Schweizer Franken ohne Mindestkurs „Was die Notenbank veranstaltet, ist ein Tsunami“

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Viel Kritik aus der Exportwirtschaft

Schwieriger ist das mit der Ausweitung der Zentralbankbilanz einhergehende Risiko. Durch ihre Interventionen hat die SNB immer höhere Devisenreserven angehäuft und in ausländischen Wertpapieren angelegt. Über die genaue Anlageform ihrer Devisenreserven hält sich die Nationalbank zwar bedeckt. Vermutlich aber hat sie einen Großteil in ausländischen Anleihen mit Top-Bonität investiert. „Um den Aufwertungsdruck zu dämpfen, hätte die Schweizerische Nationalbank ihre Bilanz noch stärker ausweiten müssen. Dadurch aber wäre sie noch anfälliger für Schwankungen an den Finanzmärkten geworden“, sagt Rathke.

Trotz dieses Arguments kam der Schritt der SNB für die Märkte überraschend. Aus Sicht der Notenbank ist das aber durchaus positiv. Sobald die Märkte mit einem solchen Schritt rechnen, ist die Marke kaum mehr zu halten. Investoren können dann praktisch ohne Risiko auf eine Aufwertung des Frankens spekulieren. Das schlimmste, was ihnen passieren kann ist dann, dass der Wechselkurs doch stabil bleibt. „Es ist sinnvoll, die Abkehr vom Euro-Mindestkurs nicht langfristig anzukündigen“, sagt Rathke.

„Die Zentralbank hat erkennen müssen, wie schwer es ist eine solche Marke zu halten und nun das Ende mit Schrecken statt den Schrecken ohne Ende gewählt“, kommentierten die Analysten der Deutsche Asset & Wealth Management. Es sei aber auch ein Befreiungsschlag der SNB. „Sie kann sich nun wieder auf ihr geldpolitisches Mandat und die Makroökonomie konzentrieren.“

SNB-Chef Jordan zeigte sich zuversichtlich, dass die Zinspolitik der SNB den Auftrieb des Franken bremsen kann. „Der Negativzins wird stark wirken“, betonte Jordan. Als begleitenden Schritt zur Aufgabe des Mindestkurses hat die SNB am Donnerstag den Zins für Bankeinlagen bei der SNB weiter ins Negative gesenkt. Mit einem negativen Zins für Kleinsparer rechnet der SNB-Chef aber nicht. Auch eine Deflationsspirale aus stark fallenden Verbraucherpreisen und schrumpfendem Wachstum sei nicht zu erwarten.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) war nach eigenen Angaben verwundert über die Entscheidung. „Dieser Schritt kam etwas überraschend“, sagte IWF-Chefin Christine Lagarde dem Sender CNBC. „Jordan hat mich davor nicht kontaktiert. Ich finde das ein wenig verwunderlich“, ergänzte die Französin. Sie hoffe, Jordan habe seinen Kollegen von den anderen Zentralbanken vorher Bescheid gesagt, fügte Lagarde hinzu. Den Schritt der Schweizer Notenbank kommentierte sie nicht weiter.

Die Schweizer Regierung habe den Entscheid der Nationalbank zur Kenntnis genommen, erklärte Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf am Donnerstag und ergänzte: „Wir wissen, dass die Nationalbank auch in Zukunft - das ist ihr Auftrag - für monetäre Bedingungen sorgen wird, die in der Schweiz Inflation und Deflation verhindern und die eine stabile Entwicklung der Wirtschaft weiterhin gewährleisten werden.“

Der Wechselkurs sei für die Entwicklung der Wirtschaft bedeutsam, so Widmer-Schlumpf – doch genau die schlägt nach der SNB-Entscheidung Alarm. Am lautesten machte der Chef des Uhrenherstellers Swatch, Nick Hayek, seinem Unmut Luft. „Es fehlen einem die Worte“, sagte Hayek. „Jordan ist ja nicht nur der Name des SNB-Präsidenten, sondern auch ein Fluss und was die SNB da veranstaltet, ist ein Tsunami. Sowohl für die Exportindustrie wie auch für den Tourismus und schlussendlich für die ganze Schweiz.“

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43 Kommentare zu "Schweizer Franken ohne Mindestkurs: „Was die Notenbank veranstaltet, ist ein Tsunami“"

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  • Das wird für die Schweizer nun nicht mehr so einfach. Deutsche Firmen werden wohl überwiegend durch Exporte profitieren, Die Schweizer haben aber gleich wieder mit einem neuen Urteil nachgelegt, wie ich im folgendem Artikel gelesen habe:

    http://www.finance-magazin.de/geld-liquiditaet/cash-management/cash-pooling-in-der-schweiz-wird-schwieriger/

    Das bedeutet wiederum für große Firmen mit Tochterunternehmen in der Schweiz, dass es schwieriger wird Geld der Tochterfirmen in den Mutterkonzern zu transferieren.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette 

  • Hayek jr. soll halt die Preise um 50% erhöhen für seien Uhren - wie das sonst so üblich ist - und die Milliarden für´s eigene Konto zählen.

