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Sitzungsprotokolle Steigende Aktienkurse bereiten EZB Sorgen

EZB-Ratsmitglieder äußern sich in der Regel selten zum Aktienmarkt. Doch das Thema beschäftigt sie derzeit offenbar mehr als üblich, zeigen die Protokolle der Sitzung im Januar.
20.02.2020 - 16:09 Uhr 2 Kommentare
Die aktuelle Börsen-Rally besorgt die Notenbanker Quelle: dpa
EZB-Zentrale in Frankfurt

Die aktuelle Börsen-Rally besorgt die Notenbanker

(Foto: dpa)

Frankfurt Es kommt selten vor, dass sich Notenbanker direkt zu Entwicklungen am Aktienmarkt äußern. Auf der Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) im Januar aber war es anders: Dort diskutierten die Mitglieder kritisch über die Entwicklung zum Jahresende, wie aus den am Donnerstag veröffentlichten Sitzungsprotokollen hervorgeht.

„Es wurde angemerkt, dass die Kursgewinne am Aktienmarkt nicht mit einer Verbesserung der Gewinnaussichten [der Unternehmen] in Verbindung stehen“, heißt es darin. Ähnlich wie in den USA deute dies darauf hin, dass sich die Finanzmärkte von den verhaltenen Aussichten für die Realwirtschaft abgekoppelt hätten.

Der anhaltende Anstieg der Bewertungen an den Aktienmärkten sei nur schwer mit den „schwächeren Gewinnaussichten auf beiden Seiten des Atlantiks“ sowie „allgegenwärtiger Unsicherheit“ in Einklang zu bringen. Zudem wurde auf der Ratssitzung angemerkt, „dass höhere Immobilienpreise zu Fragilitäten im Finanzsystem führen“, die von der makroprudenziellen Politik, also vorausschauender Finanzaufsicht, möglicherweise nicht ausreichend berücksichtigt werden könnten.

Zum Jahresende 2019 hatten sich die wirtschaftlichen Stimmungsindikatoren verbessert. Notenbankvertreter haben davon gesprochen, dass sie Anzeichen für eine Stabilisierung sehen. Allerdings könnte das Coronavirus die Aussichten wieder verschlechtern. Zuletzt hatten sich einige Indikatoren wieder eingetrübt, vor allem für das verarbeitende Gewerbe. Dagegen sind die Aktienmärkte mit Gewinnen auch ins neue Jahr gestartet. Der Dax erreichte jüngst neue Höchststände.

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    Der Chefvolkswirt der ING in Deutschland, Carsten Brzeski, wertet die Protokolle als Warnung. „Es sieht so aus, als ob die EZB versucht, die Finanzmärkte vor zu viel Optimismus zu warnen und sie auf die neue Realität vorzubereiten“, kommentiert er. Die EZB-Sitzung fand am 23. Januar statt. Das Protokoll wird aber erst vier Wochen später veröffentlicht. Brzeski vermutet, dass die Ratsmitglieder die Einschätzungen im Protokoll an die schlechtere Lage angepasst hätten.

    „Das verarbeitende Gewerbe hat sich - zumindest vorübergehend - verschlechtert, anstatt sich zu verbessern, und der Ausbruch des Coronavirus wird nicht nur die chinesische Wirtschaft, sondern auch die Euro-Zone negativ beeinflussen“, sagt Brzeski. Commerzbank-Ökonom Michael Schubert wertet die Protokolle als Signal, dass die EZB „vorerst bei ihrer abwartenden Haltung bleiben wird“. Der Rat wolle angesichts der zaghaften Signale einer Stabilisierung der Wirtschaft im Euro-Raum weitere Daten abwarten, um zu sehen, ob Optimismus gerechtfertigt sei.

    Prognosen im März

    EZB-Chefin Christine Lagarde hatte jüngst die Folgen des Coronavirus als Risiko für die Konjunktur im Euro-Raum bezeichnet. In einer Rede in Paris sagte sie, dass die kurzfristigen Unsicherheiten für die Konjunktur im Euro-Raum vor allem auf globale Risiken wie die Handelsstreitigkeiten, geopolitische Konflikte und jetzt auch „auf den Ausbruch des Coronavirus und seine potenziellen Auswirkungen auf das weltweite Wachstum“ zurückzuführen sind.

    Ähnlich äußerte sich auch EZB-Vizepräsident Luis de Guindos am Donnerstag: „Der Ausbruch des Coronavirus und seine möglichen Auswirkungen auf das weltweite Wachstum sorgen für neue Unsicherheit“, sagte er. Die EZB werde genau beobachten, wie sich die Risiken durch das Coronavirus weiter entwickelten.

    Mehr Hinweise darüber dürften die neuen Wachstums- und Inflationsprognosen der EZB geben, die die Notenbank auf ihrer nächsten Ratssitzung im März vorlegen wird.

    Auf der Sitzung im Januar wurde laut dem Protokoll hinsichtlich der wirtschaftlichen Aussichten auch auf einige positive Anzeichen verwiesen, wie etwa eine etwas bessere Stimmung bei den Unternehmen. Gleichzeitig wurde aber vor zu großem Optimismus gewarnt. So seien die Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe nach wie vor auf einem Niveau, das einen Rückgang signalisiere.

    Modellberechnungen würden auf eine Stabilisierung des Wirtschaftswachstums auf niedrigem Niveau hindeuten. Probleme sehen die Notenbanker weiterhin in der Autoindustrie. Auch tiefere strukturelle Faktoren, die diese Branche beeinträchtigen, müssten genau analysiert werden.

    Analyst Brzeski rechnet damit, dass Lagarde auf der nächsten Pressekonferenz im März einen vorsichtigeren Ton anschlagen wird. „Alles in allem relativieren die Protokolle der Januar-Sitzung nicht nur die subtil optimistischeren Veränderungen, sondern scheinen auch die Marktteilnehmer und die EZB selbst auf eine herausfordernde März-Sitzung vorzubereiten.“

    Mehr: Experten zweifeln am geldpolitischen Kurs der EZB.

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    2 Kommentare zu "Sitzungsprotokolle: Steigende Aktienkurse bereiten EZB Sorgen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Besser als Herr Ax das getan hat, kann man die Situation nicht zusammenfassen. Die Politik muss endlich die Grundlagen der Wirtschaft relisieren.

    • Die viel zu lockere Geldpolitik kann sich derzeit noch immer nicht in Inflation von mobilen Gütern entladen. Daher sucht sich die zu hohe Geldmenge wie Wasser andere Wege. Es bleiben Sachwerte. Die Renditen werden stark sinken und dann werden die Blasen unabhängig von der Realwirtschaft platzen und eine Krise auslösen.

      Man kann die Probleme des Euro nicht mit dauerhafter Minuszinspolitik lösen. Die Kollateralschäden sind zu groß. Ohne die verfehlte Europolitik der EU hätte es die EU-Skepsis in der EU nicht gegeben. Wenn die EU unbelehbar so weiter macht, stellt sich die Frage nach dem Überleben der EU.

      Was ist denn wichtiger? Der Euro oder die EU?

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