIP, weil die Neuverschuldung noch immer sehr hoch ist und nur quälend langsam sinkt.

    Inflation löst für Spanien sowohl das Problem der privaten und öffentlichen Verschuldung wie auch tendenziell die Schieflage der dortigen Banken. Da die Ersparnisse niedrig sind, sind die Kosten der Inflation niedrig.

    In Deutschland und Österreich ist die Situation genau umgekehrt: Hohe private Ersparnisse, private Altersvorsorge und niedrige private Schulden verursachen hohe Kosten durch Inflation. Die Ersparnis durch weginflationierte Staatsschulden ist im Vergleich dazu gering.

    Die Feststellung, dass der deutsche Michel weit überproportional blutet, ist daher ziemlich banal.

    Ich danke Ihnen trotzdem für Ihren aufschlussreichen Beitrag: In einem System, in dem der deutsche Michel für die Fehler anderer ausblutet, wird ihm zum Dank auch noch dumm-dreiste Arroganz vorgeworfen.

    Es ist an der Zeit, dieses System zu verlassen.

  • 2 Billionen Euro Staatsverschuldung (83 % bezogen auf das BIP) nennen Sie also "solides" wirtschaften?

    In Spanien liegt die Verschuldung bezogen aufs BIP bei knapp 60 %. In Italien ist die private Ersparnis nicht sehr viel geringer.

    Diese elendig, dumm-dreiste Arroganz, die sich der ein oder andere "deutsche Michel" mittlerweile anmaßt, ist unerträglich.

  • @guenni7
    Unsinn, es betrifft die Länder absolut nicht gleich. Länder, die massiv über ihre Verhältnisse gelebt haben und in denen darum Staat und Private hoch verschuldet sind, proftieren von Inflation. Länder, die solide wirtschaften, sparen und auch noch dumm genug sind, kapitalgedeckte private Altersvorsorge zu betreiben, werden per Inflation enteignet. Der deutsche Michel blutet also wie ülich weit, weit überproportional. Was glaubst du denn, warum die Südländer die Inflationspolitik der EZB so toll finden?

    Welcher Steuerzahler de facto den griechischen, portugiesischen, irischen, zypriotischen, maltesischen, slowenischen, spanischen und ggf. auch italienischen Anteil an der Rekapitalisierung der EZB zahlen wird, findest du wahrscheinlich auch selbst heraus.

  • Das war aber doch abzusehen, eine andere Lösung gibt es doch gar nicht mehr.
    Zumindest betrifft das dann mal wirklich alle Länder gleich.

  • Zusammengefasst: Chefvolkswirte der Banken empfehlen Lösung der Schuldenkrise (und damit Rettung der Banken) durch Verstärkung der Inflationspolitik der EZB auf Kosten des deutschen Sparers (und letztlich, über die früher oder später nötige Rekapitalisierung der Bad Bank EZB, des deutschen Steuerzahlers).

    Wie schön.

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