Schweiz Prüfbericht soll Notenbankchef das Amt retten

Die Schweiz hat einen handfesten Skandal. Darin verwickelt: Der Notenbankchef, die Bank Sarasin und der rechtspopulistische Politiker Blocher. Die Bank veröffentlichte einen Prüfbericht, die Regierung hält zu Hildebrand.
Update: 04.01.2012 - 19:36 Uhr 13 Kommentare
Das Foto zeigt Kashya Hildebrand auf einer Kunstmesse im Jahr 2006.  Quelle: Seegerpress

Das Foto zeigt Kashya Hildebrand auf einer Kunstmesse im Jahr 2006. 

(Foto: Seegerpress)

ZürichBei dem Fall geht es um Dollarkäufe, die die Frau des Schweizer Notenbankchefs  Kashya Hildebrand am 15. August  unternommen hat  - also just drei Wochen, bevor ihr Mann Philipp Hildebrand die Kursuntergrenze des Franken gegenüber dem Euro verkündete, was auch dem Dollar auf die Beine half. Seitdem stehen die Hildebrands unter dem Verdacht, Kashya Hildebrand könnte Insider-Wissen genutzt haben.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) meldete sich am Nachmittag zu Wort und teilte mit, "dass die jüngsten Darstellungen der Transaktionen der Familie Hildebrand in einzelnen Medien zum Teil nicht korrekt sind und keine Elemente enthalten, die den Prüfungsorganen nicht bekannt gewesen wären." Kurz zuvor hatte die Schweizer "Weltwoche" in einer Vorabmeldung berichtet, dass sogar Philipp Hildebrand selbst die Transaktionen unternommen habe. Der Notenbankchef kündigte für Donnerstagnachmittag eine Stellungnahme an und erklärte sich bereit, dann auch Fragen zu dem Vorfall zu beantworten.

Die Schweizer Regierung hat sich bereits hinter den Notenbankchef gestellt und sprach ihm ihr Vertrauen aus. „Der Bundesrat sieht keinerlei Gründe, an den Resultaten der Prüfungen zu zweifeln“ hieß es in einer Mitteilung.

Prüfbericht von SNB veröffentlicht

Die SNB veröffentlichte auch Details zu sämtlichen Währungstransaktionen der Hildebrands, die von Wirtschaftsprüfern zusammengetragen worden waren. Das Dokument ist auf den 21. Dezember 2011 datiert. Umstritten ist dabei vor allem der Kauf von 504.000 Dollar am 15. August 2011, der für die Familie laut Bericht eine "Erhöhung des USD Exposure auf 50% des Finanzvermögens" bedeutete.

Den Prüfern von PwC zufolge war dieses Geschäft "vorteilhaft". Die Transaktion sei aber "direkt durch die Ehefrau bei der Bank veranlasst" worden. Am Folgetag habe Philipp Hildebrand in einer E-Mail an den Kundenbetreuter bei der Bank Sarasin klargestellt, dass künftig nur er persönlich Transaktionen durchführen dürfe.

"Unter dem Aspekt, dass die Transaktion zwei Tage vor einer wichtigen Ankündigung der SNB durchgeführt worden wurde, ist dieses Geschäft als heikel einzustufen", schreibt PwC. Doch Hildebrand habe den Leiter Recht und Dienste über den Vorfall informiert und damit "die notwendige Transparenz" sicher gestellt.

IT-Mitarbeiter der Bank Sarasin hatte Daten weitergegeben
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13 Kommentare zu "Schweiz: Prüfbericht soll Notenbankchef das Amt retten"

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  • Hut ab vor einer solchen Persönlichkeit wie Hr. Hildebrand.
    Die SNB wird niemals mehr einen Nachfolger finden der dieser Persönlichkeit " das Wasser reichen kann "
    Unsere möchtegern Politiker sollte man in die Wüste schicken. Das beste Beispiel wird wieder im Hühnerstall in Bern ausgehandelt wie man das dumme Volk betrügen kann.
    Das betrifft die Autovignette zur Finanzierung der Autobahnen auf Fr. 100,.. zu erhöhen,!! Es gab einmal eine Volksabstimmung als dazu der Benzinpreis für 10 Jahre um 20 Rappen erhöht wurdem aber nach Ablauf der Zeit war keine Rede mehr davon sich an die Abstimmungsbedingungen zu erinnern.!! <rechnen ist nicht die Stärke in Bern. Diese sollen einmal offenlegen was eigentlich mit den Einnahmen der LSVA und den Treibstoffzöllen passiert und wohin fliessen diese eigentlich.?? Damit könnte man längst sämtliche Autobahnen vergolden. Das Volk wird nur für blöd und dumm gehalten. Es ist eine Schande ein schweizer Bürger zu sein.

