Schweizer Franken Was von der Frankenaufwertung übrig bleibt

Am 15. Januar 2015 gab die Schweizer Zentralbank den Mindestkurs des Franken gegenüber dem Euro auf. Damit bescherte sie sich selbst Milliardenverluste. Die Wirtschaft des Landes scheint den Schritt besser zu verkraften.
Kaum jemand hat damit gerechnet, dass die Schweizer Zentralbank am 15. Januar 2015 den Mindestkurs des Franken gegenüber dem Dollar aufgeben würde. Quelle: dpa
Franken schockt Anleger

Kaum jemand hat damit gerechnet, dass die Schweizer Zentralbank am 15. Januar 2015 den Mindestkurs des Franken gegenüber dem Dollar aufgeben würde.

(Foto: dpa)

ZürichDie Anleger waren geschockt. Vor einem Jahr entledigte sich die Schweizerische Nationalbank überraschend der Franken-Deckelung. Bis dahin war der Mindestkurs der Landeswährung auf 1,20 Franken je Euro festgelegt. Nun fiel er auf einen Schlag auf nur noch 0,99 Franken je Euro. Trübe Szenarien über den Einbruch der schweizerischen Wirtschaft verbreiteten sich. Der Franken mache Exporte zu teuer, halte Touristen fern.

Doch heute sieht es danach aus, als hätten sich die Weltuntergangsszenarien für das Land nicht bestätigt. Noch kann der Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB), Thomas Jordan, die Champagnerkorken aber nicht knallen lassen.

Auf dem Papier hat sich die SNB selbst vielleicht am meisten geschadet. Am Jahresende 2015 steht ein rekordhoher Verlust von 23 Milliarden zu Buche. Grund: Die Devisenreserven verloren infolge der Rally des Franken nach der Abschaffung des Mindestkurses für den Euro massiv an Wert. Aktuell notiert der Schweizer Franken bei rund 1,09 zum Euro. Das ist zwar nur ein Buchverlust, doch eine Wiederholung könnte die künftigen, traditionellen Ausschüttungen der Zentralbank an die Schweizer Kantone gefährden.

Mit dem stärkeren Franken haben sich die Kosten für Importe reduziert. Die Verbraucherpreise sind 2015 um 1,1 Prozent gesunken – so stark wie seit 1950 nicht mehr. Sie werden nach Angaben der SNB voraussichtlich auch dieses Jahr fallen, bevor die Inflationsrate 2017 wieder anzieht. Sinkende Preise seien ein „notwendiger“ Teil des Anpassungsprozesses der Wirtschaft, um wettbewerbsfähig zu bleiben, sagte SNB-Direktoriumsmitglied Andréa Maechler am Dienstag.

Was Sie über den Devisenhandel wissen müssen
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Weltweiter Riese

Der Devisenmarkt ist der liquideste Markt der Welt. Währungen werden an diesem Foreign Exchange (FX) direkt oder indirekt zwischen den einzelnen Marktteilnehmern gehandelt.

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Wer handelt da?

Dominiert wird der Devisenmarkt von großen, institutionellen Investoren wie Banken, Hedge- oder Investmentfonds. Wichtig sind insbesondere die Zentralbanken, die über Devisenkäufen oder –verkäufe ihre Währungen zu stützen. Vor allem bei asiatischen Zentralbanken sind diese sogenannten Devisenmarktinterventionen üblich. Privatanleger können allerdings auch am Währungsmarkt aktiv werden, wie etwa die Causa Uli Hoeneß gezeigt hat.

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Wie Privatanleger in den Handel einsteigen

Für den direkten Handel am Devisenmarkt wird ein Depot bei einem entsprechenden Broker benötigt. Immer mehr Online-Broker bieten solche Depots an, Anleger müssen genau hinschauen, um seriöse Angebote herauszufiltern. Verbreiteter ist der indirekte Handel über Derivate. Hier bestehen verschiedene Möglichkeiten.

