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Schattenrat Weidmann ist auch unter Ökonomen einsam

Bei den europäischen Volkswirten findet der Bundesbankpräsident kaum Befürworter. Manche finden Draghis Methoden sogar noch zu zögerlich. Eine weitere Zinssenkung könnte ihrer Meinung nach bald folgen.
03.09.2012 - 14:16 Uhr 9 Kommentare
Bundesbankpräsident Jens Weidmann kämpft auf verlorenem Posten. Quelle: Reuters

Bundesbankpräsident Jens Weidmann kämpft auf verlorenem Posten.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Jens Weidmann steht mit seiner Fundamentalkritik an den geplanten Anleihekäufen durch die Europäische Zentralbank (EZB) auf ziemlich einsamem Posten. Zwar sagte ein Regierungssprecher: "Bundeskanzlerin Angela Merkel stärkt Jens Weidmann als unserem Bundesbanker den Rücken, dass er möglichst viel Einfluss innerhalb der EZB hat." Damit reagierte er auf einen Bericht der "Bild"-Zeitung, wonach Weidmann an Rücktritt gedacht habe. Inhaltlich aber stützt Merkel EZB-Chef Mario Draghi, dem sie bescheinigt, innerhalb des EZB-Mandats zu handeln. Die Notenbank will mit Anleihekäufen die Währungsunion stabilisieren.

Auch bei europäischen Volkswirten findet Weidmanns harte Linie nur wenig Unterstützer, vor allem außerhalb Deutschlands. Im EZB-Schattenrat schlugen sich nur zwei von dreizehn Sitzungsteilnehmern auf Weidmanns Seite, Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer und der Münchener Anlagestratege der großen Allianz-Fondstochter Pimco, Andrew Bosomworth. Zwei Mitglieder des Expertengremiums kritisierten das von Draghi umrissene Anleihekaufprogramm sogar als zu restriktiv. Die große Mehrheit bezeichnete die EZB-Pläne als prinzipiell richtig.

Draghi hatte die Grundprinzipien Anfang August verkündet. Dazu gehört, dass nur Anleihen von Ländern gekauft werden sollen, die mit einem der Rettungsschirme EFSF oder ESM ein mit Bedingungen verknüpftes Hilfsprogramm vereinbart haben. Anders als beim ersten Ankaufprogramm will die EZB nur relativ kurz laufende Anleihen kaufen, dafür aber ohne vorgegebene Volumenbegrenzung. Auch will die Notenbank nicht mehr darauf drängen, bei Zahlungsproblemen vorrangig bedient zu werden, damit private Anleiheinvestoren nicht abgeschreckt werden.

Derzeit erarbeiten verschiedene EZB-Ausschüsse, in denen Vertreter der nationalen Zentralbanken und der Frankfurter Zentrale sitzen, die Details. Diese erweisen sich nach Angaben aus Notenbankkreisen als sehr komplex und teilweise umstritten. Ob Draghi die Details des Programms bereits am Donnerstag nach der nächsten Ratssitzung verkünden wird, ist unklar. Eventuell vertagt der EZB-Rat die endgültige Entscheidung auch, bis nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts am 12. September klarer ist, wie einsatzfähig der ESM sein wird.

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    "Mit diesen Anleihekäufen würde die EZB de facto Regierungen finanzieren, was nach den europäischen Verträgen verboten ist", stützte Commerzbank-Chefvolkswirt Krämer die Kernkritik des Bundesbank-Präsidenten. Dadurch würde der Reformdruck auf die Regierungen gemindert, und die EZB riskiere ihre Unabhängigkeit. Pimco-Manager Bosomworth sagte voraus, dass auch dieses neue Programm nicht dauerhaft wirken werde, solange das institutionelle Rahmenwerk der Währungsunion nicht grundlegend reformiert sei.

    Mögliche Zinssenkung auf der Agenda
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    9 Kommentare zu "Schattenrat: Weidmann ist auch unter Ökonomen einsam"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Schön dass, wenn es Deutschland nicht mehr gefällt, jederzeit aus der EU/Währungsunion austreten kann und darf.
      Also keine Panik, im Moment geht es Deutschland prächtig und es profitiert des Malheurs der anderen.
      Wenn die Zeit für den Austritt reif ist wird sich schon jemand finden der das tut, keine Sorge.
      Aber im Moment leben wir Deutsche wie die Marder im Speck und auf Kosten der schwächeren EU-Länder die sich gegen unsere Exportlawine wegen der EU-Verträge (Freihandelszone) nicht wehren können. Somit können wir unsere Arbeitslosigkeit über unseren Leistungsbilanzüberschuss exportieren (15 Milliarden im Schnitt PRO MONAT und das seit 17 Jahren)
      Was wollen wir noch mehr? Die paar Milliarden die wir netto an Brüssel zahlen müssen sind Peanuts im Verhältnis zum Leistungsbilanzüberschuss den wir durch unsere Mitgliedschaftsbeitrag an Brüssel (EU) realisieren dürfen.
      Uns Deutsche geht es bestens, genießen wir es einfach, egal wie es den anderen EU-Ländern geht und auch wenn in Spanien die Jugendarbeitslosigkeit bei 50% liegt. Wen juckt denn das? Den Herr Weidmann bestimmt nicht und mich schon gar nicht!