  • Es wird allerhöchste Eisenbahn für mehr Transparenz auch in der Schweiz. Als wichtigste Literatur, womit der Fairness enorm auf die Sprünge geholfen werden kann, empfehle ich das Sachbuch "Spielgeld-ein neues Wirtschaftssystem". Dieser Autor nimmt die Machenschaften im Hintergrund mächtig aufs Korn!!!

  • Weniger der eigentliche Insider-Fall ist der Skandal, sondern der Versuch der Classe politique (SNB, Bundesrat, Kontrollstellen) den SNB-Präsidenten zu decken

  • Ein echtes Problem ist das mit dem Insiderhandel. Denn defacto ist für Angehörige solcher Amtsträger jeder Handel verboten. Allein das persönliche Verhältnis macht jedes größere profitable Geschäft zum Insiderhandel, ob beabsichtigt oder nicht, völlig unabhängig davon ob es eine verbotene Information im eigentlichen Sinne gegeben hat oder nicht.
    Da stellt sich die Frage, ob das Verbot das geeignete Mittel ist oder es nicht andere Möglichkeiten gibt Ausgleich zu schaffen.

  • Wie war das noch mit Herrn Papandreou und den CDS? War da etwas "dran"?

  • Hier werden inzwischen moralische Maßstäbe angelegt und Generalverdachte ausgesprochen, die so unerfüllbar sind, dass sie das Gegenteil bewirken werden.

    Wenn selbst die Compliance-Regeln der Schweizerischen Nationalbank nicht mehr als ausreichend gelten, sollte sich auch die Handelsblatt-Redaktion überlegen, ob es nicht moralisch klüger und redlicher wäre, die Arbeit einzustellen: Im Grunde ist nur noch Nicht-Handeln möglich, wenn diese Maßstäbe angelegt werden.

    Oder sieht man in der Handelsblatt-Redaktion in diesem Vorgang vielleicht nicht die strategische Absicht, die Schweizer Nationalbank als eine der letzten unabhängigen Notenbanken der Welt zu schwächen?

    Nein, das ist ja natürlich ein ganz abwegiger Gedanke. Und ja so ein unmoralischer Gedanke... So würde doch niemand denken...

  • Hier werden inzwischen moralische Maßstäbe angelegt und Generalverdachte ausgesprochen, die so unerfüllbar sind, dass sie das Gegenteil bewirken werden.

    Wenn selbst die Compliance-Regeln der Schweizerischen Nationalbank nicht mehr als ausreichend gelten, sollte sich auch die Handelsblatt-Redaktion überlegen, ob es nicht moralisch klüger und redlicher wäre, die Arbeit einzustellen: Im Grunde ist nur noch Nicht-Handeln möglich, wenn diese Maßstäbe angelegt werden.

    Oder sieht man in der Handelsblatt-Redaktion in diesem Vorgang vielleicht nicht die strategische Absicht, die Schweizer Nationalbank als eine der letzten unabhängigen Notenbanken der Welt zu schwächen?

    Nein, das ist ja natürlich ein ganz abwegiger Gedanke. Und ja so ein unmoralischer Gedanke... So würde doch niemand denken...

  • Guten Morgen - der Chef der SNB ist Herr Hildebrand. Oder sollte Ihrer Meinung nach der Titel lauten: Ehemann der Gemahlin vom Notenbankchef in Erklärungsnot.

  • Um zu diesem Zeitpunkt gegen den Schweizer Franken (damit auf beispielsweise den USD oder Euro) zu wetten brauchte es nun wirklich kein Insiderwissen. Das habe auch ich gemacht.
    Und es ist auch der Ehefrau eines Notenbankers nicht zu verwehren, ihr Kapital mehren zu wollen.
    Ob die internen Kontrollen bezüglich Insiderhandel in der Schweiz ausreichend sind kann von außen niemand beurteilen, da hier völlige Intransparenz herrscht. Dies ist bedenklich.
    Am Bedenklichsten ist aber hier (wieder einmal) das Verhalten des Politikers Blocher, der wie so oft schon ein ziemlich dreckiges Spiel gespielt hat.

  • Wieso ist eine Frau abgebildet, wenn es in der Überschrift "Notenbankchef" heißt? Es gibt auch eine weibliche Form von Chef...man glaubt es kaum...

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