    Dem fehlt nichts - wie auch der anderen Industrie.
    Die konnten allesamt in früheren Jahren ganz hervorragend mit dem starken Franken leben.

    Nun ist halt wieder ein wenig Denken und rationalisieren angesagt. Das hat nie geschadet - im Gegenteil.

  • Es war ein Fehler, den CHF an den Euro zu binden. Ich finde es sehr mutig und bemerkenswert, dass die Schweizer Zentralbank ihren Fehler zugibt und rückgängig macht. Das wird recht schmerzhaft für die Schweiz, aber alles andere wäre eine Katastrophe geworden. Ich bin gespannt, wielange die Deutschen brauchen um festzustellen, dass der Euro, so wie es die Mehrzahl der beteiligten Länder will und gewohnt ist, eine Weichwährung ist. Wir sollten unsere französischen und italienischen Freunde befragen, wie man sich als Anleger in einem Weichwährungsraum verhält... Die Haushaltsfinanzierung durch die EZB zementiert eine Haftungsunion, die offensichtlich von Frau Merkel von Anfang an angestrebt worden sein muß. Deshalb auch die seinerzeitigen Rücktritte der Bundesbankpräsidenten...Und all diese Entwicklungen laufen völlig undemokratisch ab. Das Volk wird nicht gefragt. Wenn sich die AfD nicht blöd anstellt bzw. in die rechte Schmuddelecke stellt und selbst demoniert, wird sie sagenhafte Wahlergebnisse einfahren können.

  • So ein Schwachsinn.....

  • Der Kommentar und die Analyse des geschriebenen sind
    absolut richtig. Mehr Wirtschaftsökonomie würde den Redakteuren gut tun.

  • Deutschland muß raus aus dem Euro, bevor die ahnungslose Merkel all unsere Altersvorsorge hat vernichten können.

    Die Wahl in HH wird der AfD ein zweistelliges Ergebnis bescheren.

  • An eine spontane Entscheidung glaube ich nicht.Ich denke, die SNB hat den gestrigen Schritt durch die Einführung von Negativzinsen vor ein paar Wochen von langer Hand vorbereitet. Sinn und Zweck der Einführung von Negativzinsen war es offenbar, die zu erwartenden Bocksprünge des Wechselkurses zu dämpfen, was anscheinend teilweise gelungen ist.

  • Kommentar zu "Was vom Tage bleibt"
    Er zieht 3 Lehren aus der schweizer Freigabe ihrer Währung:
    Lehre 1. Schweiz fällt in Ohnmacht. falsch: Es hat noch nie ein Land mit stabiler Währung an Wohlstand verloren!!! Er glaubt in Griechenland würde dasselbe passieren, nur umgekehrt. Richtig. Er setzt die Griechen auf Ecstasy. falsch. Es wird Chaos werden. Übrigens passiert die Situation (Währungsabwertung) gerade in Rußland. Da spricht das HB von Konjunktureinbruch und hohen Inflationsraten.Ja was jetzt?? Gleiches Spiel, unterschiedlicher Ausgang?? Unglaubwürdig!
    Lehre 2:Manipulationen können langfristig nicht verteidigt werden. Richtig (hoffentlich) Dann aber total falsch: Nicht die Aufgabe von unsinnigem Tuen ist das Risiko, sondern die Beibehaltung (koste es was es wolle)
    Lehre 3:falsch: Gelddrucken hat noch nie (WDH: nie) und nirgens einen mittelfristigen Aufschwund bewirkt.Das (Manipulieren der Zinsen)geht auch nicht zu Lasten der Schweizer, sondern der deutschen Sparer, Festgeldinhabern, Inhabern von Lebensversicherungen, Risterrentnern usw.)
    Sein Resüme: Die Schweiz soll dem Euro beitreten. Das ist, als wenn man Ribery raten würde, endlich zu Werder Bremen zu wechseln.Herr Stock würde gut als Berater in die Politik passen.Ob "Lügenpresse" wirklich ein Unwort ist??

  • Ich möchte hiermit den mutigen Entscheidern der Schweizerischen Nationalbank danken.

    Seit der Einführung der 1.20 Limite subventioniert die Schweiz den EURO Irrsinn. Und jetzt wäre noch der Draghi Tsunami dazu gekommen. Lieber eine Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

    Bravo Eidgenossen !

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