Staatsanleihen EZB tüftelt an Details der Stützungskäufe

Mit seinem Versprechen, alles für den Erhalt des Euro zu tun, hat sich Notenbank-Präsident Mario Draghi weit aus dem Fenster gelehnt. Die EZB-Ökonomen nähern sich der finalen Version des Ankaufprogramms, Variante 2.0.
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Eine Videokamera vor der Zentrale der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt. Quelle: dapd

Eine Videokamera vor der Zentrale der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt.

(Foto: dapd)

FrankfurtDie Europäische Zentralbank (EZB) will bei der Gestaltung ihres künftigen zweiten Staatsanleihenkaufprogramms die Chancen eines Gegenangriffs von Spekulanten so gering wie möglich halten. Statt konkrete Renditeobergrenzen für die Papiere einzelner Länder zu setzen, will der EZB-Rat offenbar Zinsbänder definieren, die er bei den Interventionen anpeilt, aber nicht veröffentlicht.

„Das ist eine der Optionen, die derzeit noch auf der Ebene der eingesetzten Arbeitsgruppen diskutiert wird und dann auch im Rat besprochen wird. Es ist der wahrscheinlichste und erfolgversprechendste Ansatz“, sagte ein mit den internen Diskussionen vertrauter Notenbanker zu Reuters. Ein anderer Insider bestätigte dies. Ein Sprecher verwies auf frühere Erklärungen der Notenbank, wonach Spekulationen über noch nicht getroffene Entscheidungen irreführend seien.

Ob die von der Notenbank anvisierten Zinsbänder etwa für spanische oder italienische Bonds absolut gelten oder aber den Renditeabstand zu deutschen Bundesanleihen markieren, sei noch nicht entschieden, hieß es. Das Anpeilen eines Zinsbandes hätte auf jeden Fall den Vorteil, dass Spekulanten nicht genau wüssten, ab welchem Niveau die EZB in den Markt eingreife und hielte zudem die Flexibilität der Notenbank hoch.

Sie kann dann nämlich je nach Lage an den Finanzmärkten intervenieren, gegebenenfalls das Zinsband verengen oder weiter machen und ist somit gegenüber dem Markt stets im Vorteil. Konkrete Renditeobergrenzen könnten, selbst wenn sie nicht publik gemacht würden, schnell von den Börsianern erkannt und getestet werden. Dann würde die ganze Operation für die EZB im schlimmsten Fall extrem teuer und womöglich ein Fass ohne Boden.

EZB-Präsident Mario Draghi hatte Anfang des Monats ein zweites, schlagkräftigeres Anleihekaufprogramm angekündigt, um den Euro zu retten und überschuldeten Ländern zu helfen. Details werden zur nächsten EZB-Ratssitzung am 6. September erwartet, wenngleich zu diesem Zeitpunkt wichtige Rahmenbedingungen für die EZB noch unklar sind. Erst am 12. September entscheidet nämlich das Bundesverfassungsgericht, ob eine Beteiligung am permanenten Rettungsschirm ESM mit dem Grundgesetz vereinbar ist.

Wie von an den Verhandlungen beteiligten Personen zu erfahren war, sind zahlreiche Details noch nicht fest geklopft. So wird etwa weiter darüber debattiert, welche Anleihen gekauft werden - Draghi hatte angedeutet, dass es sich eher um kurzlaufende Papiere handeln dürfte. Zudem wird über die Bedingungen gestritten, die Länder erfüllen müssen, um gegebenenfalls in den Genuss einer EZB-Intervention zu kommen. Draghi hatte erklärt, ein Land müsse unter den Rettungsschirm schlüpfen, bevor die EZB am Sekundärmarkt aktiv würde. Dadurch wären bestimmte Bedingungen bereits definiert.

„Bald kauft die EZB auch alte Fahrräder"
German Finance Minister Wolfgang Schaeuble delivers a speech during a session in Berlin
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„Sicher ist, dass wir ohne den geplanten Rettungsschirm den Euro nicht verteidigen können. Die nächste Krise wäre dann nicht mehr nur eine Krise des Finanz- und Wirtschaftssystems, sondern auch eine Krise des politischen Systems.“

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) am 23.5.2010 in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

Roubini of New York University's Stern School of Business speaks during the Skybridge Alternatives Conference in Las Vegas
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„Die nächsten Blasen werden noch gefährlicher werden. Wir können es uns nicht leisten, Krise über Krise zu finanzieren.“

Der als Krisenprophet bekanntgewordene New Yorker Ökonom Nouriel Roubini am 28.5.2010 in Frankfurt.