    • Welches Vertrauen sollen wir noch in die von den Notenbanken emissionierten Banknoten (Passivseite der Bilanz) haben, wenn ihnen auf der Aktivseite zunehmends Schrottpapiere (Staatsanleihen von Schuldenstaaten) gegenüberstehen?
      Wenn die Notenbank dieses einzige Gut welches sie Hat, das Vertrauen, verspielt, beginnt die Krise erst richtig.

      PRO Weidmann!
      PRO Einhaltung geschlossener Verträge!
      CONTRA Staatsfinanzierung durch die Hintertür!

      -> Es ist Aufgabe der Politik in den jeweiligen Euroländern ihre Haushälter zu konsolidieren und nicht der Notenbanken!

    • Das HB mit seinem EZB-Schattenrat setzt immer auf weitere Zinssenkungen und damit Enteignungen und ebenso auf weiteres Gelddrucken. Alleine schon die Gruendung eines Schattenrates, welcher wohl der EZB indirekt durch entsprechende Berichterstattung eine Richtung vorgeben soll, ist genauso verwunderlich, wie die irrefuehrende Bezeichnung.

      Dass neben den expansiven Vorschlaegen auch gleichzeitig Herr Weidmann in eine Ecke gestellt werden soll, der letztlich ein Amt mit Verantwortung ausuebt und kein lockerer "Schattenklub" ist, macht die Sache nur noch schlimmer.

    • Komisch.... ich habe auch einen EZB Schattenrat geggründet (meiner ist besser als der vom HB, kann ich beweisen): Alle pflichten Herrn Weidmann nebst Herrn Henkel bei. Vielleicht sollten sich die Schattenräte mal treffen.....

    • Der EZB-Schattenrat, ein aus 18 prominenten Bankökonomen und Wirtschaftsforschern bestehendes Gremium, vertritt auch nur die Interessen der großen Beratungshäuser und Banken. Sicher nicht die Interessen Deutschlands. Deshalb muss sich Weidmanns Position auch nicht mit der dieser Herren decken. Weidmann kämpft für Deutschland und steht da im Moment ziemlich alleine da. Denn selbst die Kanzlerin lässt sich lieber als Retterin Europas feiern statt sich für die Interessen Deutschlands stark zu machen!

    • Ahh, mal wieder HB Propagangda: "Weidmann ist auch unter Ökonomen einsam"- wirklich? Welche "Ökonomen" meinen Sie denn, den vom HB selbst in Amt gehobenen Schatten EZB Rat... ? Das wäre wohl ein Scherz, oder? Bennen Sie doch mal Gauweiler (ok, ist RA, kann sehr gut rechnen (ist daher aus Ihrer Sicht gefährlich) oder Startbatty oder Henkel oder Hankel hinein plus einen Volksvertreter mit Mathematik-Kenntnissen, dann würde sich Herr Weidmann nicht mehr so einsam fühlen. Stattdessen solche Brains wie Bofinger, der Infaltionsartist. Fehlt nur noch Rürup, der kann bestimmt dort noch ein paar Versicherungen vertickern und ist ja im HB gern gesehener Colt Seavers like "Der Ökonom für alle Fälle", bloss seine Sprüche sind schlechter und sein Witz geht zu Lasten der Deutschen Bevölkerung. Wohin ist das HB gekommen? Aber zu Ihrer Beruhigung: Weidmann ist nicht einsam, das ganze ist ein Theaterstück - aber das wissen Sie ja längst als guter Funktionsträger des Systems "Pro EUR"...

    • "Bei den europäischen Volkswirten findet der Bundesbankpräsident kaum Befürworter"

      Oh Handelsblatt, wie gehirngewaschen seid ihr denn?

      13 (!) Volkswirt(-hansel) sollen DIE (alle) europäischen Volkswirte repräsentieren?

      Morgen schreibt ihr bestimmt, daß der Bodensee auszutrocknen droht, weil 11 von 13 Kinder einer Schulklase beim Baden Wasser verschluckt haben.

    • Was soll denn eine Entlastung des Leitzinses von diesem Niveau noch bringen? Die Sparer werden bei den Banken im Anlagebereich mit Krümeln abgefertigt - aber die Zinsen für Darlehen und Konsumentenkredite stehen in keinem zu rechtfertigenden Verhältnis zum jetzigen Leitzins. Mit anderen Worten: Die Banken verdienen wirklich genug.

      Da weitere Entlastungen zu fordern ist eigentlich Unsinn. Aber das weiß der Schattenrat wohl selbst am Besten - deshalb seine wachsweiche Begründung.

      Der Schattenrat ist mit seinem Latein am Ende. Ich vermute, daß er mangels eigener Alternativen auf die Linie Draghis eingeschwenkt ist. Sollen die Herren Ökonomen doch sagen, was sie wirklich meinen: denn eine Schwächung des Euro würde vor allem die Kosten für die Energie und sonstige wichtige Rohstoffe enorm anziehen lassen. Nur - damit aber machen sie die Schwachen im Lande noch ärmer, denn inflationäre Tendenzen, die der Schattenrat scheinbar als Steine des Weisen ansieht, treffen nie die Vermögenden - die können mit ihrem Besitz ausgleichende Äquivalente schaffen.

      Geht nach Hause Jungs und macht endlich eure Hausaufgaben.

    • Dieser "Schattenrat" ist eine verlogene Veranstaltung hemmungsloser Demagogen und Lobbyisten der Finanzbranche und der Parteikader.
      Man sollte immer genau das Gegenteil dessen tun, was diese Propagandaleute sagen.

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