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Mit welchen Derivaten gehandelt werden kann

Wer die einzelnen Währungspaare nicht direkt kaufen oder verkaufen will, muss auf Derivate ausweichen. Das geht beispielsweise mit Hilfe von Devisenoptionen, also strukturierten Produkten. Mit ihnen erwirbt der Anleger das Recht, eine bestimmte Währung zu einem bestimmten Zeitpunkt oder Wert zu kaufen oder zu verkaufen. Er ist allerdings nicht dazu gezwungen. Eine Kaufoption wird als Call bezeichnet, bei einer Verkaufsoption handelt es sich um einen Put. Grundsätzlich handelt es sich dabei um Wetten auf eine bestimmte Kursentwicklung.

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Was sind Margins?

Eine Margin fordern Banken von ihren Kunden, wenn diese Devisen handeln wollen. Es handelt sich dabei also um Geld, welches zur Absicherung der Geschäfte bei der Bank hinterlegt werden muss. Privatkunden müssen mit Margins von etwa 0,5 bis 2,5 Prozent rechnen. Wer also mit 100.000 Euro Währungen handeln will, muss bei einem Satz von einem Prozent 1000 Euro bei der Depotbank hinterlegen.

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Welche Risiken bestehen?

Wie der Fall Hoeneß gezeigt hat, lassen sich mit Währungsgeschäften zwar sehr schnell viele Millionen erwirtschaften, die Gewinne können sich aber auch genauso schnell wieder in Luft auflösen. Denn oft reichen kleine Kursbewegungen aus, um das Verhältnis zwischen Gewinnen und Verlusten im eigenen Depot zu kippen. Und gerade der Devisenmarkt ist ständig in Bewegung.

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Warum ist der Markt so volatil?

Die starken Schwankungen am Devisenmarkt resultieren aus den zahlreichen Einflussfaktoren, die darauf einwirken. Nicht nur die Zinsen und geldpolitische Entscheidungen können den Wechselkurs beeinflussen, auch politische Ereignisse wie Kriege, die Inflationsrate oder Naturkatastrophen können Währungskurse bewegen.

Als am 15. Januar 2015 die Meldung kursierte, dass die Schweizerische Nationalbank die Frankendeckelung aufgibt, brachen die Schweizer Aktien im Benchmarkindex ein. Doch der Index erholte sich von seinem Einjahrestief und erreichte bereits im August ein Achtjahreshoch.

Konsequenzen hatte die Entscheidung auch für die Konjunktur. Das Wirtschaftswachstum halbierte sich nach der Abschaffung der Frankendeckelung. Eine Rezession konnte die Schweiz allerdings vermeiden. Die SNB erwartet für 2015 ein Wachstum von knapp unter einem Prozent. 2016 soll es sich auf 1,6 Prozent steigern.

Die Arbeitslosenquote stieg im Dezember auf ein Fünfjahreshoch von 3,4 Prozent, wobei die Zahl der Personen ohne Beschäftigung um acht Prozent höher lag als im Vorjahr. Amtliche Prognosen sehen auch 2016 erneut mehr Arbeitslose. Sie rechnen mit einer Arbeitslosenquote von 3,6 Prozent. Für den Vizepräsidenten des SNB- Direktoriums, Fritz Zurbrügg, wurden die meisten Prognostiker indes von der Arbeitslosigkeit 2015 „positiv überrascht.“

Auf den ersten Blick sehe es nicht so schlecht aus, sagt auch Volkswirt Alexander Koch von der Raiffeisen Schweiz in Zürich. Im vergangenen Jahr sei eine technische Rezession vermieden worden, die Exporte seien nicht weggebrochen und der Arbeitsmarkt sehe immer noch solide aus. Ein Unsicherheitsfaktor bleibt dennoch: „Es hängt von der Währungsentwicklung ab.“

  • Bloomberg
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