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Schweizerische Nationalbank „Wir haben keine Pläne, Bargeld abzuschaffen“

Der Schweizer Notenbankchef, Thomas Jordan, äußert sich in Frankfurt über die Schwierigkeiten mit einer eigenen Geldpolitik im Schatten der Europäischen Zentralbank. Und geht dabei auf ein Tabu ein.
23.02.2016 - 17:02 Uhr
Der Chef der Schweizerischen Nationalbank achtet sehr genau auf die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Quelle: Reuters
Thomas Jordan

Der Chef der Schweizerischen Nationalbank achtet sehr genau auf die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB).

(Foto: Reuters)

Frankfurt Thomas Jordan ist nur selten in Frankfurt. Dabei wird die Geldpolitik der Schweiz zu einem nicht unbeträchtlichen Teil indirekt in der „Hauptstadt“ der Euro-Zone bestimmt. „Die Entscheidungen in der europäischen Geldpolitik sind für uns von größtem Interesse, weil sie starken Einfluss auf die Schweiz haben“, sagte Jordan am Dienstag bei einem Vortrag in Frankfurt.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hängt stark von der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) ab, da die Schweiz von Euro-Ländern umgeben ist. Dennoch versucht sie mit unkonventionellen Mitteln eigenen Spielraum zu behalten. Allerdings stößt sie dabei immer mehr an Grenzen.

Welche Probleme die starke Abhängigkeit von der Euro-Zone mit sich bringt, lässt sich besonders gut am Wechselkurs ablesen: Vor Beginn der Finanzkrise 2007 notierte der Euro bei 1,65 Franken – inzwischen sind es etwa 1,10 Franken.

Grund für den Höhenflug des Frankens sind massive Kapitalzuflüsse in die Schweiz. Zunächst vor allem wegen der Vertrauenskrise in der Euro-Zone. Später wegen der Krisenpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), die indirekt Kapital ins kleine Nachbarland lenkte. Denn niedrigere Zinsen in der Euro-Zone machen es für Investoren attraktiver, in die Schweiz auszuweichen. „Die Euro-Krise zwang die Notenbanken der Nachbarländer, unkonventionelle Maßnahmen zu ergreifen“, sagt Jordan.   

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    Die Schweiz hat den Zins auf minus 0,75 Prozent gesenkt und die Bilanz der Notenbank durch Devisenkäufe um mehrere hundert Milliarden Franken ausgeweitet. Inzwischen sieht Jordan jedoch die Grenzen erreicht. „Zinsen können nicht beliebig tief in den negativen Bereich gesenkt werden - irgendwann dürfte eine Flucht ins Bargeld einsetzen“, sagte er. Bislang hätte sich diese Befürchtung aber nicht bestätigt.

    Dieses Problem ließe sich möglicherweise durch die Abschaffung von Bargeld lösen. Doch solchen Spekulationen tritt Jordan entschieden entgegen. „Wir haben keine Pläne, Bargeld abzuschaffen“, sagt er deutlich. Die Geldpolitik müsse angepasst werden, wenn die langfristigen Kosten den kurzfristigen Nutzen übersteigen.

    Dass Jordan dies ausgerechnet in Frankfurt sagt, hat seinen Grund. In zwei Wochen trifft sich der Rat der Europäischen Zentralbank zu seiner nächsten geldpolitischen Sitzung. Dabei könnten Notenbankchef Mario Draghi und seine Kollegen eine weitere Lockerung beschließen. Die Schweiz geriete dadurch noch mehr in Bedrängnis.  

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