Zeitung: Weber soll frueher auf UBS-Spitzenposten gewaehlt werden
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„Die Finanzkrise ist wie eine Sturmflut über uns hereingebrochen. Es ist absolut sinnvoll, den Deich in seiner vollen Länge wieder zu befestigen und zu stärken.“

Der damalige Bundesbank-Präsident Axel Weber am 17.6.2010 bei einem Bankenkongress in Frankfurt.

Luxembourg's PM Juncker addresses a news conference after an EU leaders summit in Brussels
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„Es wird keine Pleite geben.“

Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker am 3.6.2011 nach einem Treffen mit Griechenlands damaligem Premier Giorgios Papandreou in Luxemburg.

Germany Cabinet
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„Was wir in diesen Zeiten aufwenden, bekommen wir um ein Vielfaches zurück.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel am 21.7.2011 nach einem Krisengipfel in Brüssel über Chancen und Risiken der milliardenschweren Griechenland-Rettung.

FDP-Finanzexperte wehrt sich gegen Anti-Euro-Etikett
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„Wenn die EZB so weitermacht, kauft sie bald auch alte Fahrräder auf und gibt dafür neues Papiergeld heraus.“

Der FDP-Finanzpolitiker Frank Schäffler am 9.8.2011 auf „Handelsblatt Online“ zu den umstrittenen Staatsanleihekäufen der Europäischen Zentralbank.

Germany Financial Crisis
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„Das ist es. Punkt, Aus, Schluss, Basta!“

Der Sprecher von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU, Foto), Martin Kotthaus, versichert am 19.10.2011 in Berlin, dass beim Euro-Rettungsschirm EFSF nicht an der deutschen Haftungsobergrenze von 211 Milliarden Euro gerüttelt wird.

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15 Kommentare zu "Staatsanleihen: EZB tüftelt an Details der Stützungskäufe"

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  • Draghi wird im großen Stil Schrottanleihen kaufen!! Eine geplante geheime Zinsobergrenze wird es möglich machen. Seine Exkollegen, mit denen er immer noch aufs Engste verbandelt ist, werden verabredungsgemäß für ein ständiges Erreichen der Obergrenze sorgen. Sein Glaubensbruder Monti freut sich schon über eine rasche und umfassende Hilfe!! Natürlich wird die Vorgensweise alternativlos und auch geheim ablaufen. Parlamente sind nur hinderlich, und sie kennen ja auch nicht die geheime Zinsobergreze.Nicken dürfen sie.

  • Zitat:
    Unter Hochdruck arbeiten die Experten der Europäischen Zentralbank (Europas größte Bad Bank) an einem Hilfsprogramm für angeschlagene Euro-Staaten. Klar scheint, dass die EZB massiv Staatsanleihen der betroffenen Länder aufkaufen wird, um deren Zinsen zu senken. Doch über den genauen Weg sind sich die Währungshüter noch uneins.
    Zitat Ende:

    Natürlich will Goldman Sachs-Draghi dem ClugMed helfen; dafür sollen die Zinsen wie bei der (T)Euroeinführung wieder nivelliert werden.

    "Rendite europäischer Staatsanleihen (10-jährig)"
    http://www.markt-daten.de/charts/zinsen/staatsanleihen-eu.htm

    Damals wurden Blasen aufgebaut (Spanien/Irland) oder das Geld verkonsumiert (Griechenland).

    Draghi ist ja Italiener ...


  • Gesunder Menschenverstand:
    Habe ich kein Geld, kann ich nichts kaufen, sondern muß arbeiten und sparen bis ich es zusammen habe.
    Verbraucherverstand:
    Wozu gibts Dispos?
    Wirschaftsverstand:
    Ich habe eine gute Idee, die Ertrag und Arbeitsplätze schafft, zum Beispiel mit wirklich nützlichen Produkten (solls ja noch geben), habe dafür aber entweder gar kein Eigenkapital oder nur Kapital X.
    Also muß ich jemanden überzeugen, damit ich meine Idee finanzieren kann, oder es wird eben weder Produkt noch Arbeitsplatz geschaffen.
    Habe ich jemanden überzeugt, zahle ich dafür Zinsen und Tilgung. Das muß ich in meiner Preiskalkulation mit einbeziehen. Produkt wird verkauft, Arbeiter haben Arbeit, ich kann Kredit plus Zinsen zurück zahlen, Arbeiter können wieder was anderes kaufen, oder Miete zahlen, alles wird gut.

