Schweizer Franken Die Auswirkungen des SNB-Manövers

Die Schweizer Nationalbank hat den Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken aufgehoben. Schweiz-Reisende müssen sich auf noch höhere Preise gefasst machen. Ein Gräuel für die Alpenrepublik – es gibt aber auch Profiteure.
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Das Schweizer Luxus-Alpendorf Gstaad: Bleiben die Touristen nun aus? Quelle: AFP

Das Schweizer Luxus-Alpendorf Gstaad: Bleiben die Touristen nun aus?

(Foto: AFP)

Genf/ZürichEin Schnitzel für 30 Euro? 6,30 Euro für ein Bier? Auf diese Preise müssen sich Schweiz-Reisende nach der überraschenden Aufwertung des Franken gefasst machen. Es ist ein Gräuel für die ansonsten erfolgsverwöhnte Alpenrepublik, in der Urlauber aus anderen Ländern etwa drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts stellen. „Will jemand mein Hotel kaufen?“, fragt etwa Hotelier Thomas Frei aus dem Luxus-Alpendorf Gstaad auf Twitter. Die ersten Gäste hätten bereits storniert. Auf der anderen Seite der Grenze bricht hingegen Jubel aus: Ressort-Betreiber in französischen Skigebieten nennen den superstarken Franken ein „Gottesgeschenk“ und freuen sich auf zahlreiche Urlauber aus der Schweiz.

Die Schweizer Nationalbank hatte am Donnerstag den vor mehr als drei Jahren eingeführten Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken aufgehoben. Die Schweizer Währung zog daraufhin um zeitweise knapp 30 Prozent an. Der Schritt, der eine Schockwelle an den Währungsmärkten weltweit auslöste, findet mitten in der wichtigen Winter-Skisaison statt und eine Woche vor dem alljährlichen Treffen von Wirtschaftsführern und Politikern aus aller Welt im Bergort Davos. Die Gäste des Gipfels müssen nicht auf ein paar Franken mehr oder weniger achten, aber vielleicht merken sie, dass ihre Lieblingslektüre teurer geworden ist: Für das Wirtschaftsmagazin „Economist“ müssen sie nun zehn Franken berappen – 70 Prozent mehr als der deutsche Kioskpreis von 5,80 Euro.

Und im Zürcher Zeughauskeller, der in keinem Reiseführer fehlt, schnellte der Preis für ein Schnitzel über Nacht um vier Euro auf 28 Euro nach oben. Touristen öffnen ihr Portemonnaie in der Stadt nur noch im Notfall. „Ich bin froh, dass ich nur einen Tag hier bin“, sagt der 29-jährige Amit Raj aus Sevilla während er die Auslagen eines Uhrengeschäfts auf der Shopping-Meile Bahnhofstraße bewundert. „Ich werde definitiv vorsichtiger sein und heute Abend kein Geld mehr abheben.“

Bereits vor der Hauruck-Aktion der SNB machten die Deutschen einen Bogen um die Eidgenossenschaft. Die Zahl der Besucher sank in den vergangenen fünf Jahren nach Berechnungen des Deutschen Reiseverbands bereits um 19 Prozent auf 1,9 Millionen im Jahr 2013. Es gibt allerdings auch Profiteure: Clement Marie, Manager des Savoyarde Hotels im französischen Val d'Isere, hofft, dass nun massenhaft Besucher aus der nahen Schweiz in den Skiort strömen. „Das könnte ein Gottesgeschenk sein, da wir bislang nur wenig Schnee und wenige Gäste hatten.“ Die Antwort kam prompt. „Schweizer, macht in der Schweiz Urlaub“, sagt Jürg Schmid, Chef des dortigen Tourismusverbands.

  • rtr
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