    Bankenverstand:
    Verleihe ich Geld, verdiene ich Geld, für den Geldverleih muß ich mir selbst Geld besorgen. Das kostet auch Geld und Zinsen. Verleihe ich zuviel, oder gehen viele Kunden mit ihren Projekten pleite, Bank auch pleite, zumindest zwangsläufig sehr sehr knauserig mit Krediten, diese müssen erstmal wieder sehen, selbst nicht pleite zu gehen.

    Staatsverstand:
    Alle Bürger und Firmen müssen arbeiten und Steuern zahlen. Keine Arbeit, weil Vater Staat zuviel von den Banken geholt hat, die sich auch zuviel geliehen haben und nun kein Geld mehr zum verleihen in die Wirtschaft haben, den Rest liest man hier jeden Tag.

    Spekulanten lass ich hier jetzt mal raus, wenn man sich tiefer ins System denkt, kommt man von selbst drauf, und genau das ist passiert. Und dadurch ist das notwendige Verleihspiel, bzw. der Verleihkreislauf in eine Verleihspirale ausgeufert.
    Wann die Spirale mal zu ende ist, entscheidet leider auch die Spekulation. Politik und Banken tun zur Zeit nichts anderes, als das in ein verträgliches Gleichgewicht zu bekommen. Und das richtet sich nach den politischen Willensbildungen mit ein bischen Psycho je nach "Verstand".

  • Mir geht es immer um folgendes:

    Leihe ich irgendjemandem mein Geld,
    oder das Geld meiner Investoren,
    so möchte ich es zu 100% wiedersehen,
    also, es gibt nix ohne Sicherheiten (Griechische Insel, Reichstag)
    Alles andere ist Unsinn oder Leichtsinn.

  • Bei Ihrem Bildungsstand habe ich sicher das Prädikat Maathematiker verdient! Es ist eben alles relativ.

  • ...ein Mathematiker:
    Oha!

  • Hohe Renditen in Spanien und Italien sind nicht von Spekulanten verursacht. Spekulanten haben Anleihen von diesen Staaten nach den Draghi-Aussagen vor drei Wochen sogar gekauft. Langfristige Investoren haben das Vertrauen in die Südländer verloren, da diese Staaten bankrott sind. Mit dem ständigen Hinweis auf die bösen „Spekulanten“ wollen die Eurofanatiker ihre verfehlte Politik rechtfertigen und dem deutschen Steuerzahler das Geld herauslocken, um den südländischen Lebensstil zu finanzieren. Das Handelsblatt sollte bei dieser Verdummung nicht mitmachen. Bitte schreiben Sie einen Artikel über japanische Lebensversicherer, die italienische und spanische Anleihen abgestoßen haben und keine weiteren mehr kaufen, oder über holländische Pensionsfonds, die sich zurückhalten. Wenn diese Anleihen bei gegenwärtigen Renditen trotz der Bedenken echter internationaler Investoren so tolle Investitionen sind, können Merkel, Schäuble, Draghi, Monti ja gerne ihre eigenen Ersparnisse darin anlegen. Vielleicht fragen die Medien diese Personen, wieviel sie von diesem Junk selbst schon gekauft haben.

  • Draghi hatte erklärt, ein Land müsse unter den Rettungsschirm schlüpfen, bevor die EZB am Sekundärmarkt aktiv würde.
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    Dann müssten Italien und Spanien zunächst unter den Rettungsschirm schlüpfen, bevor die EZB deren Bonds aufkauft?
    Das wäre allerdings nicht im Sinne von Monti und Rajoy, die sich bisher vehement gegen jede Kuratel ausgesprochen haben, und mit Sicherheit die Troika in Rom und Madrid zum Teufel jagen würden. Ja, und nun? Welche Anleihen sollen denn gekauft werden? Die griechischen dürften wohl nicht akzeptabel sein, da kann man es auch ganz sein lassen.

  • Die ganze Welt ein Affenhaus, Europa die Zentrale!

  • @ Dr.NorbertLeineweber
    Nanu? Und das alles ohne um Erlaubnis bei Jens Weidmann gebeten zu haben!
    Die werden unverschämt langsam bei der EZB, haben sie denn nicht gehört was Kauter (bekannter deutsch-nationale) der Euro-Austritt Griechenlands "kein Problem" gesagt hat: jetzt wird deutsch in Europa gesprochen, wenn das nicht was ist! Was Onkel Adolf, aus dem Süden des deutschsprachigen Raum, nicht geschafft hat das schafft Deutschland mit Kauter und Jens Weidmann - Helden oder Quertreiber?! Weder noch, einfach deutsch-nationale.

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